Foto: pexels/pixabay

Das Ding: Das Geldgeschenk

Einmal im Monat schaut Volker K. Belghaus auf Design im Alltag. Diesmal, passend zu unserem Schwerpunktthema: auf Geldgeschenke.

»Er hat ja schon alles!« Ein Satz voll tonnenschwerer Erleichterung, da man sich nicht in überfüllte Fußgängerzonen begeben muss, um mühevoll ein Geschenk auszuwählen. Möge sich der zu Beschenkende doch bitte höchstselbst in den Rummel stürzen. Deshalb setzt es vom Geburtstag über die Konfirmation bis zur Hochzeit regelmäßig monetäre Geschenke; auch um größere Anschaffungen zu ermöglichen. 

Dabei gibt es diverse Arten, den Zaster zu überbringen. Lässig und verschwörerisch, etwa wenn der Großvater den Enkel auffordert, ihm die Hand zu geben und der Nachwuchs darin zerknitterte 20 Euro vorfindet. Stark verbreitet ist die feierliche Variante zu Jahrestagen und Weihnachtsfesten, wenn der Briefumschlag zum Einsatz kommt. Darin stecken meist automatenfrisch duftende Banknoten, hochseriös nach Wert aufsteigend geordnet. Teils ergänzt durch eine saisonale Grußkarte aus dem Schreibwarenfachgeschäft, damit man auch weiß, welches Fest gerade gefeiert wird. Die persönlichere Variante der Geldumschläge stammt übrigens von jenen tollen Omas, die die Umschläge selbst mit einem, mit grüner Tinte gemalten, floralen Rankenmuster umkränzen. Liebevoller geht es nicht.

Bleibt die meist gut gemeinte, aber optisch höchst ärgerliche Variante. Höchste Eskalationsstufe: Die »kreativen« und »pfiffigen« Geldgeschenke. Glatte Scheine sind diesem Schenker nicht genug! Nein, diese müssen möglichst originell verpackt und gefaltet werden, am besten thematisch am jeweiligen Anlass orientiert.
  Nun hat man im Alltag meist keinen Origami-Meister zur Hand, der diese Aufgabe weihevoll übernehmen könnte. Man muss also selber ran, erfährt bei der Recherche im Internet nebenbei, dass Oregano doch keine italienische Faltkunst ist und entdeckt haufenweise Anleitungen. Die Scheine verwandeln sich schnell in Herzen, Fische oder kurzärmelige Herrenoberhemden. Für letztere werden auf Geschenkportalen tatsächlich kleine Wäschespinnen angeboten, an denen sich die Geldhemden festklammern lassen! Wohin soll das führen? Wir warten auf kleine Modellwaschmaschinen für die – höhö – Geldwäsche! 

Beliebt sind auch Schmetterlinge aus gefalteten Banknoten, die an dünnen Drähten befestigt, aufwendige Blumensträuße umflattern. Ebenfalls lieb gemeint, aber doch undurchdacht: Manche Schenker erweisen sich als gewiefte Bastler, die ein gemeinsames Erinnerungsfoto ausdrucken, mit scharfen Messer Teile herausschneiden, um diese Löcher mit Geldscheinen zu hinterlegen und das Ganze hinter Glas einzurahmen. Der Beschenkte kann sich das Bild dann bis zur nächsten Währungsreform als eiserne Reserve an die Wand hängen oder er öffnet den Rahmen und produziert einen Haufen Restmüll.
 

Bleibt das Münzgeschenk – oft erkennbar an den verdreckt-verklebten Münzrückseiten in der Geldbörse. Man sollte halt keine Doppelkomponentenkleber aus der Weltraumforschung verwenden, wenn man Münzen als Smiley befestigen will.
 

Design, Schwerpunkt
01 / 2019

Das Ding: Das Geldgeschenk

Von: Volker K. Belghaus


Was? Wann? Wo?Alle wichtigen Kultur-Termine in NRW auf einen Blick: