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Das Ding: die Sandale

Volker K. Belghaus betrachtet Design im Alltag. Dieses Mal an den Füßen anderer Menschen.

Die Dinger mussten über eine mordsmäßige Gravitation verfügen. Vertraut man historischen Dokumenten – in diesem Fall allen Asterix-Bänden – blieben sie immer bombenfest am Boden stehen, egal, wie heftig die Gallier die sandalentragenden Römer auch vermöbelten. Die spezielle Schwerkraft scheint sich über die Jahrhunderte abgenutzt zu haben. Wer heute mit sommerlichem Gemüt in sie schlüpft, spürt nichts mehr davon. 

Sandalen gehören zu den ältesten Schuhformen. Ihr Name stammt vom griechischen »sandálion« ab und bedeutet schlicht Riemenschuh. Nicht umsonst wurde für die monumentalen Bibelverfilmungen das hübsche Genre »Sandalenfilm« erfunden. Die Sandalen waren bereits in grauer Vorzeit einfach anzufertigen, neben Leder wurden Papyrus, Gräser oder Holz zur Herstellung verwendet.

Was von den meisten Menschen als sommerliches Mode-Accessoire geliebt wird, ist unter ästhetischen Gesichtspunkten umstritten. Da haben die Sandalen nicht den besten Ruf und gelten als orthopädische Entsprechung zum Kurzarmhemd. Für Sandalen braucht man schöne Füße. Was der Winter gnädig verhüllt, wird im Sommer zur Schau getragen. Ist natürlich alles Geschmackssache, aber selten hübsch, ob mit nackter Haut oder verborgen hinter dem Weiß der Tennissocke. Elegant sieht anders aus.

Eine mutwillige Weiterentwicklung des Unschönen ist die »Trekkingsandale«, die robuster gebaute Antwort auf die Freizeitgesellschaft. Deren grotesk aufgeschäumte Kunststoffsohlen sollen den Träger geländegängig machen und zur wochenlangen Expedition durch Papua-Neuguinea befähigen. Auf die Idee kommt niemand, der so etwas ernsthaft betreiben würde. Deshalb kann man die »Trekkingsandale« hauptsächlich im urbanen Raum auf dem steinigen Weg zum Bäcker antreffen.  

Ebenso diskussionswürdig sind die »Crocs« (nicht zu verwechseln mit der französischen Spezialität »Croque Monsieur«), jene mit Luftlöchern versehenen Kunststoffschlappen. Damit sie in ihrer Unförmigkeit so richtig auffallen, leuchten sie in knalligen Signalfarben von den Füßen der Anderen. Einziger Vorteil der »Crocs«, man kann sie beim Baden einfach anlassen und stößt sich nicht an Scherben oder Muschelschalen. 

Wer eine Verletzung heraufbeschwören will, greife hingegen zu den „Flipflops«. Die zählen zu den »Zehenstegsandalen«, die es in ähnlicher Form schon im alten Ägypten und in Japan gab. Die aktuellen Modelle werden für Centbeträge in Asien hergestellt, die leichte Kunststoffsohle wird durch einen Plastikriemen, der zwischen den Zehen steckt, am Fuß gehalten. Ein schneller Sprint, um die Fähre zu erreichen, ist mit den Schuhen nicht ungefährlich. Immerhin wird man als Passant akustisch vorgewarnt, das patschende Geräusch verrät den Träger schon von weitem. 

Trotzdem wird man auch diesen Sommer wieder Sandalen in allen Formen an den Füßen der Mitbürger antreffen, schon deshalb, weil es die Pedes angenehm kühl hält. Da kann man soviel Witze machen, wie man will. Wobei, einen hätten wir noch: Kommt ein einbeiniger Mann ins Schuhgeschäft: »Tag. Haben Sie Flipflips?«

Design
07 / 2018

Das Ding: die Sandale

Von: Volker K. Belghaus


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