Das Museums-Eintrittsband

Das Ding: Design im Alltag.

Text Volker K. Belghaus

Klare Ansage: »Das Museum verwendet zur Eintrittslegitimation in der Regel papierne Armbänder, sog. Eintrittsbändchen. Die Fixierung dieser Armbänder durch die Besucherinnen und Besucher an Körper oder Kleidung erfolgt auf eigenes Risiko, eine Haftungsübernahme ist ausgeschlossen.« So steht es in der Hausordnung des Museum Folkwang. Jeder kunstbeflissene Besucher wird an der Kasse mit einem Eintrittsband markiert, dessen Farbsystem für Außenstehende nur schwer durchschaubar ist. Darf man links abbiegen oder streift man dann schon die Sonderausstellung? Hauptsache, das Aufsichtspersonal weiß Bescheid und kann die Besucher mit Nachdruck in die richtige Richtung scheuchen.

Das gemeine Eintrittsband ist Massenprodukt und Hightech zugleich. Anstatt aus Papier werden die Bänder aus »TYVEK« hergestellt, einem dünnen Vliesstoff aus verschweißten Polyethylen-Fasern mit Klebeverschluss. Dieser ist extrem strapazierfähig, farbecht sowie reiß- und wasserfest. Das sollte er auch sein, schließlich werden aus dem Material auch die weißen Einweg-Overalls der Tatortreiniger angefertigt.

Das Anlegen der Eintrittsbänder folgt dem immer gleichen Ritual. Nachdem man die braune Schutzfolie von der Klebefläche gepfriemelt hat, gilt es, das Band um das Handgelenk zu schließen. Einhändig ist das etwas schwierig, wenn nicht gerade eine freundliche Garderobenaufsicht dabei hilft. Nach mehreren Anläufen gelingt es zwar halbwegs, allerdings ist das Band dann zu eng oder die Klebeflächen sitzen nicht exakt aufeinander. Das führt zu dem hübschen Nebeneffekt, dass man sein Eintrittsband auch als Epilationsgerät für die Handgelenke benutzen kann. Masochisten genießen das wohlige Ziepen, diesen besonderen Kunstschmerz im Angesicht der alten Meister, und wandeln entrückt durch den Expressionismus. Die anderen lockern das Band und ziehen es kurz und schmerzvoll ab. Abgeklärte Besucher tragen ihr Eintrittsband indes lässig als Schlaufe durchs Knopfloch gezogen.

Das Ritual setzt sich nach dem Ausstellungsbesuch fort, wenn man das Band wieder loswerden möchte. Man muss schon rohe Gewalt aufwenden, um es sich eigenhändig vom Handgelenk reißen zu können. Museen wie das Düsseldorfer »NRW-Forum«, die sich um die körperliche Unversehrtheit ihrer Besucher sorgen, stellen am Ausgang vorsorglich Plexiglasbehälter auf, versehen mit einer angeketteten Schere. 

Es gibt aber auch Museumsbesucher, die das Band den ganzen Tag lang tragen. Als temporäres Accessoire, das von Kunstkennerschaft zeugt. Manch einer trägt sein Band auch als Sammelobjekt nach Hause, gerade wenn es in den großen Blockbuster-Ausstellungen metallic-farbene oder speziell bedruckte Exemplare gab. Dann werden die Eintrittsbänder fein säuberlich in Kladden geklebt. Am Handgelenk sollte man sie nicht dauerhaft belassen, das wird irgendwann zu viel. Schließlich will man nicht als Wolfgang Petry der Kunstbegeher enden.

 

Design
11 / 2015

Das Museums-Eintrittsband

Von: Volker K. Belghaus


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