Harald Schmidt. Foto: Sky

Harald Schmidt von A bis Z

Der Entertainer wird 60. - k.west gratuliert mit einem A-Z.

TEXT VOLKER K. BELGHAUS

A wie Andrack, Manuel Nach Herbert Feuerstein der zweite »zweite Mann« im Leben Schmidts und langjähriger Side-Kick der SAT.1-Jahre. Eigentlich Redaktionsleiter, wurde Andrack zum gutmütigen Gegenpart für cool Schmidt. Heute Wandervogel. 

B wie Beckett Als Ensemble-Mitglied des Bochumer Schauspielhauses stand Schmidt 2002 als gepeinigter Diener »Lucky« in Becketts »Warten auf Godot« auf der Bühne. Überraschung: Godot kam schon wieder nicht. 

C wie Charly Wagner Radiomoderator und wohlige WDR4-Buttercremestimme. Las in der Harald-Schmidt-Show im Lehnstuhl schweinische »Klassiker des Herrenwitzes«. Selten wurde das Wort »Möse« schöner betont.

D wie »Die dicken Kinder von Landau« Rubrik der Harald-Schmidt-Show in den ersten Jahren, auf deren Ankündigung ein völlig unkomischer Satz folgte.

E wie Ententröte Legendäres und nervtötendes Geräusch in Schmidts früher Panel-Show »Pssst …« im WDR, das das Ende der Ratezeit markierte.

F wie Fliegen In »Schmidteinander« ließen Schmidt und Feuerstein während der Show 10.000 Fliegen in die Freiheit, die nicht nur das Studiopublikum irritierten, sondern auch die WDR-Kantine tagelang lahmlegten.

G wie Gott Schmidt studierte Kirchenmusik in Rottenburg am Neckar und war Organist in seiner Heimatstadt Nürtingen. Eine gute Vorbereitung, um später mit seinem Late-Night-Publikum hochkomisch einen »Gemeindenachmittag« nachzuspielen.

H wie Hose Aufführung des Dramoletts »Claus Peymann kauft sich eine Hose und geht mit mir essen« nach Thomas Bernhard in der Neu-Version von Benjamin von Stuckrad-Barre in der Harald-Schmidt-Show. Weiterer Stein im Altar der Heiligsprechung durch das Feuilleton.

I wie Irrtum Schmidts Meinung, dass Oliver Pocher für ihn ein geistreicher und ebenbürtiger Sidekick sei. Problem: Wo Schmidt über Goethe reden wollte, imitierte Pocher Mario Barth. Ende der Konstellation in der ARD im April 2009.

J wie Jagut, äh, sicherlich 2006 befragte Schmidt »Franz Beckenbauer«, der eigentlich Olli Dittrich war, staatsmännisch zu aktuellen Ereignissen. Ein Feuerwerk des Absurden, das auch vom originalen »Kaiser« hätte stammen können.

K wie Kom(m)ödchen Düsseldorfer Kleinkunstbühne und Schmidts erste Wirkungsstätte im deutschen Wollpullover-Kabarett der 80er Jahre. Trägt Volker Pispers bis heute. 

L wie Licard, Nathalie Ensemble-Mitglied der Harald-Schmidt-Show mit französischen Wurzeln. Sprach zu Anfang kein Wort Deutsch, war später die Intro-Stimme der »'araldschmidtscho«.

M wie Mad-Magazine Lange bevor er Schmidts legendärer Sidekick wurde, lebte Herbert Feuerstein in New York und war Chefredakteur des Mad-Magazins. Eine gute Schule für die angewandte Albernheit von »Schmidteinander«.

N wie Nietzsches Katze Titel der Tanztheater-Rubrik in »Schmidteinander«. Ein ewig gleicher, leerer Raum, in dem Schmidt und Feuerstein in schwarzen Sportbodys zu Schlagzeugklängen dramatisch aufgebauscht herumzucken. Kunst. 

O wie Oma Sarif  Eigentlich Marga Maria Werny, Schauspielerin und Ensemble-Mitglied bei »Schmidteinander«. Spielte meist die gute Oma, aber auch maschinengewehrbewehrte Mafia-Witwen. 

P wie Playmobil Beliebte Requisite in der Harald-Schmidt-Show, um Bildungsfernsehen zu betreiben und historische Ereignisse oder Literarisches nachzuspielen: Die Heldentaten des Herakles, das Leben des Joschka Fischer und Ernst Jüngers »Strahlungen«.

Q wie Quartett Viele TV-Formate hat Schmidt nachgespielt, darunter auch das »Literarische Quartett« mit seinen Mitarbeitern. Fazit: Milan Kundera war nicht so doll, Don DeLillo auch nicht. 

R wie Ruhrgebiet Am 24. April 2012 hatte die Band um Helmut Zerlett frei, stattdessen übernahmen die Bochumer Symphoniker unter GMD Steven Sloane die musikalische Begleitung der Harald-Schmidt-Show.

S wie »Schmidteinander« Legendäre Comedyshow (1990-1994) zusammen mit Herbert Feuerstein, als der WDR noch anarchisch und risikofreudig war. Erste Late-Night-Elemente wie Stand-Up, Schreibtisch und Sidekick. Im Rückblick von großer Albernheit geprägt, damals aber genau richtig. 

T wie Traumschiff  2008 heuert Schmidt erst als »Gentlemen-Host Oskar de Navetta«, später als »Kreuzfahrtdirektor Oskar Schifferle« auf dem ZDF-Seniorendampfer an. 

U wie Udo Brömme Fiktiver CDU-Politiker, der in Gestalt von Show-Autor Ralf Kabelka (heute Böhmermann-Sidekick) Seniorengruppen auflauerte und mit Slogans wie »Zukunft ist gut für alle« Parteitage sprengte.

V wie Verstehen Sie Spaß? Schmidts gelungene Dekonstruktion der biederen Samstagabendshow. Begrüßte das Publikum als »Liebe Insassen von Ludwigsburg« und ließ sich pelz-bemantelt mit einem Helikopter zu einer 20 Meter entfernten Pommesbude fliegen. Nie war der Applaus eisiger.

W wie Wolpers, Godehard Eigentlich Redakteur bei »Schmidteinander«, wurde als Sündenbock für alle Show-Pannen mit einem gebrüllten »Wolpers!!!« verantwortlich gemacht und von Schmidt und Feuerstein verprügelt.

X wie Xanten Stadt am Niederrhein, dort wurde nie eine Show aufgezeichnet. Stattdessen auf einem Schiff zwischen Bingen und Boppard. Live mit Engelke, Pastewka und Dittrich – vier Stunden Wein, Weib und Gesang.

Y wie Ypern Sie erinnern sich: In Xanten wurde nie eine Harald-Schmidt-Show aufgezeichnet. Im belgischen Ypern erst recht nicht.

Z wie Zitat »Distanz als ultimative Haltung. Distanz zu allem, den ästhetischen Zumutungen der Rechten und der Linken. Unmöglichkeit von Engagement. Totaler Individualismus.« Peter Unfried über Schmidt im Rolling Stone, 19.4.2016

Film
08 / 2017

Harald Schmidt von A bis Z

Von: Volker K. Belghaus


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