Detail aus dem Isenheimer Altar. Foto: Colmar

Aus ganzer Seele

Im April / Mai ist Köln wieder Spielort der Neuen Musik. Zum sechsten Mal findet das »ACHT BRÜCKEN«-Festival, Nachfolger der MusikTriennale, statt.

Text Malte Hemmerich

Der Konzertmarathon mit 14 Uraufführungen soll als Stadtfest funktionieren und, anders als die Insiderfestivals Donaueschingen und die Tage für Neue Kammermusik Witten, ein möglichst breites Publikum erreichen. Gleich zu Beginn gibt es deshalb ein groß angelegtes Chorprojekt. Bei freiem Eintritt konzertieren Vokalensembles in der Kölner Philharmonie »La Transfiguration de Notre-Seigneur Jésus-Christ« von Oliver Messiaen; am Maifeiertag werden ganztägig Chor-werke des 21. Jahrhunderts aufgeführt.

»Glaube und Musik« lautet das Thema, das (wie schon »Politik und Musik« zur Ausgabe 2015) sehr frei ausgelegt ist. Zum einen stehen Werke wie Leonard Bernsteins »Mass« mit dem Gürzenich-Orchester im Programm. Bernstein unterbricht hier den traditionellen Messritus mit Zwölftonmusik und rockigen Broadway-Episoden, was bei der Uraufführung durchaus für Kontroversen gesorgt hatte.

»The Gospel According to the Other Mary«, John Luther Adams’ Passionsoratorium, das die niederländischen Radiochor und Radioorchester bringen, berichtet von den letzten Lebenswochen Jesu aus Sicht Maria Magdalenas. Der britische Komponist Jonathan Harvey bindet in seinem Stück »Death of light, Light of Death« den Isenheimer Altar von Matthias Grünewald musikalisch ein.

Zum anderen ist Musik abseits eindeutig religiöser Thematik vertreten. Gespielt werden Kompositionen, die »große menschliche Fragen behandeln«, wie es heißt. »Glaube« umfasst dabei Mystik und philosophische Sinnfragen. Passend dazu steht der Satz, den die Komponistin Galina Ustwolskaja (1919-2006), die nach Louis Andriessen jetzt zentrale Komponistin des Festivals sein wird, über ihre Musik schreibt: »Meine Werke sind nicht religiös, aber spirituell, weil ich alles von mir gegeben habe. Meine Seele, mein Herz.«

Ustwolskaja, die u.a. bei Dimitri Schostakowitsch studierte,  hinterließ nur ein kleines Oeuvre, das mit Anklängen an alte Kirchengesänge über serielle Formen bis zu Messiaen’scher Klangfärbung entdeckenswert scheint. So ist auch ein Ustwolskaja-Spaziergang in Kooperation mit dem Ensemble MusikFabrik geplant, vor allem mit ihrer Kammermusik.

Überhaupt werden neue Spielorte erschlossen, dem Leitmotiv gemäß Gebetshäuser in der Stadt. Wie gewohnt vergab das Festival Kompositionsaufträge; so schreibt der tschechische Komponist Martin Smolka ein Opus, das am 9. Mai von der Violinistin Carolin Widmann und dem Pianisten Nicolas Hodges im Funkhaus am Wallrafplatz aufgeführt wird.

30. April bis 10. Mai 2016 in Köln; 1. Mai: Philharmonie: Chöre im Freihafen sowie Messiaen. 5. Mai: Olga Scheps / Estländische Philharmonie mit Pärt und Ustwolskaja. 7. Mai: Jay Schwartz, Music for Orchestra V für Streicher (Kompositionsauftrag vom WDR). Matthias Pintscher: Concerto für Violoncello und Orchester (Kompositions-Auftrag) mit dem WDR-Sinfonieorchester; 8. Mai:  Naji Hakim Aalaiki’ssalaam (2012) für Orchester – Deutsche Erstaufführung. 8. Mai: John Adams, Oratorium. 10. Mai: Bernsteins »Mass« mit dem Gürzenich Orchester.

 

Kunst
01 / 2016

Aus ganzer Seele

Von: Malte Hemmerich


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