Räume über Räume: Auf Paletten unter Plastikplanen lagert Gregor Schneider seine geräumigen Kunstwerke. Foto: Markus J. Feger

Drei Arbeitstage im Leben von…

...Gregor Schneider: k.west hat dem Künstler zugeschaut bei den Vorbereitungen seiner Ausstellung in der Bonner Bundeskunsthalle.  

TEXT STEFANIE STADEL

Rheydt. Ein trüber Morgen Ende Oktober.
Großtankstelle, Matratzenladen, Sonnenstudio – die triste Durchgangsstraße bietet alles, was man an so einem Ort erwarten würde. Neben dem Shop für Shishas liegt das Tor, an diesem Morgen fast verstopft von einem dicken Lkw, der rückwärts in der riesigen Halle steckt. Drinnen ist es nicht wärmer als draußen und ziemlich düster. Taubendreck und kleine Federn auf dem Fußboden. Gregor Schneider hat den Reißverschluss seiner Jacke zugezogen, die Hände in den Taschen vergraben, und damit er sie zum Telefonieren nicht herausziehen muss, ist er mit einem Headset verkabelt. So beaufsichtigt der Künstler die Packer beim Verladen. Ab und zu muss er den Gabelstapler stoppen, damit er nicht wieder eines der Kunstwerke rammt. Denn es ist eng in der Halle. 

Ungeheuerlich, was Schneider hier angehäuft hat: Räume über Räume aus rund 30 Jahren, gestapelt oder zerlegt auf Paletten und geschützt durch Plastikplanen. »Kellereingang« liest man auf einem der Frachtstücke, wohl ein Teil aus dem berühmten »Haus u r«. Jenem unbewohnten Mietshaus, das Schneider sich seit seinem 16. Lebensjahr mit abenteuerlichen Um- und Einbauten zu eigen gemacht hat. Die Basis seines Schaffens – und der Beginn einer großen Karriere: 2001 hatte Schneider, gerade 32 Jahre alt, mehr als 20 dieser Räume übers Meer nach Venedig geschafft, im Deutschen Biennale-Pavillon eingebaut und dafür den Goldenen Löwen
bekommen. Anschließend wanderten die »Immobilien« nach Los Angeles. Auch in Tokio und Australien hat er seine Räume schon installiert. 

Die Wanne hinten links in der Lagerhalle stammt aus seinem »Bathroom« für London. Die skelettierten Göttinnen, auf die man ab und zu stößt, hat er für ein religiöses Ritual in Kalkutta geformt. Mitten drin steht in dicken Rollen der Parkett-Fußboden aus seinem umstrittenen »Sterberaum« bereit zum Abtransport.

»Ich habe anscheinend ein Bedürfnis, die Originale zu lagern«, bemerkt Schneider nebenbei. So muss es wohl sein. Er schmeißt nichts weg, macht nichts neu. Sammelt alles in dieser Halle und in ein paar weiteren, die er hier und dort in Rheydt gekauft oder gemietet hat. Soll seine Kunst erhalten bleiben, hat er kaum eine andere Wahl, als sich selbst darum zu kümmern. Denn Sammler greifen eher nach handlicheren Stücken. Und Museen sind ebenfalls nur selten darauf eingerichtet, solch raumgreifende Werke in ihre Kollektion aufzunehmen. 

Sperrige Arbeiten wie die von Schneider werden im Ausstellungsbetrieb oft schlicht neu gebaut – von Schwitters bis Absalon kennt man die Praxis. Aber das kommt für Schneider nicht in Frage. »Als Künstler scheine ich daran zu glauben, dass in dem Material etwas eingeschrieben ist«, bemerkt er. »Ich glaube, dass das Denken in den Dingen steckt.« Also deponiert und verschickt Schneider seine Kunst persönlich. 

 

Seit halb Acht ist er an diesem Morgen auf den Beinen und wird wohl bis zum Nachmittag in der Halle bleiben, auch an den kommenden Tagen. Denn da wird einiges verschoben. Schneider hat den Platzbedarf in den Lastwagen auf Millimeterpapier errechnet und (...)

Den vollständigen Text lesen Sie in der gedruckten Ausgabe von k.west

Kunst
12 / 2016

Drei Arbeitstage im Leben von…

Von: Stefanie Stadel


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