Christine Vogt

1967 in Neheim-Hüsten (Hochsauerlandkreis) geboren. Studium der Kunstgeschichte, Geschichte, Baugeschichte und Politischen Wissenschaft an der RWTH-Aachen, Promotion 2007. Wissenschaftliche Mitarbeiterin am Suermondt-Ludwig-Museum Aachen; zahlreiche Ausstellungen zu Themen der alten wie der zeitgenössischen Kunst. Seit März 2008 Leiterin der Ludwig Galerie Schloss Oberhausen.

WELCHES KUNSTWERK, GLEICH WELCHEN GENRES, HAT IN IHNEN DIE STÄRKSTE EMOTION AUSGELÖST?

Schwer zu sagen! Die Gegenüberstellung von Aelbert Bouts spätmittelalterlichem »Schmerzensmann« und Bill Violas Videoinstallation »Dolorosa« in der Brüsseler Ausstellung »Prayers and Portraits« hat mich sehr beeindruckt.  

WENN SIE VON IHRER EIGENEN INSTITUTION ABSEHEN, IN WELCHEM GEBÄUDE DER KULTUR WÜRDEN SIE GERN DIE NACHT VERBRINGEN?

Mal eine ganze Nacht allein im Louvre wäre schon toll!

EIN SPONSOR ÜBERLÄSST IHNEN EINE MILLION EURO. WIE VERWENDEN SIE DAS GELD?

Gut anlegen und dann damit Projekte fördern, die es sonst schwer haben.

WENN SIE NICHT WÄREN, WAS SIE SIND, WER ODER WAS HÄTTEN SIE SONST SEIN MÖGEN?

Agnes Dürer. Dann wüsste ich endlich, wie Albrecht gearbeitet hat und was an den Gerüchten Pirckheimers über Agnes und Albrecht dran ist.

WAS WÄRE FÜR SIE DAS GRÖßTE UNGLÜCK?

Krieg.

WELCHES BAUWERK IN NRW MÖGEN SIE AM LIEBSTEN?

Den Aachener Dom. Kein anderes Bauwerk vereinigt so kühn und in so großer Harmonie innovativste Bauformen und schafft ein so präsentes und besonderes Raumerlebnis.

WOMIT BEGINNEN SIE GEWÖHNLICH IHREN TAG?

Seit ich in Oberhausen bin mit einem Blick auf den Gasometer.

WAS KOMMT IHNEN IN DEN SINN, WENN SIE DAS WORT »PUBLIKUMSRENNER« HÖREN?

Eine Analyse im Wallraf-Richartz-Museum hat vor ein paar Jahren ergeben, dass der Museumsbesucher im Durchschnitt ein Bild etwa neun Sekunden anschaut. Das klingt nach rennendem Publikum und stimmt schon nachdenklich.

DIE AM HÄUFIGSTEN VORKOMMENDE BERUFSKRANKHEIT IN IHRER PROFESSION?

Profilneurosen

VON WELCHEM GROßEN MALER ODER FOTOGRAFEN HÄTTEN ODER WÜRDEN SIE SICH AM LIEBSTEN PORTRÄTIEREN LASSEN?

Jim Rakete. Kein anderer Fotograf fängt in einer 1/8 Sekunde so viel ein.

WENN SIE DIE WAHL HÄTTEN, WÄREN SIE LIEBER FAUST ODER MEPHISTO?

Ich denke, es macht uns Menschen sympathisch, dass wir wie Faust vielerlei Unzulänglichkeiten verspüren. Die Seele verkaufen würde ich nicht.

NENNEN SIE EIN BILD GEGEN SCHLECHTE LAUNE.

Calvin und Hobbes: Calvin zitiert (tropfend die Treppe herunter kommend): »Akt, die Treppe herabsteigend«. Böser Blick der Mutter, Calvin zurück in der Badewanne: »Niemand begreift Kunst«. Ansonsten muntern mich die poetischen Skulpturen von Anita Brendgens auf, die immer neue Geschichten erzählen.

Special
06 / 2008

Christine Vogt


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