Karin Hempel-Soos. Foto: Karlheinz Jardner

Norbert Wehr, Thomas Böhm, Karin Hempel-Soos. Foto: Karlheinz Jardner

Norbert Wehr. Foto: Karlheinz Jardner

Norbert Wehr, Thomas Böhm, Karin Hempel-Soos. Foto: Karlheinz Jardner

»MAN MUSS EINE VERHEISSUNG SCHAFFEN«

Ein Gespräch über die Frage, wie viel Rummel die Literatur nötig hat, sowie über die literarische Szene in NRW

 

INTERVIEW: ULRICH DEUTER, ANDREJ KLAHN

Aus Anlass der diesjährigen lit.COLOGNE hatte K.WEST zu einem Gespräch unter Literaturvermittlern gebeten. Eingeladen waren Karin Hempel-Soos, Leiterin des Bonner Hauses der Sprache und Literatur; Norbert Wehr, Herausgeber der Literaturzeitschrift »Schreibheft« (Essen); Thomas Böhm, Programmleiter des Literaturhaus Köln; sowie  Rainer Osnowski, Geschäftsführer der lit.COLOGNE. Zwei Stunden vor Beginn der Gesprächsrunde im Kölner Literaturhaus ließ Osnowski sich entschuldigen: »aus Termingründen«. Womit die lit. COLOGNE sich der Möglichkeit entzog, auf Kritik an ihrem Veranstaltungsprogramm zu reagieren, das in diesem Jahr besonders reich an Programmpunkten ist, die nur bedingt mit Literatur zu tun haben.


K.WEST: Herr Wehr, Sie geben mit dem Schreibheft die wahrscheinlich avancierteste Literaturzeitschrift im deutschsprachigen Raum heraus, gemacht und gelesen von Literatur-Besessenen. Was vermuten Sie: Wie viele von den angeblich 45.000 Besuchern der lit.COLOGNE sind Schreibheft-Leser?

WEHR: Fünf, höchstens zehn. Aber im Ernst: Es gibt durchaus Autoren, auf die wir uns einigen können, Wilhelm Genazino etwa, der in diesem Jahr dabei ist. Den hätte man allerdings auch schon früher mal einladen können, heute rennt man mit ihm offene Türen ein. Das wäre mein größter Einwand: Die lit.COLOGNE setzt nur auf Autoren, die gerade sowieso im Schwange sind. Das widerspricht ganz grundsätzlich meiner Arbeit, die darauf ausgerichtet ist, relativ unabhängig vom Markt Entdeckungen zu machen.

HEMPEL-SOOS: Man nimmt, was fertig ist.

K.WEST: Aber das große Publikum eines solchen Festivals hätten Sie auch gerne....

HEMPEL-SOOS: Auf 8.000 im Jahr kommen wir auch. Dafür haben wir Mut. Inger Christensen, Imre Kertész wären ohne permanente Literaturpflege nicht auf den Listen der Nobelpreiskomitees. Osteuropäische Literatur ist bei uns ständig im Programm, auf der lit.COLOGNE kommt sie kaum vor. Wir machen Literaturveranstaltungen, die lit.COLOGNE ist eine sogenannte Eventmesse.

BÖHM: Ich denke, es kommt nicht auf die Besucherzahlen an, sondern auf die Idee, die ein Veranstalter von seinen Gästen hat. Man sollte das Publikum nicht als stets zu steigernde Quantität verstehen, sondern als Leser, vor denen Respekt zu haben bedeutet, ihnen auch Komplexes und Schwieriges zu bieten. Schauen Sie sich an, wie ein Inhaltsverzeichnis vom Schreibheft aussieht und nehmen Sie dann die Veranstaltungsankündigungen der lit.COLOGNE. Das hebt nur auf Klischees ab, es unterscheidet sich kaum von einem Fernsehprogramm.

K.WEST: Kann man so nicht neue Leser für die Literatur gewinnen?

HEMPEL-SOOS: Glauben Sie wirklich, dass die Besucher der lit.COLOGNE nach der Genazino-Lesung zum Büchertisch gehen und eines seiner Bücher kaufen? Bei unseren Lesungen kaufen etwa 20 bis 30 Prozent der Besucher auch die Bücher.

K.WEST: Wie viel Sekundärmotivation braucht denn die Literatur?

