Riva (Patsha Bay Mukuna). Foto: Kinowelt

AFRICAN TRAGEDY

»Viva Riva – Zu viel ist nie genug«

 

TEXT: ANDREAS WILINK

In Angola kann jemand sein Glück machen, um es im Kongo wieder zu verlieren. Riva war zehn Jahre lang fort; nun ist er zurück in Kinshasa. Er schmeißt mit Geld nur so um sich: 1000 Dollar für die Eltern, die sich etwas anderes wünschen von ihrem Sohn, bündelweise schafft er sich mit den Scheinen falsche Freunde, bezahlt Nutten und markiert den großen Mann. Es ist die Anzahlung auf einen Lastwagen voll mit Benzinfässern – Mangelware in Kinshasa –, den er seinem Boss Cesar (Hoji Fortuna) geklaut hat. Der lässt nicht lange auf sich warten, um sich die heiße Ware wiederzubeschaffen.

Djo Tunda wa Mungas »Viva Riva« enthält alles, was ein Genre-Thriller braucht: einen Typen wie Riva, der nach oben will und daran zugrunde geht, und einen Darsteller wie Patsha Bay Mukuna, der sich neben Stars wie einem Jamie Foxx behaupten würde; eine kaltschnäuzige schöne Frau (Manie Malone), die eine traurige Geschichte zu erzählen hat, nur ihrem Vorteil lebt und dann doch ihrem Gefühl erliegt, die einem anderen gehört und sich für Riva entscheidet; großspurige Gangster, und eine zwingende Dramaturgie von Blut und Brutalität, Verrat und Verlust, Sex und Gewalt, die einem Shakespeare-Drama wie »Titus Andronicus« in nichts nachsteht. Männer nehmen sich, was sie wollen – ob Frauen oder das Recht, über Leben und Tod zu befinden. Es ist das Schema des Beute-Machens als Urinstinkt des Jägers, das unverhüllt zum Ausdruck kommt. Im Nachtleben von Kinshasa paaren sich archaische Riten, als hätte Colonel Curtz sein Kreuz darüber geschlagen, mit den protzenden Posen westlich hedonistischen Glamours.

Hinter dem Verbrechens-Puzzle aber, dem am Ende bis auf einen kleinen Jungen alle zum Opfer gefallen sein werden und bei dem die kostbare Ware buchstäblich in Rauch aufgeht, weitet sich die Perspektive, streift im Vorübergehen die soziale Situation und zeigt ein von Kriegen traumatisiertes Land, im dem kein Gesetz zu gelten scheint, die Kirche ebenso korrupt ist wie das Militär oder die Behörden und zerstörte Familien in summa eine zerstörte Gesellschaft ergeben. Es ist, als schlüge in Afrika das Herz der Finsternis schneller als in Europa und Amerika – und das wohl nicht nur im Kino.


»Viva Riva«; Regie: Djo Tunda wa Munga; Darsteller: Patsha Bay Mukuna, Manie Malone, Hoji Fortuna, Marlene Longage, Alex Herabo; Kongo 2010; 92 Min.; Start: 15. März 2012.

 

Film
03 / 2012

AFRICAN TRAGEDY

Von: ANDREAS WILINK


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