Hausherr im eigenen Museum: Gil Bronner. (Foto: Albrecht Fuchs, Köln)

Tomás Saraceno wird auch einziehen ins neue Sammlermuseum. (Tomás Saraceno: 80SW Iridescent Flying Garden, Air-Port-City, 2011. Courtesy Sammlung Philara.)

Gil Bronner: Da geht noch was

Wieder ein neues Museum: Der Düsseldorfer Immobilienunternehmer und Kunstsammler Gil Bronner hat ein Haus für die eigene Kollektion eingerichtet.

TEXT STEFANIE STADEL

Links der China-Imbiss, rechts die Galerie für Zeitgenössisches. Dazwischen liegt die Tordurchfahrt, Birkenstraße 47. »Glas Lennarz« steht in großen Lettern darüber, doch die Glaser sind längst gegangen. Gil Bronner hatte das ganze Areal im Düsseldorfer Stadtteil Flingern aufgekauft und vor eineinhalb Jahren mit dem Umbau begonnen. Zunächst wollte der Sammler und Immobilienunternehmer nur einen Flügel des Gebäudes für sich und seine Kunst. Der Rest sollte weichen – Mehrfamilienhäuser waren eine Option. Doch entschied sich Bronner bald um und für die ganz große Lösung. »Ich muss wohl etwas geistig umnachtet gewesen sein«, scherzt er. Den Aufwand zumindest habe er erheblich unterschätzt. 

Seit Jahren schon hatte Bronner seine Schätze publik gemacht mit kleineren Ausstellungen in Räumen der ehemaligen Leitz-Werke auf der Walzwerkstraße in Düsseldorf-Reizholz. Die einstigen Gewerbehallen in Flingern geben ihm nun andere Möglichkeiten. Um die 1700 Quadratmeter Fläche kann er dort bespielen, dazu kommen noch einmal gut 600 Quadratmeter für den Skulpturengarten auf dem Dach. Ein echtes Sammlermuseum, das hier eröffnet. Mit Räumen für Wechselausstellungen und mit viel Platz für die permanente Präsentation, mit Café und Terrasse. Auch ein Lager gibt es und Appartements für Künstler, die vor Ort arbeiten. 

Einen Monat vor dem Start sieht es allerdings so aus, als müssten sich Kunst und Künstler noch etwas gedulden mit dem Einzug. Mitte Mai wurde das Feld noch von Bauarbeitern beherrscht. Dazwischen hetzt Bronner umher und weiß schon ziemlich genau, wo alles stehen und hängen wird: Ins Entree kommt eine Arbeit von Tobias Rehberger, der Ausstellungsraum weiter hinten ist für eine imposante Installation von Tomás Saraceno reserviert. In den Graben des alten Gleisbetts wird das junge amerikanische Künstlerduo Jonah Freeman und Justin Lowe einziehen. Eine komplizierte Geschichte sei das, so Bronner. Ihre Installation gleiche einem kleinen Einfamilienhaus mit lauter unterschiedlichen Zimmern.

Mehr Zeit für Erklärungen mag er sich nicht nehmen. Aber zu einer Rechenaufgabe lässt sich der Bauherr überreden. Die Lösung hat er schnell parat: Weniger als fünf Prozent seiner Kollektion wird er in seinem eigenen Museum zeigen können. Nicht einmal hundert von 1500 Stücken – so viele hat er in nicht einmal 20 Jahren erstanden. Eine Menge, und es werden immer mehr. Bronner kauft und kauft in Galerien und auf Messen, was ihm gefällt und was er für relevant hält. Nur zeitgenössische Kunst, mehr Beschränkung mag er sich nicht auferlegen.

Viele junge Künstler seien darunter, aber doch wohl mehr Vertreter der mid-career-Generation, weil das seine eigene sei, sagt Bronner (Jahrgang 1962). Und beginnt auf die Frage nach seinen letzten Erwerbungen eilig die E-Mails auf dem Smartphone zu durchlaufen. Ana Mazzei, so der Name seiner jüngsten Entdeckung, eine Brasilianerin. Luca Trevisani heißt der Italiener, dessen Arbeit er ebenfalls erst kürzlich gekauft hat. Etwas bekannter: die Turner-Prize-Trägerin 2013, Laure Prouvost. Auch sie fand unlängst Eingang in Bronners Sammlung. Von hier aus reicht das Spektrum bis zu Stars wie Thomas Ruff, Marcel Odenbach, Katharina Fritsch. Ihren klangvollen Namen »Philara« verdankt die Kollektion Bronners Kindern – die heißen Philipp und Lara.

Folgt er irgendwelchen Vorbildern? »Jein«, meint Bronner. Und beginnt in einem Atemzug zu schwärmen von Harald Falkenberg und dessen Hallen in Hamburg oder von Christian Boros, der einen Bunker in Berlin-Mitte für seine Kunst hergerichtet hat. »Natürlich gibt es einige Sammler, deren Tätigkeit ich sehr bewundere«, so Bronner. »Richtig viele eigentlich. Auch Julia Stoschek, natürlich.« Die meisten verfügten allerdings über deutlich mehr finanzielle Reserven als er selbst.

Vorbild könnte Bronner auch in der eigenen Familie gefunden haben. Die Eltern sind ihm im Sammeln vorangegangen. Auch im Engagement für die Kunst. Sie gründeten die Dan und Cary Bronner-Stiftung und fördern den deutsch-israelischen Künstleraustausch. Die Bronner Stiftung Düsseldorf, die Kunststiftung NRW, die Tel Aviv Artists’ Studios und das Goethe-Institut Israel vergeben dazu regelmäßig Stipendien für Künstler hier und dort. Gil ist heute im Vorstand der Bronner Stiftung. Auch darüber könnte man noch sprechen an diesem Vormittag, doch ein Handwerker kommt dazwischen. Bronner wirkt fast erleichtert, als man ihm dankt und die Hand zum Abschied reicht. Es gibt noch viel zu tun.

Die Sammlung »Philara« eröffnet am 26. Juni 2016 mit der Neupräsentation des Sammlungsbestandes und einer Wechselausstellung von Friedrich Kunath ihren neuen Ausstellungsort in der Birkenstraße 47 in Düsseldorf.

Kunst
06 / 2016

Gil Bronner: Da geht noch was


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