Im Schattenriss: Ben Affleck und Olga Kurylenko. Foto: studio canal

LIEBESGEFLÜSTER

Terrence Malicks »To the Wonder«

 

TEXT: ANDREAS WILINK

Das erste Wort heißt »Neugeboren« – auf Französisch. So sprudelt es weiter. Eine weibliche Stimme – der Film besteht hauptsächlich aus innerem Monolog – raunt von »Schmelzen«, »ewiger Nacht«, »Flamme«. Einen solchen Anfang, der übrigens zwei Stunden kein Ende nimmt, traut man nur Lars von Trier zu (zumal Wagners »Parsifal« ertönt) oder Terrence Malick, der mit 50-jähriger Verspätung das europäische Autorenkino für den Mittleren Westen kopiert, als seien Naturmetaphorik und die Philosophie existentiellen Geworfenseins eines Bergman oder Antonioni nicht auch schon historisch, um danach noch einmal (und zwar viel besser) durch die Kamera von Woody Allen oder Wim Wenders gegangen zu sein. Mit einigem guten Willen, der einem freilich schnell abhanden kommt, könnte man das Ganze auch für eine Hommage an John Hustons »The Misfits« halten. Die Handlung passt auf ein Blättchen Papier. Mann (amerikanisch) verliebt sich in Frau (französisch) mit Tochter – Schauplatz sind Paris und der Mont Saint Michel; er, Neil (Ben Affleck), geht mit den Beiden in die USA ins heimatliche Oklahoma; er will sie, Marina (Olga Kurylenko), nicht heiraten; sie kehrt zurück; er wendet sich seiner blonden Jugendliebe Jane (Rachel McAdams) zu, kann aber die andere nicht vergessen. Als hätte Malicks seine Geburtswehen nie überwunden, muss ständig tiefgründelnd Wasser plätschern, müssen Wellen an Gestade schlagen, wird geschwommen oder selbst noch im Küchenbecken gespült. Frauen sind Wesen, die bevorzugt tänzeln, schweben, elegisch schmachten oder romantisch glotzen. Es wogt der Weizen, Rosen blühen im Schnee, eine Orchidee zeigt sich prätentiös, Wespen krabbeln, Bisons grasen, der Himmel ist weit und der Mensch winzig, aber die Krone der Schöpfung. Ein Priester (Javier Bardem) trägt immer eine Karfreitags-Miene zur Schau, wenn er von Ehe, Bindung und Verantwortung spricht. Malicks ideologisch fragwürdige Reader’s Digest-Spiritualität und visuell geschraubter Erlösungswahn sind intellektuelle Flauheit und Faulheit. Bei den Kitschreserven, mit denen er Glück und Gefühl inszeniert, wartet man stets darauf, dass die Parfüm-Marke eingeblendet wird, für die dieser ästhetische Weichspüler zu werben scheint.

»To the Wonder«; Regie: Terrence Malick; Darsteller: Ben Affleck, Olga Kurylenko, Rachel McAdams, Javier Bardem; USA 2012; 112 Min.; Start: 30. Mai 2013.

 

Film
05 / 2013

LIEBESGEFLÜSTER

Von: ANDREAS WILINK


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