Foto: Friedhelm Krischer

Foto: Friedhelm Krischer

ARCHITEKTUR A LA MODE

Aushängeschildbürger: Daniel Libeskind legt sich mit dem Düsseldorfer Kö-Bogen konsumträchtig in die Kurve.

 

TEXT: ANDREAS ROSSMANN

Sogar die Hausnummern wurden geändert. Was früher »Königsallee 2–4« war, ist nur noch »4«, die »2« und die »2 a« wurden an die neuen Gebäude, »Haus Königsallee« und »Haus Hofgarten« von Daniel Libeskind abgetreten. Die befinden sich, als Spitzenreiter, denn »2« und »2 a« stehen für 1-A-Lage, am besseren Ende der Prachtmeile, während sich am mithin schlechteren, jenseits der Graf-Adolf-Straße, inzwischen Aldi breitmacht. Düsseldorfs berühmteste und eleganteste Straße wurde gen Norden um einen Bogen verlängert, und der legt, obwohl er historisch der Hofgartenstraße folgt, Wert auf den exklusiven Namen. Noblesse oblige. Stadtplanung für Aushängeschildbürger, die den Regeln von Monopoly folgt. Hauptsache, eine teure Adresse.

Etikettenschwindel. Vielleicht ist das ja der durchgreifende Impuls hinter dem ganzen Projekt. Die Landeshauptstadt Düsseldorf will sich zur Metropole plustern und verpasst ihrem großstädtischen Boulevard einen Appendix, der ihm die Krone aufsetzen soll: »Krönung der Kö« heißt das auf maklerdeutsch. Wo eine Stadtreparatur anstand, die Königsallee sollte die durch eine Straßenschneise gekappte Verbindung zum Hofgarten wieder aufnehmen, wurde – als Teil eines umfangreichen Stadtumbaus, der die autogerechte Stadt unter die Erde legt, aber nicht beerdigt – ein mächtiger Konsumtempel platziert. Der kokettiert mit den Rundungen des Schauspielhauses (1970) von Bernhard Pfau und versucht es – Architektur der großen, sinnfreien Geste – mit dem Dreischeibenhaus (1960) von HPP aufzunehmen, das das Ausrufezeichen des Wirtschaftswunders setzt. Aus einem Investorenwettbewerb, der 2008 ausgeschrieben wurde, blieb von fünf ausgewählten Teilnehmern am Ende nur einer übrig. Der Entwurfsverfasser hat, Architektur als Marke, einen prominenten Namen: Daniel Libeskind.

Die beiden Baukörper, die die Traufhöhe von 26 Metern der Königsallee aufnehmen, schlagen Wellen. Zum Schadowplatz, den sie endlich einfassen, sind die Fassaden gekurvt, zum Hofgarten…



Lesen Sie weiter in der gedruckten Ausgabe von K.WEST!



Architektur
12 / 2013

ARCHITEKTUR A LA MODE

Von: ANDREAS ROSSMANN


Was? Wann? Wo?Alle wichtigen Kultur-Termine in NRW auf einen Blick:

kultur.west Gezwitscher