HEMPEL-SOOS: Sie braucht Akupunktur.

BÖHM: Es ist ein probates Mittel, mit einem bekannten Namen auf etwas Unbekannteres hinzuweisen. Doch sollte dann geschaut werden: Wie ist die Qualität dieses Verweises?

K.WEST: Ließe sich nicht in Sachen Marketing von großen Literatur-Events lernen?

BÖHM: Der Begriff »Event« kommt ursprünglich aus dem Marketing und bezeichnet die genau geplante Einführung neuer Produkte. Kampagnen werden in besonderen Episoden aufgebaut, es werden Geschichten erzählt, Einzigartigkeit muss herausgehoben werden und Interaktion ist sehr wichtig. Nimmt man dieses ursprüngliche Verständnis von »Event«, dann fällt auf, dass im Bereich der Literatur-Events nur auf den Aspekt der Einzigartigkeit abgehoben wird. Deshalb reden die Festivals stets von »Das erste Mal«, »Das größte Festival«. Schaut man dann die einzelnen Veranstaltungen an, sieht man die Defizite: Das Publikum kann nicht teilnehmen, es gibt kaum Interaktion, kaum Kommunikation über Literatur. Will sagen: wirkliche Events gibt es nicht.

HEMPEL-SOOS: Das ist mir zu akademisch. Man braucht keinen Götz Alsmann, keine Elke Heidenreich, um Literatur vorzustellen. Aber Orte mit Erinnerungswert, die wirken auf das Publikum: Wenn ich im Bonner Wasserwerk, dem ehemaligen Sitzungssaal des Bundestages, einen Abend mit Wolf Biermann, Jizchak Katzenelson und Rita Süssmuth mache, kommen 800 Leute. In den Bonner Kammerspielen bei gleicher Besetzung vielleicht nur 250.

K.WEST: Warum kann man denn nicht einfach jemanden mit einen Buch hinsetzen und lesen lassen? Reicht das nicht mehr?

BÖHM: Das ist doch auch eine Inszenierung, aber eine sehr schlechte. In den 70er und 80er Jahren gab es eine Schule des schlechten Lesens: Autoren, die ihren Abstand zur Unterhaltungsindustrie damit zum Ausdruck bringen wollten, dass sie besonders authentisch in ihren Büchern rumgeblättert und besonders schlecht gelesen haben...

HEMPEL-SOOS: ...achtzig Prozent der Autoren lesen schlecht.

BÖHM: Das Phänomen der literarischen Lesung ist in Deutschland ein verhältnismäßig junges. Deshalb gibt es keine Kriterien des Gelingens und keine Lesungskritik im Feuilleton. Von den Autoren kommen selten konstruktive Beiträge, dafür aber Tausende satirische Äußerungen darüber, wie schlecht Lesungen sind. Die Kulturtechnik der Lesung ist nie gründlich durchgearbeitet worden.

WEHR: Klassische Autorenlesungen kann man heute beim besten Willen nicht mehr machen. Man muss einen Mehrwert herstellen, der über die private Lektüre des Buches hinausgeht. Man muss eine Verheißung schaffen.

BÖHM: Das Publikum hat eine riesige Auswahl an Kulturveranstaltungen: Theater, Konzert, Fernsehen. Viele davon haben eine große Kunst der Inszenierung entwickelt. Wir sollten also genau hinschauen: Was sind unsere Potenziale und wie können wir sie so ausschöpfen, dass das Publikum Lesungen als etwas Einzigartiges erlebt.

WEHR: Ein interessanter Autor muss nicht notwendig ein guter Selbstdarsteller sein. Das interessante an einer literarischen Veranstaltung ist nicht das Vorlesen des Textes, sondern das Darüber-Sprechen. Aber meine Meinung ist: Primär drängt das Buch nicht notwendig danach, in einer Lesung inszeniert zu werden.

BÖHM: Genau dem würde ich widersprechen. Die Lesung ist keine sekundäre Form. Wenn Autoren lesen, erlebt man, um ein Bild von Ted Hughes zu gebrauchen, die innere Musik des Autors. Man erlebt, wie sich ein Mensch, der sein Leben der Literatur widmet, zu seinem Werk verhält. Diese Erfahrung ist einzigartig. Das kann mir die stille Lektüre nicht bieten.

