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NACHRUF (AUF DEM MONAT APRIL 2013)

Ein neuer Monat, wie schön! Leicht vergisst man jedoch, dass dafür ein alter Monat weichen musste. Damit etwas bleibt, klebt K.WEST den vertriebenen Wochen eine Seite ins Album. Blättern wir uns also für ein paar Minuten in den April zurück!

 

EINE GLOSSE VON ULRICH DEUTER

Die Älteren unter uns werden sich noch erinnern: Am 14. April 2013 um 15 Uhr brach der Frühling aus. Das war ein Sonntag, und wer zu dieser Stunde bereits bei klarem Verstand war, konnte Fantastisches erleben: Zunächst gab es dieses charakteristische Geräusch, das entsteht, wenn man von einem coolen neuen Gerät mit spiegelnder Oberfläche, das man gerade ausgepackt hat, die Schutzfolie abzieht. Das Geräusch war laut und schmatzend und kam von sehr weit oben, danach wurde es schlagartig hell, und durch das eilends vor die Augen gerissene Fernglas sah man, dass der Himmel wolkenlos war. Das war zuletzt am 21. August 2012 so gewesen. Gleich darauf wedelte ein Schminkpinsel aus warmer Luft übers Land und ließ die Forsythiensträucher ergelben. Überall brachen verspätete Osterglocken aus dem Permafrost und fingen zu läuten an, simultan starteten die Nachbarn ihre Rasenmäher. Und irgendwann kam auch das berühmte blaue Band geflattert.

Die einfachen Gemüter sitzen seitdem in der Sonne und genießen. Die nach Erkenntnis Dürstenden aber fragen: Was will uns dieser Frühlingsanfang sagen? Hier ist die Antwort. Er sagt: Heraus aus euren Sparten! Fließt, ihr Menschen, fließt! Ein Appell nicht ohne Wirkung: Inspiriert vom Programm der Ruhrtriennale, dem Fest des Flüssigen, versprach die Kulturministerin jedem Chor ein Instrument. Beifall! Recht hatte die Gute in ihrem generationenübergreifenden Kleid. Recht hatte auch der Intendant selbst, der »den Spaßkassen« für ihr finanzielles Engagement dankte. Mash up! Lasst uns Versprecher zu Sprechern wählen, der Stein, den die Bauleute verworfen haben, soll der des Anstoßes sein. Prost! Die Verhältnisse, sie mögen tanzen. Fußbälle zu Handtaschen! Mehr Rot im Weißwein! Sommers sollte ruhig einmal Winter herrschen, tags Nacht. Und täte es der Musik nicht gut, wenn sie röche?

In einer transgender- und metrosexuellen Gesellschaft sind Zäune ein niederzureißender Anachronismus. Die Spartengrenzen um Nordrhein-Westfalens Wisente sind bereits gefallen, die urweltlich wilden Tiere nähern sich langsam von Osten her der Zivilisation. Ein Wisent ist sehr viel größer als ein sehr viel kleineres Tier. Prallt ein von einer blonden Frau gesteuerter SUV von hinten in eine Herde dieser Büffel, die sich von Berleburg bedachtsam Richtung Düsseldorf bewegt, so nimmt eher die hellblonde Dame Schaden als das dunkelblonde Tier. Hülfe da die Frauenquote? Übrigens wird von den gewohnheitsmäßig SUVs steuernden Blondinen bemängelt, dass bislang kein SUV-Cabriolet auf dem Markt existiert. Oh Opel Bochum, du starres! Überwinde die Werkimmanenz!

400 Strafgefangene haben hingegen in den letzten Monaten im Land das Kästchendenken bezwungen und sind cross over die Gefängnismauern; 400 bulgarische Banden transzendieren täglich die Wohnungsgrenzen an Rhein und Ruhr. Drinnen, draußen, meins, deins, Mur, Doll, stringent oder Stringtanga: Egal. Frühling ist!

 

Glosse
05 / 2013

NACHRUF (AUF DEM MONAT APRIL 2013)

Von: ULRICH DEUTER


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