Unterwegs in Madrid: Henry Cavill. Foto: Concorde

ALLES FÜR DIE FAMILIE

Tag und Nacht in Madrid: »The Cold Light of Day«

 

TEXT: ANDREAS WILINK

Man könnte die Geschichte auch ganz anders als in Form eines Thrillers erzählen, dessen physische Blessuren, zu Schrott gefahrene Autos, in Trümmer gelegte Einrichtungen und umgenietete menschliche Massenware ein Maß erreichen (die Credits führen allein siebzig Stunt Performer) und mehr »Haywire« anrichten, als selbst Steven Soderberghs jüngstes Drunter und Drüber seiner Killermaschinen mit Kunstappeal. »The Cold Light of Day« (der poetische Titel klingt mehr nach Melodram) schickt einen jungen Mann, Will Shaw, auf einen rasant potenzierten Initiations-Trip, der sich als psychoanalytisch fundierter Vater-Sohn-Konflikt oder, um noch weiter ins Mythische zurückzugehen, als klassisches Heldenepos oder Märchen-Abenteuer deuten ließe. Wir sind in Spanien, unter Ballermännern.

Will Shaw (Henry Cavills hübsches Gesicht wird so häufig in Großaufnahme gezeigt wie es sonst nur Tom Cruise in seinen selbstproduzierten Filmen erlaubt ist) besucht seine Eltern, den jüngeren Bruder und dessen Freundin, um gemeinsam eine Woche auf dem Mittelmeer beim Segeln zu verbringen. Aber er hat den Kopf nicht frei wegen Problemen seiner Firma (Business Consulting) in San Francisco. Als er nach einem Stadtgang aufs Boot zurück schwimmt, ist es leer: die Familie entführt. Kurz darauf taucht nur sein Vater (Bruce Willis) wieder auf, der ein Doppelleben als CIA-Agent führt und außerdem noch eine zweite Familie gegründet hat. Aber Zeit zur Reue bleibt ihm nicht – eine Kugel streckt ihn nieder. Will Shaw ist allein auf sich gestellt; er hat 24 Stunden, um seine Angehörigen zu retten und einen ominösen Koffer zu beschaffen. Eine elegante Dark Lady (Sigourney Weaver) ist seine Gegnerin und derart eiskalt,  dass man sich bald wünscht, das Biest möge, egal wie, sterben. Israels Geheimdienst hat ebenfalls Interesse an dem obskuren Gegenstand und gehört zu den Verfolgern des Verfolgten, wobei die Bedeutung des Objekts so unerheblich bleibt wie etwa in Hitchcocks »Suspicion«. Am Ende hat Junior seinen Vater verloren, aber eine Schwester gewonnen. Das ist zwar vermutlich nicht die Frau fürs Leben, aber eigentlich ganz schön, dass das Genre mal ohne übliche Love Story auskommt. Dafür hätte Will Shaw zwischen Tag und Nacht allerdings nicht auch noch die Zeit, Puste und Energie besessen.


»The Cold Light of  Day«; Regie: Mabrouk El Mechri; Darsteller: Henry Cavill, Sigourney Weaver, Bruce Willis, Veronica Echegui; USA 2011; 93 Min.; Start: 3. Mai 2012.   

 

Film
05 / 2012

ALLES FÜR DIE FAMILIE

Von: ANDREAS WILINK


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