K.WEST: Also: Die einfache, preiswerte Lesung zieht nicht mehr, Literatur muss inszeniert werden. Inszenierungen aber kosten. Wie steht’s denn mit der Literaturförderung im Land?

HEMPEL-SOOS: Wird Literatur gefördert? Wo sehen Sie das? Die Kultur wird insgesamt sehr wenig gefördert, das ist bekannt, die Literatur kommt am wenigsten vor. Natürlich sind zehn Theaterintendanten lauter als zehn Literaturveranstalter. Literatur war bis vor ein paar Jahren noch ein Wanderzirkus, auf Buchhandlungen angewiesen. Autorentreffen standen immer in Konkurrenz zu jugoslawischen oder italienischen Hochzeiten, wenn sie irgendwo einen Ort fanden.

WEHR: Das ist doch nun schon lange vorbei....

HEMPEL-SOOS: ...nein, so lange nicht. Literaturveranstaltungen haben keine lange Tradition. Schwierig wird es dann, wenn die Leute für Lesungen auch noch Geld zahlen sollen.

K.WEST: Ein Buch, ein Leser, das reicht doch eigentlich. Was sagen Sie denjenigen, die danach fragen, warum man überhaupt öffentliche literarische Veranstaltungen fördern muss?

HEMPEL-SOOS: Es verlangt ja auch niemand, Konzerthallen oder Opern zu schließen, mit der Begründung, man könne sich ja eine CD kaufen!

WEHR: Wenn man sich als Veranstalter, Autor oder Übersetzer auf das Geschäft mit der Literatur einlässt, sollte man wissen, unter welchen Bedingungen man es macht. Die sind eben schlechter als für andere Künste. Und deshalb muss irgendwann Schluss sein mit den Klagen. Warum aber diejenigen, die Literatur machen oder vermitteln, sich immer wieder rechtfertigen müssen, das sehe ich überhaupt nicht ein. Deswegen werde ich diese Frage auch nicht beantworten. Niemandem fiele ein, sie an einen Opern- oder Theater-Intendanten zu richten.

BÖHM: Literatur ist die Kunstform, die sich in Sprache ausdrückt. Deshalb können in ihr viel unmittelbarer als in anderen Kunstformen neue Ideen ausgedrückt werden, sie kann, wie Dieter Wellershoff es einmal gesagt hat, »Probemorde« durchspielen, um negative gesellschaftliche Entwicklungen nicht vollziehen zu müssen. Das ist eine wichtige soziale Funktion von Literatur, die der Politik sehr am Herzen liegen sollte. Ich mag es nicht, die Pisa-Studie als Argument in Anspruch zu nehmen. Aber: Literatur fördert strukturelle Intelligenz. Lesen heißt: Dinge in ihren Zusammenhängen zu erkennen. Deshalb sollte Literaturförderung zwingend Bestandteil von Kulturpolitik sein. Allerdings müssten auf diesem Feld Konzepte und Visionen entwickelt werden. Die Literaturförderung der letzten Jahre ging in die Breite, ins Episodenhafte. Ich kenne kein über mehrere Jahre angelegtes Literaturprojekt.

K.WEST: Lassen Sie uns über etwas institutionell schwer Fassbares sprechen: Die Literaturszene in NRW scheint, um es zurückhaltend zu formulieren, ausbaufähig zu sein. Woran liegt das?

HEMPEL-SOOS: Was heißt denn Szene? Achtzig Prozent der Szene hungert in Berlin?

WEHR: Die Frage ist falsch gestellt. Die für die eigene Arbeit wichtige Szene ist, zum Beispiel dank Email, international. Es gibt Netzwerke, die aber nicht lokal verankert sind. Es gab vor Jahren eine naturwüchsige Szene um das Schreibheft herum, die sich aber ohne institutionelle Hilfe gebildet hat. So etwas kann man nicht inszenieren. Orte, Anlässe, die kann man schaffen. Aber ob sich dann etwas ergibt, ist Zufall.

K.WEST: Geld ist zwar nicht genug da, aber sonst ist alles in Ordnung?

