Roberto Saccà (Bacchus) und Karine Babajanyan als Ariadne. Foto: Hans Jörg Michel

NIMM’S LEICHT

Richard Strauss’ »Ariadne auf Naxos« an der Rheinoper  

 

TEXT: REGINE MÜLLER

Zum Saisonstart glückt der Rheinoper endlich mal wieder eine überzeugende Eigenproduktion. (Barrie Koskys erfolgreiche »Zauberflöte« ist ja ein gewiss kluger Einkauf von der Komischen Oper Berlin.) Dietrich Hilsdorf läuft mit seiner 150. Regie und der ersten Begegnung mit dem bisher gemiedenen Richard Strauss zu großer Form auf – ausgerechnet mit der komödiantischen »Ariadne auf Naxos«, einer auch in ihrem Witz etwas angejahrten Reflexion des Theaters über sich selbst. Hofmannsthals Libretto ist nicht von frei von Klischees, mit denen Hilsdorf elegant spielt, bewusst Platitüden streift und zugleich den Weg freischlägt für Subtilitäten und neue Einsichten, indem er aus dem oft gravitätisch gegebenen Stück eine federleichte Kammeroper macht.

Das Orchester sitzt hinter der Szene. Die Handlung, hauptsächlich auf den überbauten Orchestergraben gesetzt, rückt greifbar nahe. Das 1950-Jahre-Interieur des Düsseldorfer Opernhauses verlängert sich auf die Bühne (Dieter Richter), wo dezent muffige Alltagsgegenstände mit Kopien von Gemälden mythologischer Szenen aus dem benachbarten Museum Kunstpalast kontrastieren. Der Haushofmeister (grandios: Peter Nikolaus Kante) schnauzt seine Maßregeln aus dem Parkett herauf.

Hilsdorfs schärfstes Instrument ist Ironie, gefolgt von schwerelos fruchtbarer Respektlosigkeit, während Axel Kober die gut aufgelegten Symphoniker zu schlankem, beredtem Strauss-Klang animiert und das putzmuntere, bis in kleinste Rollen fein besetzte Ensemble sängerisch auf der Höhe ist. Da trompetet etwa der Haushofmeister ins lyrisch verhangene Vorspiel hinein: »Ganz schön, aber wie schade, dass Sie das Waldhorn nicht verwenden!?«; Bruce Rankin (Scaramuccio) trällert selbstvergessen eine Melodie der Ariadne mit; die Titelheldin (erstklassig: Karine Babajanyan) muss angesichts von Zerbinettas Albernheit plötzlich kichern, während jene (Elena Sancho Pereg mit funkelndem Sopran) ihrerseits die Traurigkeit eines Junkie-Girls zeigt. So durchdringen sich die Sphären von Tragödie und Buffa fix wechselseitig.

 

Bühne
11 / 2014

NIMM’S LEICHT

Von: REGINE MÜLLER


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