Gustave Caillebotte: Rue de Paris, temps de pluie (Straßenzüge in Paris, an einem Regentag), 1877. The Art Institute of Chicago,Charles H. and Mary F.S. Worcester Collection. Foto © The Art Institute of Chicago, 2010

Louis-Emile Durandelle: Errichtung von Sacré-Coeur, 18. April 1889. Bibliothèque Historique de la Ville de Paris © Foto: Roger-Viollet

Pierre August Renoir: Bal du Moulin de la Galette (Tanz im Moulin de la Galette), 1876. Museé d’Orsay, Paris legs Gustave Caillebotte, 1894 © Foto: Musee d’Orsay/Hervé Lewandowski

METROPOLENMALER

Paris in Essen: Das Museum Folkwang zeigt die französische Kapitale, wie die Maler des Impressionismus und ihre fotografierenden Zeitgenossen sie einst sahen.

 

TEXT: STEFANIE STADEL

Die Kulturhauptstadt 2010 dreht ihre letzten Runden durchs Ruhrgebiet. Und setzt mit viel Puste an zu einem letzten Sprint: im Museum Folkwang – wo sonst. Reichlich Rückenwind spendet wie schon so oft E.ON Ruhrgas. Mit Hilfe des großen Sponsors holt man sich ins schöne neue Haus, was alle sehen wollen: Die Impressionisten und einige ihrer Zeitgenossen, die sich in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts in Paris umtaten und den rasanten Wandel der Stadt mit dem Pinsel begleiteten: Manet, Monet, Renoir, Degas, Sisley, Pissaro …

Sie alle waren Zeugen des Wandels, erlebten hautnah, was Kaiser Napoleon III. und sein Planer Georges-Eugène Haussmann aus Paris gemacht hatten – eine monumentale, moderne Großstadt. Wo sich zuvor winzige Gässchen durch Häusermeere schlängelten, waren ab 1852 breite Achsen geschlagen worden. Prachtvolle Plätze, Boulevards und Avenuen entstanden.

Das alles kam nun auf die Leinwand – auch dies eine große Neuigkeit: Hatte man zuvor eher verächtlich auf die profane Gegenwart geschaut und in der Malerei historische oder klassisch-zeitlose Sujets vorgezogen, so begeisterten sich die jungen Maler mehr und mehr für das, was wir Modernität nennen. Über die »Haussmannisierung« im Zweiten Kaiserreich und ihre gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Auswirkungen ist viel geschrieben worden. Eine ihrer wesentlichen Folgen für die Kunst ist die rasante Entwicklung der Stadtlandschaft als Thema der Malerei.

Im neuen Paris bot sich den Impressionisten in der Tat reichlich brandaktueller Stoff: dampfende Loks, Bahnhöfe, die Metro, Sacré-Cœur und der Eiffelturm. Der Louvre und der Pont du Carrousel bei Nacht, die Avenue de l’Opéra an einem sonnigen Wintervormittag oder die Rue Lafayette vom Balkon aus gesehen. Tanzende Paare im Moulin de la Galette und die müde Zeitgenossin vor einem Gläschen Pflaumenschnaps am Bistrotisch.

Zu den rund 80 gemalten »Bildern einer Metropole« kommen in Essen um die 120 historische Fotografien von namhaften Lichtbildnern der Zeit. Dabei kann die thematisch nicht sehr überraschende, dafür hervorragend bestückte und ungemein Erfolg versprechende Großausstellung sogar noch einen Roten Faden spannen – von Paris als erster Metropole der Moderne bis hin zur »Metropole Ruhr«, die auch gern eine wäre. Sowie zum vor rund 100 Jahren von Folkwang-Gründer Karl Ernst Osthaus geprägten Motto der Kulturhauptstadt »Wandel durch Kultur – Kultur durch Wandel.« | STST

Museum Folkwang, Essen. 2. Oktober 2010 bis 30. Januar 2011. Tel.: 0201/8845 444. www.bildereinermetropole.de

Kunst
10 / 2010

METROPOLENMALER

Von: STEFANIE STADEL


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