BÖHM: Es gibt historische Gründe, warum die Szene speziell im Rheinland nicht so stark entwickelt ist. Es gab im 18. Jahrhundert, bedingt durch den Einfluss des Katholizismus, eine starke Zensur. Die Aufklärung hat hier quasi nicht stattgefunden und in der Folge fehlte es hier an literarischen Intellektuellen und Verlagen. Überspitzt gesagt, beginnt die Literatur hier mit dem Tag, an dem Heinrich Böll aus dem Krieg zurückkam – mit der sehr vielsagenden Ausnahme des Werkes von Irmgard Keun. Aber es hat sich in der Nachkriegszeit viel entwickelt: Rolf-Dieter Brinkmann, Nicolas Born, Dieter Wellershoff, Gerhard Rühm. Alle wichtigen Literatur-Preise sind in den letzten Jahren immer wieder nach NRW gegangen: Ulla Lenze, Guy Helminger, Katrin Askan. Die Vernetzung der Institutionen könnte allerdings wesentlich besser sein. Und aus dieser Vernetzung heraus müssten neue Konzepte entstehen. Wenn man das bewerkstelligt, dann kann man auch Ansprüche stellen und wird Förderung erfahren.

HEMPEL-SOOS: Ich habe mir das über die letzten zehn Jahre angeguckt. Man kann an Zahlen festmachen, dass achtzig Prozent der Autoren, die ihren Lebensmittelpunkt in NRW hatten, den nach Berlin, München oder Hamburg verlagert haben. Das hat etwas mit Verlagen, Funk und Fernsehen zu tun. Viele haben mittlerweile auch einfach zwei Wohnsitze.

WEHR: Das ist fast schon eine Marotte geworden.

HEMPEL-SOOS: Es gehört jetzt einfach dazu, eine Wohnung in Berlin zu haben. Doch das heißt nicht, dass sich die in Berlin lebenden Autoren auch treffen und Gedanken und Erfahrungen austauschen.

K.WEST: Man kann sich leicht vorstellen, dass die öffentlichkeitswirksamen Literaturfestivals kulturpolitischen Druck entfalten: Gelder fließen mehr und mehr dorthin, wo der Standortfaktor Kultur überregional in den Fokus rückt. Hat eine kontinuierliche, weniger spektakulär angelegte Literaturvermittlung es deshalb heute schwerer?

BÖHM: Es gibt Veranstaltungen, die die Tendenz haben, das, was man aus dem Fernsehen kennt, zu reproduzieren, damit man das Gefühl hat, man sei live dabei. Ein Buch wird zum Anlass genommen, um eine Talkshow zu veranstalten. Zu dieser Konkurrenz müssen wir uns verhalten. Die Inszenierung einer Lesung muss auch im Bewusstsein dessen erfolgen, was sich nicht vermitteln lässt. Das ist beispielsweise bei einem Roman die ästhetische Konstruktion. Ich beharre darauf, dass, wenn die Qualität von Literaturveranstaltungen und des Sprechens über sie steigen, die Eventkultur verschwinden wird. Denn das Bewusstsein von denjenigen Sponsoren und öffentlichen Geldgebern wird sich verändern, die jetzt noch in Eventkultur investieren, weil so vage Begriffe wie »Leseförderung« und »Imagetransfer« im Raum stehen. Und weil Events bei genauerer Untersuchung genau das nicht leisten, werden sie verschwinden.

WEHR: Warum gehen Hunderte von Leuten zu Lyrik-Festivals, aber die Bücher der Autoren verkaufen sich nicht? Die Schere zwischen den vielen Besuchern der Festivals  und denjenigen, die wirklich lesen, scheint immer größer zu werden. Solche Art von Veranstaltungen scheinen die Lektüre zu ersetzen.

BÖHM: Diese Art von Veranstaltung kommt Politikern sehr gelegen, auch weil sie dort als Akteure auftauchen, sie Auftritte haben. Wir müssen Vertrauen in die eigene Arbeit haben. Zu den Events gehört eine Überbietungsrhetorik, die so laut ist, dass die Politik darauf anspringt. Dann wird plötzlich festgestellt, dass ein Autor in der Stadt liest und das wird als besonderes Ereignis gefeiert – obwohl er nun zum sechsten oder siebten Mal kommt. Das zeigt doch, wie wenig Politiker sich dafür interessieren und wie leicht sie deshalb auf diese Rhetorik hereinfallen.

