GGK, Düsseldorf, Atelier: Keine Reiberei, 1975, Kampagne für Pfanni; Offsetdruck, 245 x 354 cm. Foto: © Museum Folkwang, 2014

Butter. Agentur für Werbung, Düsseldorf: Die gelbschwarzen Renner, 1973–1974, Kampagne für VW; Offsetdruck, 245 x 355 cm. Foto: © Museum Folkwang, 2014

GANZ GROSS

Die Anmut französischer Unterhosen und krosser Kartoffelpuffer: Das Museum Folkwang zeigt mit »Think Big« Großflächenplakate der 70er und 80er Jahre im Originalformat von zweieinhalb mal dreieinhalb Metern.

 

TEXT: VOLKER K. BELGHAUS  


Kartoffelpuffer als Avantgarde. Ausgerechnet. Das rheinische Soulfood aus Omas Rezeptbuch war schon in den 70er Jahren nicht gerade angesagt – obwohl die Dinger bei Oma noch frisch in die Pfanne kamen und nicht als Fertigmischung aus der Tüte. Das Image der heißen und fettigen Fladen war also nicht das Beste, und doch sollte Michael Schirners Plakatkampagne für »Pfanni’s Kartoffelpuffer« in die Werbe-Geschichte eingehen. Schirner war in den 70er Jahren Art-Director bei der Düsseldorfer Werbeagentur GGK und schuf Klassiker der Reklame, die den Nachwuchs aufgrund ihrer genialen Einfachheit noch heute erschauern lassen, etwa seine Anzeige für IBM: »SchreIBMaschinen«. Daraus entwickelte sich eine weitere Kampagne, die mit den Tippfehlern spielte: »Liebe Sekrätorin, die IBM hat eine Korrekturtaste.« Das bekannteste Hautpflege-Produkt im Orange jener Jahre wurde mit »Taille 59. Hüfte 88. Creme 21.« beworben. Aufgrund dessen gilt Schirner bis heute als Branchen-Heiliger, Die Zeit nannte ihn in den 80er Jahren den »Beuys der Werbung« und das Buch, das Schirner herausbrachte, trug den passenden hochtrabenden Titel »Werbung ist Kunst«.

Demnach müssten also auch Kartoffelpuffer Kunst sein, sobald sie im Mittelpunkt einer Werbekampagne stehen. Museumsreif sind sie allemal, wie die Ausstellung »Think Big« im Essener Museum Folkwang zeigt. Dort hängen die Kartoffelpuffer in Übergröße – Schirner hatte bei der Konzeption der Kampagne konsequent auf das Großflächenplakat als Medium gesetzt; der gesamte Werbe-Etat wurde von Pfanni in die großen Flächen investiert. Neu war diese Art von Plakaten nicht, sie gab es schon seit den 50er Jahren in Deutschland, wo sie nach dem Krieg die Trümmergrundstücke verdecken sollten. Meistens waren die Großformate aber nicht mehr als leicht modifizierte, einfach auf 252 mal 365 Zentimeter aufgeblasene Anzeigenmotive, wenig abwechslungsreich, die Vorteile des Mediums irgnorierend.

Die Agentur GGK um Michael Schirner änderte das. Statt lediglich eine Verpackung abzubilden, inszenierten sie den gemeinen Kartoffelpuffer …

 

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»Think Big – Plakatideen für große Flächen«, 28. Juni bis 28. September 2014, Museum Folkwang, Essen. Tel: 0201/8845000. www.museum-folkwang.de

 

 

Design
06 / 2014

GANZ GROSS

Von: VOLKER K. BELGHAUS


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