Der Kater (Philip Pelzer) weist den Weg: Andreas Ksienzyk (l.) und Ann-Kathrin Hinz in Dortmund. Foto: Birgit Hupfeld

Wenn der Hofstaat Theater spielt

Welche Weihnachtsstücke zeigen die Bühnen in NRW für Kinder? In Dortmund steht »Der gestiefelte Kater« auf dem Programm.

REZENSION ANNIKA WIND 

Ein Kleiderständer und ein Schaukelpferd – fertig ist die Kutsche. So bauen sich die Prinzessin (Ann-Kathrin Hinz) und der Marschall (Andreas Ksienzyk) ihre Kulisse vor dem eigenen Auftritt schnell zu recht. Denn was Andreas Gruhn mit seinem Theater für junges Publikum auf die Bühne bringt, ist ein Stück im Stück. Die Schauspieler Karl (als hemdsärmeliger Womanizer: Thorsten Schmidt) und Otto (Philip Pelzer, der später auch als Kater überzeugt) hat der Hunger an den Hof des regierungsmüden Königs (herrlich stoffelig: Rainer Kleinespel) getrieben. In der Schlossküche auf frischer Tat ertappt, bieten sie an, mit dem Hofpersonal ein Schauspiel zu inszenieren. Der Monarch ist begeistert. 

So wird das (konventionelle, aber üppige) Bühnenbild von Oliver Kostecka mit Burgturm, Hängebrücke und großem Hofplatz zum Theaterraum: Charles Perraults »Der gestiefelte Kater« steht auf dem Programm; und schon nach kurzer Zeit ist nicht mehr klar, wer hier eigentlich welche Rolle nur spielt oder längst in ihr aufgegangen ist. Der König findet Gefallen an seinem Part als Bettler, die sonst überkorrekte Hauslehrerin (Johanna Weißert) hat plötzlich Freude an Gaunereien, die herzensgute Köchin (Bettina Zobel) mutiert zum despotischen Zauberer. 

Klug überlagern sich in der stellenweise zu langen, aber sonst vergnüglichen Produktion die Ebenen, so dass das kleine Publikum bis zuletzt aufs glückliche Ende für König und Kater hofft – und auf einen echten Heiratsantrag am Schluss.

ab 6 Jahren, zahlreiche Termine im Dez. & Jan., eine Produktion des Theaters für junges Publikum Dortmund in der Sckellstraße.

Bühne
12 / 2017

Wenn der Hofstaat Theater spielt

Von: Annika Wind


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