WEHR: Die Macher der lit.COLOGNE haben es irgendwie geschafft, Leute für Literatur zu interessieren, die sich sonst nicht dafür interessieren. Da kommen auf einmal Menschen in eine Buchhandlung und fragen: »Können Sie mir eine Veranstaltung auf der lit.COLOGNE empfehlen?« So weit ist es schon gekommen, dass die Leute nur eines wollen: dabei sein. So ein Publikum wünsche ich mir nicht.

BÖHM: (schlägt die Hände über dem Kopf zusammen) Mit so einer Aussage wird ein elitärer Anspruch formuliert, das Resultat ist Schwellenangst. Ich sehe das anders: Jedem, der sich für Literatur interessiert, muss man etwas anbieten.

WEHR: Aber das Publikum ernst zu nehmen, heißt doch, davon auszugehen, dass es sich für das interessiert, was man ihm anbietet.

K.WEST: Sehen Sie einen Zusammenhang zwischen der Popularität von Literaturfestivals und der relativen Krise der Literatur, Stichwort: Absatzschwierigkeiten, Verlagskonzentration, Schließen kleinerer Literatur-Buchhandlungen?

BÖHM: Die Gründung der Literaturfestivals hat auf dem Höhepunkt des Booms deutschsprachiger Literatur stattgefunden. Da konnten die Festivalmacher zwanzig deutsche Stars auf die Bühne bringen....

HEMPEL-SOOS: ....die Begeisterung für Anstrengendes lässt nach...

BÖHM: ...die Literaturvermittler, Kritiker und Lektoren, die Mitte der 90er Jahre eine Diskussion über die neue Unterhaltsamkeit der Gegenwartsliteratur führten, haben ein Eigentor geschossen. Nun zirkulieren Nullbegriffe wie Unterhaltsamkeit und Anstrengung in der Diskussion. So kann man aber nicht über Literatur sprechen. Man muss es differenzierter sehen: Die postmoderne Literatur bietet auf der Reflexionsebene wunderbare philosophische Zusammenhänge und zugleich eine äußerst lesbare Textoberfläche. Es gibt sehr erfolgreiche, sehr avancierte Autoren. Das ist doch sehr ermutigend.

K.WEST: Wenn der Kulturminister, egal wie er demnächst heißen wird, eine Schatulle mit Geld findet und Ihnen 100.000 Euro Förderung bietet: Wofür geben Sie die dann aus?

HEMPEL-SOOS: Unter anderem für Druckkostenzuschüsse für Autoren. Und ich würde Autoren verstärkt in Schulen bringen, denn Schullesungen sind in Bonn nahezu auf Null runtergefahren worden. Ansonsten: Qualitätsverbesserung.

BÖHM: Wir haben das Projekt »Ein Buch für die Stadt«, das abgesehen von Sachleistungen ohne Budget läuft. Wir schlagen dabei das Buch vor, Schulklassen, Lesekreise, Bibliotheken, Buchhandlungen zwischen Gummersbach und Euskirchen und St. Augustin und Leverkusen machen dazu ihre eigenen Lesungen, Vorträge, etc. Es ist ein absolut beglückendes Gefühl, Menschen zu treffen, die als Leser anfangen und plötzlich selbst etwas dazu veranstalten. Hätten wir 100.000 Euro, könnte man an der inhaltlichen Aufarbeitung und pädagogischen Betreuung arbeiten.

WEHR: 100.000 Euro, das heißt zehn Jahre Basisfinanzierung des Schreibhefts. Ich würde jedem, der das Geld hat und es ausgeben will, raten, Autoren, Übersetzern und Institutionen perspektivisch kontinuierliche Arbeit zu ermöglichen. Nachhaltigkeit. Kontinuität. Nicht Verpuffung.

HEMPEL-SOOS: Dreißig Prozent dieses Geldes würde ich für besondere Werbestrategien ausgeben: Da vier Fünftel des Publikums und der Buchkäufer Frauen sind, sollte Geld darauf verwendet werden, intelligente Männer gezielt anzusprechen und sie zur Auseinandersetzung mit Literatur zu zwingen.

 

Literatur
03 / 2005

»MAN MUSS EINE VERHEISSUNG SCHAFFEN«

Von: ULRICH DEUTER, ANDREJ KLAHN


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