Phantom-Liebe: Nina Hoss umarmt Mark Waschke. Foto: Prokino

STELL DIR VOR

Nina Hoss öffnet das »Fenster zum Sommer«

 

TEXT: ANDREAS WILINK

Ein Liebespaar in der finnischen Natur: Straßen ins Irgendwo, Wälder, Wasser, Nacht, romantische oder auch nur banale Zweisamkeit. Und dann: Aus der Traum! Juliane erwacht, es ist Winter, es ist Berlin, und der Mann heißt nicht August, sondern Philipp, sieht nicht aus wie Mark Waschke, sondern wie Lars Eidinger, was keinen allzu großen Unterschied auf der Attraktivitätsskala macht. Ein deutscher Film über die Liebe in Gedanken, in den Hauptrollen Schauspieler, die hier vor allem die Stereotype spielen, die in ihren Agentur-Profilen als Charakteristika ausgewiesen sein könnten. Nina Hoss als Juliane – dauerhaft sanft verstört in Christian-Petzold-Manier; Fritzi Haberlandt als ihre Freundin Emily – eben fritzihaft burschikos, salopp und kesse Göre; Eidinger – der softe Beziehungsverwalter; Waschke – der sensible Womanizer. Jeder hat seine Rolle, und das Drehbuch dreht konfuse Kapriolen um Wohlstands-Sorgenkinder Mitte dreißig.  

Juliane, die Dolmetscherin mit finnischem Vater, deutscher Mutter und eingefahrener Philipp-Beziehung, hat seit Kindertagen Déjà-Vu-Erlebnisse oder so was Ähnliches. Will sagen: Es war einmal in der Zukunft. Da kann sie nicht ganz von dieser Welt sein und wundert sich durchs Alltags-Leben. Otto, Emilys kleiner Sohn, hat am ehesten einen sechsten Sinn für ihren erlösenden Wunsch nach etwas Anderem. Aber ob man auf diese Spezialwahrnehmung eine Liebe gründen kann (Erstkontakt mit August in der S-Bahn, nachher im Café, später im Restaurant und dann bei einer Zigarette und beim Tanzen) oder mit ihr gar einen tödlichen Unfall (von Emily) auf dem Kurfürsten-Damm vor dem Kempinski verhindert, das hier Café Central heißt, wie Berlin sich überhaupt aus seltsamen Versatzstücken zurecht puzzelt? Der Spuk reduziert sich letztlich auf den Widerspruch von Kopf und Herz und nennt sich weibliche Intuition oder Verhängnis oder Schicksal. Nicht auszudenken, was sich Regisseur Hendrik Handloegten da alles ausgedacht hat. Ergebnis: das planvolle Elend eines vielfach geförderten Gremien-Films.


»Fenster zum Sommer«; Regie; Hendrik Handloegten; Darsteller: Nina Hoss, Fritzi Haberlandt, Mark Waschke, Lars Eidinger; Deutschland 2011; 96 Min.; Start: 3. Nov. 2011.

 

Film
11 / 2011

STELL DIR VOR

Von: ANDREAS WILINK


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