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NACHRUF (AUF DEN MONAT JANUAR 2011)

Ein neuer Monat, wie schön! Leicht vergisst man jedoch, dass dafür ein alter Monat weichen musste. Damit etwas bleibt, klebt K.WEST den vertriebenen letzten Wochen eine Seite ins Album. Blättern wir uns also für ein paar Minuten zurück!

 

EINE GLOSSE VON ULRICH DEUTER

Eine Errungenschaft der römischen Antike war, Geld nicht mehr stinken zu lassen. Es bleibt unserer Zeit vorbehalten, Geld zu haben, das sogar ausnehmend gut riecht: nach Jasmin, Lavendel oder Amber, nach Neroli, Osmanthus oder sogar Tuberose. Der erregende Odor ist ein weiterer Grund, Geld heute einfach zu lieben – Geld, bündelweise Geld!

Das Hagen des Karl Ernst Osthaus war eine arme, aber aufstrebende Industriestadt. Osthaus, ein Fabrikerbe, liebte die Millionen. Aber mehr als die Millionen liebte er die Bilder und legte sich jene berühmte Kunstsammlung zu, die heute im Museum Folkwang hängt. Denn die Hagener, die umgekehrt das Geld mehr liebten als die Kunst, verkauften diese nach Osthaus’ Tod umgehend an Essen.

Traditionen bleibt man treu. So ist das Hagen der Jetztzeit eine arme, absinkende Ex-Industriestadt, die immer noch das Geld mehr liebt als die Bilder: Theater und Museum hält man schmal. In diesem klammen Klima wuchs im – immerhin den Namen des betrogenen Mäzens tragenden – Museum der Stadt die verzweifelt-irrwitzige Idee, einfach beide zu lieben: das Geld wie die Kunst. Soll heißen, das Geld als die Kunst. Zumal das Geld, das knisternde Geld, in Hagen so waaahnsinnig gut riecht! Denn: Es kommt von Douglas. Und die Kunst auch. Ohne Douglas, nein ohne »DOUGLAS«, wie das Museum betont, wäre die Ausstellung »Flacons – Haute Couture der Düfte« nämlich nicht ins frisch umgebaute Kunstmuseum der Kommune Hagen eingezogen und hätte »14 unterschiedlich gestaltete Räume« mit Duftlampen und Duftkarten, Puderdosen, Fläschchen und anderem olfaktorischen Krimskrams gefüllt. Ohne DOUGLAS – knister-knister – ginge überhaupt so manches nicht im neuen Osthaus.

Wer, was aber ist Douglas? »Douglas, eine 100%ige Tochter der DOUGLAS HOLDING AG, ist Europas Parfümerie-Marktführer. ›Wer Parfümerie meint, sagt einfach Douglas‹ – ein Erfolg des unverwechselbaren Lifestyle-Konzeptes mit herausragendem Service, erstklassigen Sortimenten und ansprechendem Ambiente. In 2009 wurde Douglas mit zahlreichen Auszeichnungen bedacht, wie z. B. ›Deutschlands beliebtestem Handelsunternehmen‹.« So sprüht es nicht etwa aus einem Parfüm-Pröbchen, angeklebt an eine unerwünschte Postwurfsendung, so steht es in der offiziellen Ausstellungs-Information des Osthaus Museums, also des Kunstmuseums der Stadt Hagen. Riecht das nach irgendwas? Oh nein, es duftet! Und zwar nach Geld! Dieser Duft aphrodisiert, des Liebedienens ist kein Halten mehr: »Die Ausstellung wird ein großer Meilenstein in der bedeutenden Aufgabe, das Kulturgut ›Parfumflacon‹ zu pflegen und zu unterstützen.« Einfach Douglas, anders gesagt.

So viel Lust zeigt das Hagener Osthaus Museum am Bad im frischen, duftenden Geld, dass wir nachspringen mögen mit der Info: Douglas ist mehr! Die Douglas Holding, Sitz in Hagen, ist Damenmode (Appelrath Cüpper), Schmuck (Christ), Süßwaren (Hussel) und Buchmarkt (Thalia). So dass nichts dem entgegensteht, das Osthaus Museum ganz in eine Filiale der Douglas Holding AG umzuwandeln, Deutschlands beliebtestem Handelsunternehmen. Zwischen Hosen und Cremetuben, Pralinen und Finanz-Ratgebern findet sich sicher auch ein Eckchen für das bisschen Osthaus-Kunst. Hauptsache, der Geruch stimmt!

Glosse
02 / 2011

NACHRUF (AUF DEN MONAT JANUAR 2011)

Von: ULRICH DEUTER


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