»Moonjelly« Foto: Patricia Eichert

LICHT, SEITENWEISE

Wer die typischen Papierkugeln der 70er Jahre im Schlafzimmer nicht mehr sehen kann, sollte einen Blick ins Tal der Wupper werfen. Dort gibt Limpalux mit einem filigranen Lamellensystem dem Licht neue Formen.

TEXT: VOLKER K. BELGHAUS

Anfangs musste das Neue Testament dran glauben. Und ein Universitätsverzeichnis, Hauptsache dick und mit einem durchgehenden Schriftbild ausgestattet. Material, um den Lampen von »Limpalux« die charakteristische Form zu geben. Dabei waren es zu Beginn Raumobjekte, die Anja Eder und Michael Römer entworfen haben; die Erleuchtung kam erst später. Von der Form und Konstruktion her ähnelten sie aber bereits den heutigen Lichtobjekten – runde HPL-Platten, an denen lamellenartig und in engem Abstand Papierseiten befestigt sind, die so als Leuchtkörper fungieren.

Anja Eder und Michael Römer lernten sich während ihres Studiums der Visuellen Kommunikation an der FH Düsseldorf kennen. Römer hatte zuvor Wirtschaftswissenschaften an der Bergischen Universität Wuppertal studiert, Eder ergänzt ihr Diplom mit dem Studium Freie Kunst an der Ecole d’Art de Besançon in Frankreich und an der Kunstakademie Düsseldorf bei A. R. Penck. 2004 gründen sie in Wuppertal das Grafikbüro »picnic-design«, 2009 folgt dann Limpalux. Mittlerweile betreiben die beiden eine »Manufaktur« im Kolkmannhaus in der Wuppertaler Hofaue, dort werden die Lichtobjekte von Hand gefertigt. Die Konstruktion und Materialität der Modelle »Moonjelly« und »Moonjelly Corona« ist über die Jahre immer weiter optimiert worden. Anstatt aus Buchseiten, bestehen die Lamellen mittlerweile aus unzerreißbarem, 3-schichtigem Shoji-Japan-Papier, das widerstandsfähig gegen Luftfeuchtigkeit ist und den Charakter der Lampen weiterhin bestimmt. Durch die enge Anordnung der Lamellen verbreitet sich ein weiches Licht, dessen Anmutung sich je nach verwendeter Papierfarbe ändert. Als Standardfarben sind ein gebrochenes Weiß und Gelb (»Lemon«) erhältlich, auf Anfrage wird die Farbpalette durch reines Weiß (»Snow«), Rosa (»Flamingo«) und  zwei Grautöne (»Granite«, »Stone«) erweitert. Sonderwünsche sind möglich. Die Schattenbildung der Lamellen sorgt für differenzierte Farbabstufungen, und auch äußere Einflüsse, wie Bewegung durch Zug- oder Heizungsluft, beeinflussen bewusst die Lichtbildung.

Auch wenn die Endmontage in Wuppertal stattfindet, werden einzelne Bauteile wie die Edelstahlkomponenten in einem Solinger Fachbetrieb hergestellt, der sich auf Kleinauflagen spezialisiert hat. Dort werden die Edelstahlformen ausgelasert, geschliffen und verpackt, bevor sie verbaut werden. Limpalux bleibt handwerklich in der Region, legt Wert auf Qualität und verzichtet auf billige Bauteile. Dass sich die Mühe lohnt, zeigen die Preise, die Limpalux schon abgeräumt hat. Da wäre der »reddot design award winner 2009«, der pünktlich zur Markteinführung von »Moonjelly« kam, hinzu kommt der »Blickfang Designpreis Stuttgart« in Bronze, dessen Jury auch die einfache Art des Transports lobte – durch das Drehen um 180 Grad wird die Lampe zur Scheibe. Außerdem gab es eine Anerkennung des »Designers Open Designpreis«.

In naher Zukunft wollen Anja Eder und Michael Römer die Produktpalette durch Steh- und Wandlampen im Limpalux-Stil erweitern, und das Modell »Moonjelly Corona« hat einen zweiten, inneren Lamellenring bekommen – als »Neuinterpretation eines Kronleuchters«. Mit der Zukunft hat Limpalux schon Erfahrung: 2010 konnte man »Moonjelly« in der deutschen Filmproduktion »Die kommenden Tage« entdecken – die Geschichte einer Familie, erzählt bis ins Jahr 2025. Man war sich bloß nicht sicher, ob die Lampe ein avantgardistisches Zukunftsmöbel oder einen Designklassiker jener Tage darstellen soll. Wie auch immer – ist beides nicht schlecht.  


www.limpalux.de

Design
03 / 2011

LICHT, SEITENWEISE

Von: VOLKER K. BELGHAUS


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