Foto: Antonio D’Amato

Ein geläuterter Heiland

Ivo Pogorelich gastiert beim Klavier-Festival Ruhr

//   Er naht. Sein Erscheinen ist angesagt. Am 20. Mai wird er auf Einladung des Klavier-Festivals Ruhr im Konzerthaus Dortmund gastieren. Schon ist seine Gemeinde hysterisch eingestimmt, die Klavieromanen liegen hellhörig auf der Lauer, selbst der gemeine Konzertgeher frohlockt in seltsamer Wollust. Endlich, er kommt.

Wer kommt? Der begnadete Virtuose Ivo Pogorelich, 50, der die Akkorde nur so wuchtet und die Oktaven nur so schmettert, der die Läufe perlen, die Triller flüstern und die Stakkati geradezu erlesen sticheln lässt? Der, keine Frage, handverlesene Klavierkunst bietet, pianistische Manufaktur vom Feinsten, der alles drauf hat und scheinbar locker aus dem Frackärmel schüttelt: Power, Charme, Schmelz und Anmut?

Oder kommt der – ebenso begnadete – Showsteller Ivo Pogorelich, dieser hoch gewachsene Hingucker mit dem androgynen Flair, der vor rund drei Jahrzehnten erstmals mit schnöseligem Aplomp, in voller Länge etepetete, die pianistische Weltbühne betrat, mit blasiertem Dünkel über sein Publikum hinwegsah und sich dann am Steinway mit theatralischer Inbrunst in seine ach so abgründige Künstlerseele vertiefte?

Jedenfalls kehrt diese wohl spektakulärste, genialischste, kapriziöseste Kultfigur der Nachkriegszeit zurück auf die Konzertbühne: ein Narziss, der unverschämt neidisch zu sich aufblickte: »Ich möchte gern mein Publikum sein«, und bei dem nie klar war, wen er virtuoser aufführte und vorführte: sich oder Beethoven.

Doch wie glamourös sich die Personalie Pogorelich auch immer von der Schnittmenge der übrigen globalen Flügelmänner abhob, unbestritten war stets: Der Sohn eines auch dirigierenden Kontrabassisten aus Belgrad konnte grandios Klavier spielen und sein Talent mit allen Machenschaften der modernen Marketing-Maschinerie genauso grandios versilbern. Pogorelich stilisierte sich zum ersten Popstar der Klassikszene.

Dabei begann seine Laufbahn recht solide, banal gesagt: Ihr Start war stinknormal. Mit sieben hatte Ivo daheim angefangen mit der üblichen Schule der Geläufigkeit, mit zwölf wechselte er in die Kaderschmieden von Moskau, dem Epizentrum russischen Klavier-Drills. Die entscheidende Wende in Leben und Stil des jungen Virtuosen bewirkte wenig später die Begegnung mit der Pianistin und Pädagogin Aliza Kezeradze. Ihr und ihrer Art, die Kunst des Pianoforte zu vermitteln, vertraute sich der Teenager leidenschaftlich und lebenslänglich an. Später heirateten beide.

Der glänzend aussehende…

Ivo Pogorelich: 20. Mai 2009, Konzerthaus Dortmund; www.klarvierfestival.de; Info / Ticket: 0180 500 18 12

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Musik
05 / 2009

Ein geläuterter Heiland

Von: Klaus Umbach


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