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NACHRUF (AUF DEN MONAT FEBRUAR 2010)

Ein neuer Monat, wie schön! Leicht vergisst man jedoch, dass dafür ein alter Monat weichen musste. Damit etwas bleibt, klebt K.West den vertriebenen vier letzten Wochen eine Seite ins Album.Blättern wir uns also für ein paar Minuten zurück in den Februar!

 

EINE GLOSSE VON ULRICH DEUTER

Das schönste, was man vom vergangenen Monat sagen kann, ist, dass ein großer Mann in ihm erschien: Jürgen Büssow. Schon durch frühere Monate ging sein markanter Schritt, durch Dezember und Januar schob sich sein schwerer Schatten, den Februar aber füllte er ganz: der Regierungspräsident.

Warum ist Büssow groß? Groß ist, wer mutig ist. Groß ist, wer weise ist. Groß ist, wer groß denkt. Jürgen Büssow ist, tut all dieses.

Jürgen Büssow ist Beamter. Er leitet eine Mittelbehörde. Er führt die Kommunalaufsicht im Bezirk Düsseldorf. Ein Geschäft, viel zu klein für einen großen Mann. Viel zu klein auch für den Namen des Amtes, das ihm verliehen wurde: Präsident der Regierung! Aller Regierungen! Regierungspräsident!

Wenn Not herrscht, schlägt die Stunde großer Männer. Mit der Elbflut wurde Helmut Schmidt berühmt. Der Ebbe in den Kassen der Kommunen wirft sich ein neuer Schmidt entgegen: Büssow. Sein Plan: endlich das Loch stopfen, durch das das ganze Geld aus den Kommunen hinausfließt. Das Loch Kultur. Schließt man es, wird der Pegel in den Kassen wieder steigen. Streicht man die Leistungen für Theater und Museen, ist wieder Geld da für Sportanlagen, Schwimmbäder, breite Straßen. So etwas will Jürgen Büssow. Denn er ist selbst Sportler. Marathonläufer. Er trainiert fünfmal die Woche. Büssow erlaubt ein Fußballstadion in Essen. Er verbietet die Erhöhung des Bühnenetats. Büssow sagt: Weg mit dem Theater in Oberhausen. Und: Gut, dass die Wuppertaler ihres schließen wollen. Büssow meint, was er sagt. Büssow weiß, was er meint. Denn Büssow ist nicht nur Sportler, er ist auch Philosoph, Historiker, Kulturwissenschaftler. So gut wie alles, was in den letzten Jahrzehnten über Sein und Zeit, Ästhetik und Erkenntnis und das kulturelle Gedächtnis der Menschheit gedacht und geschrieben wurde, stammt von ihm. Was kaum bekannt sein dürfte, unter dem Künstlernamen Herbert Fritsch tritt Büssow selbst als Schauspieler auf und weiß daher, dass man zum Theaterspielen kein Haus, nur ein par Bretter braucht. Und dass die wahren Zuschauer weit reisen, um Theater zu sehen. Eine Bühne in Nordrhein-Westfalen, findet Büssow, reicht. Demnächst wird er das öffentlich sagen.

Neulich im Februar hat Büssow gesagt, den Protest der Kulturleute gegen den Untergang der Kultur in den Städten, z.B. in Wuppertal, muss man nicht ernst nehmen. Die könnten sich halt gut ausdrücken, die Kulturleute. Die seien eben prima vernetzt. Deshalb erscheine das dann immer bedeutender als es ist.

Es wäre infam zu behaupten, dass Jürgen Büssow über die Finanzkrise der Kommunen begeistert ist. Weil ihm das die Gelegenheit gibt, sich jeden Tag als der wahre Kulturstaatssekretär Nordrhein-Westfalens zu präsentieren, während der richtige schweigt. Nein, Büssow tut nur, was seines Amtes ist: regieren. Obwohl, ja gerade weil ihn niemand gewählt hat. Und regieren, das weiß der gelernte Orthopädiemechaniker Büssow, heißt abzwacken. Regieren, weiß der gelernte Diplompädagoge Büssow, heißt verbieten. Groß ist, wer Großes aufbaut. Größer noch ist, ahnt Büssow, wer Großes vernichtet.

Das beste im Februar war, Jürgen Büssow beim Abschaffen zuzusehen.

Glosse
03 / 2010

NACHRUF (AUF DEN MONAT FEBRUAR 2010)

Von: ULRICH DEUTER


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