Beim Angeln: Scheich und britischer Beamter. Foto: Concorde

AUS DER MITTE DER WÜSTE ENTSPRINGT EIN FLUSS

Britischer Humor: »Lachs-Fischen im Jemen« klingt nur blöd, ist aber eine satirisch gewitzte Komödie.

 

TEXT: ANDREAS WILINK

Das hört sich derart bescheuert an, dass es nur auf britischem Humor-Humus wachsen konnte, wo Leute wie Phileas Fogg oder die Monty Python’s-Bande ihre Saat eingepflanzt haben. Zwar ist der Regisseur Lasse Hallström Schwede, aber der Autor der Romanvorlage, Paul Torday, Engländer und der Skript-Doktor Simon Beaufoy Absolvent der Bournemouth Film School und u.a. verantwortlich für »The Full Monty« (»Ganz oder Gar Nicht«) sowie »Slumdog Millionär«. Die Mischung aus Sozialem, Skurrilem und Sentimentalem macht’s. Auch hier, nicht zu knapp bereichert um die Zutat der Satire.   

Ein jemenitischer Scheich, passionierter Angler und Besitzer eines schottischen Landsitzes, wo er mit allen Schikanen und aus dem Geist von Geduld, Toleranz und Demut dem Fliegenfischen frönt, pflegt einen Spleen. Er will partout und gegen fundamentalistische Attacken seiner Untertanen die Wüste fruchtbar machen und in den durch einen gigantischen Staudamm bereits gesammelten Wasserläufen Lachse ansiedeln. Auch so lässt sich das Nord-Süd-Gefälle ausgleichen.

In seinen Diensten steht die attraktive Harriet Chetwode-Talbot (Emily Blunt), die wegen des Projekts beim Fischerei-Ministerium anklopft und an Dr. Alfred Jones (Ewan McGregor) gerät, der sich mokiert über die irrwitzige Idee. »Nicht durchführbar« ist noch seine diplomatischste Aussage. Aber das Rest-Empire braucht gerade gute Nachrichten aus dem Mittleren Osten. Die Pressesprecherin des Premiers, Patricia Maxwell (Kristin Scott Thomas), eine Person, schlimmer als Meryl Streeps Prada tragende Vogue-Chefredakteurin, kriegt Wind von der Sache, zieht eine PR-Kampagne auf und wittert zwei Millionen englische Angler als potentielle Wähler. Was für ein Irrtum!

Dass zwischendurch muslimische Extremisten auf seine Eminenz, den Scheich, schießen und den Staudamm sprengen, auch dass Harriets süßer Lover als Soldat in Afghanistan verloren geht und dann doch wundersam gerettet wird, hebelt die Komödie etwas aus und hinterlässt wenige Blutspuren, schadet aber nicht sehr und macht die Laune nicht kaputt. Zumal ansonsten Dialoge, Situationskomik und die Charaktere stimmig sind, vor allem der des »typisch« unbeholfenen Wissenschaftlers mit emotionalem Handicap, aber Große-Jungen-Charme, wie ihn einst Cary Grant vorgelebt und Ewan McGregor geerbt hat. Das männ-liche Mauerblümchen ist eigentlich ein leckeres Lachs-Schnittchen. Harriet musste es nur erst merken und ihren nicht wenig schmucken Soldaten in die Wüste schicken, wo sie eigentlich selbst am liebsten bleiben möchte: mit Dr. Jones, der immerhin den gleichen Namen wie ein gewisser abenteuerlich gesonnener amerikanischer Archäologe trägt.


»Lachsfischen im Jemen«; Regie: Lasse Hallström; Darsteller: Ewan McGregor, Emily Blunt, Kristin Scott Thomas, Tom Mison, Amr Waked; ; GB 2011; 112 Min.; Start: 17. Mai 2012.

 

Film
05 / 2012

AUS DER MITTE DER WÜSTE ENTSPRINGT EIN FLUSS

Von: ANDREAS WILINK


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