Die jungen Liebenden in den Sechzigern: Foto: Senator

UNERTRÄGLICH LEICHT

»Die Liebenden« von Christophe Honoré

 

TEXT: ANDREAS WILINK

Dabei klingt es so vielversprechend, schon durch die opulente,  gewissermaßen staatstragende Besetzung: Catherine Deneuve als Madeleine und Tochter Chiara Mastroianni (quasi in den eigenen Mutter-Kind-Rollen verpflichtet) sowie Ludivine Sagnier als junge Madeleine und Louis Garrel, der neue Jean-Pierre Léaud, als Sagniers Lover. Letzteres eine Kombination, die das Traumpaar schon in »Chanson der Liebe« des nämlichen  Regisseurs Christophe Honoré eifrig hatte proben können. Hier nun geht der Ehrgeiz weiter und dahin, eine private (und damit immer auch etwas banale) Love Story als Zeitchronik zu erzählen: mit den Stationen von den sechziger Jahren  über 1978, 1997/98 bis 2001 und mit markanten Aus- und Einschlägen wie dem Prager Frühling, der Aids-Epidemie und dem 11. September. Oh lala, der Wille (auch der Stilwille) ist groß, das Erlebnis aber bleibt klein.  

Es fängt hübsch an, weil die Sixties das Kino sowieso wunderbar zum Leuchen bringen mit seinen Farben und Mustern. Und auch die Autos sahen besser aus. In Paris trägt die Modeverkäuferin Madeleine Couture-Schuhe und wird beim Promenieren für eine Venuspriesterin gehalten, was ihr nichts ausmacht, sondern sie erst auf eine Idee bringt. In dem Arzt und Frauenhelden Jaromir findet sie einen Kunden und baldigen Ehemann, mit dem sie hinter den Eisernen Vorhang zieht und nach dem Einmarsch der Russen in Prag ohne den ungetreuen Macho, aber mit der gemeinsamen Tochter Véra heimkehrt. Eine Episode, die zumindest in punkto tschechischen Casanovatums an Milan Kunderas Roman-Welterfolg anbändelt.

Es plappert und plätschert weiter über die Jahre. Mama, neu verheiratet, trifft sich gelegentlich mit Jaromir (der nach einem angemessenen Alterungsprozess nun aussieht wie Milos Forman, bis ihn der Tod durch einen niedersausenden Ast ereilt). Véra leidet diffus am Leben  und an der Liebe und verliebt sich in einem Londoner Club fürchterlich in einen schwulen Amerikaner mit Clooney-Charme, was ihrem Bohèmien-Gefährten Clément (mit eingeschnappter Miene: Garrel) missfällt. Alle sind aufwendig mit nichts beschäftig. Zwischendurch singen die Darsteller, was als Verbeugung vor Jacques Démy und Alain Resnais das französische Kino mittlerweile bis zum Überdruss einsetzt, außer es wird so innovativ benutzt wie aktuell in »Das Leben gehört uns«. Der illustrierte Boutiquen-Look putzt die Charaktere in ihren Eigenschaften, Leidenschaften, Paar-Problemen und Existenzkrisen nur hübsch heraus. Als sei das Drehbuch über den Grundeinfall nicht hinausgelangt, zwei Generationen schöner Blondinen vor die Kamera zu stellen.


»Die Liebenden – von der Last, glücklich zu sein«; Regie: Christophe Honoré; Darsteller: Catherine Deneuve, Ludivine Sagnier, Chiara Mastroianni, Milos Forman, Louis Garrel; F/GB/Tschechien; 2012, 135 Min.; Start: 3. Mai 2012.

 

Film
05 / 2012

UNERTRÄGLICH LEICHT

Von: ANDREAS WILINK


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