Dichter-Liebe macht schöne »Worte«. Foto: Central

LEBEN AUF PAPIER

»Der Dieb der Worte« von Brian Klugman & Lee Sternthal

 

TEXT: ANDREAS WILINK

Es geht um Bücher. Und um die Verwandlung von Leben in Literatur, und zwar auf dem schnellsten, saubersten Weg, direkt von der Leidenserfahrung, der Todes- und Trennungserfahrung in die Schreibmaschine hinein. Seltsam, so stellt die Traumfabrik, die es besser weiß, weil sie gar nicht so romantisch ist, wie sie tut, sondern ein ökonomisch effizienter Betrieb, immer schon gern die Produktion von Kunst dar: bei Malern, Musikern, Dichtern. Geniekult, noch aus der Zeit, da die Bilder laufen lernten.

Clay Hammond, ein Bestsellerautor (Dennis Quaid: Typ Gerhard Schröder), trägt bei einer viel beklatschten Lesung aus seinem neuen Roman »The Words« vor und gibt im Anschluss einer blonden Doktorandin eine Privatlektion. Der Roman handelt von dem angehenden jungen Schriftsteller Rory Jansen (Bradley Cooper), der seinen Erstling geschrieben hat, den ein Verlagsmensch zwar als »introvertiert, subtil, künstlerisch« rühmt, aber ihm gerade deshalb keine Chance auf einen Vertrag einräumt. So lebt Rory in schlichter Boheme mit seiner schönen Frau Zoe in einem Loft in New York und jobt als Laufbursche in einer Agentur. Das Ausbleiben der Karriere wird zur Ich-Krise: »Ich bin nicht der, der ich sein wollte.« Dann findet er ein Manuskript in der Aktentasche, die ihm Zoe in Paris auf dem Flohmarkt während der Flitterwochen geschenkt hatte. Er liest die Seiten atemlos fasziniert. Schreibt sie Wort für Wort ab, so dass sie zu seinen zu werden scheinen, und gibt den Text als eigenen aus. »Das Tränenfenster« wird ein Erfolg: »gehaltvoll, wahrhaftig, ehrlich«.

Parallel beobachtet ein alter Mann (Jeremy Irons) Rory, folgt ihm in den Central Park und spricht ihn an. Er ist der wahre Autor, der – große Rückblende – nach dem Krieg in Paris als GI seine französische Frau kennenlernt, sie heiratet, ein Kind bekommt, das stirbt und die Ehe damit zerstört. Seine traurige Geschichte schrieb er damals wie écriture automatique nieder, oder doch noch eher im Hemingway-Stil. Seine Frau wird die Mappe mit dem Text im Zug verlieren. Der Mann wird nie wieder schreiben: »Was ist passiert? Das Leben!« »Fiesta«, würde Papa Ernest es nennen. Rory muss für seinen Ehrgeiz bezahlen. »Das Leben!« … Wer wollte widersprechen! Aber was ist das für Literatur, über die wir so überschwängliches Lob hören. Liebeskitsch, Banalität des Unglücks, Jugend in der Emphase der Verzweiflung. Man glaubt kein einziges Wort. Die komplizierte Konstruktion der Spiegelung von Buch im Buch ist ein Topos, der Brian Klugmans und Lee Sternthals Geschichte nur künstlich komplex aussehen lässt. Mainstream vom Fließband. Figuren-Schablonen, 08/15-Konflikte. Dennis Scheck würde das Resultat aussortieren.

»The Words«; Regie: Brian Klugman und Lee Sternthal; Darsteller: Bradley Cooper, Jeremy Irons, Dennis Quaid, Olivia Wilde, Zoe Zaldana; USA 2012; 102 Min.; Start: 23. Mai 2013.

 

Film
05 / 2013

LEBEN AUF PAPIER

Von: ANDREAS WILINK


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