Weltsicht aus dem Keller

Bochum hat ein neues Museum, natürlich unter Tage: ganz schön »MuT«-ig.

Text Honke Rambow

Idyllisch, aber etwas abseits in Bochum-Weitmar liegt die Situation Kunst (für Max Imdahl), deren speziell gebaute Pavillons eines der vielleicht besten Werke von Richard Serra beherbergen. Durch den Kubus in der Ruine des Hauses Weitmar, 2010 eröffnet, und durch den Neubau des »Museums unter Tage« (MuT), das soeben mit der Sammlungs-Präsentation »Weltsichten« eröffnet hat, ist das Ensemble vollständig. Es bietet reichlich Gelegenheit, die Kunstsammlung der Ruhruniversität zu zeigen, und auch Wechselausstellungen. So sehr der Name nach Ruhrgebiets-Klischee klingt, lag er für den unterirdischen Bau doch nahe. Das architektonische Konzept (wie schon beim Kubus) stammt von Prof. Herbert Pfeiffer und wurde von den Bochumer Architekten Vervoorts & Schindler umgesetzt. Das Verschwinden – nur durch eine graue Schotterfläche, durch Eingangs-, Technik- und Notausgangs-Quader sowie eine vom Künstler Erich Reusch konzipierte Arbeit aus farbigen Stelen oberflächlich aufgehoben – hat einen Grund. Die Atmosphäre des Schloßparks, der ebenfalls als Ausstellungsfläche dient, sollte möglichst wenig beeinträchtigt werden.

k.west sprach mit der Vorsitzenden der Stiftung Situation Kunst, Silke von Berswordt-Wallrabe. 

k.west: Wird mit der Sammlung die Situation Kunst zum vollwertigen Museum?

Von Berswordt-Wallrabe: Das war sie vorher schon. Natürlich tritt nun zu den speziellen Räumen der historische Aspekt hinzu; und es gibt Platz für professionelle Wechselausstellungen. Das haben wir zwar im Kubus auch schon gemacht, etwa in Kooperation mit internationalen Museen, doch da waren wir räumlich noch sehr beschränkt.

k.west: Treten Sie in Konkurrenz zum Kunstmuseum Bochum?

Von Berswordt-Wallrabe: Man kann wunderbar nebeneinander existieren. Die Situation Kunst bleibt mit der Sammlung in erster Linie Universitätsmuseum. Die historische Komponente, die mit den »Weltsichten« hinzu kommt, macht einen Unterschied zum Museum Bochum, das sich auf neuere Kunst spezialisiert. Wir ergänzen uns da prima.

k.west: Was bedeutet, dass die Situation Kunst eine universitäre Sammlung ist?

Von Berswordt-Wallrabe: Natürlich richten wir uns genauso an interessierte Bürger; aber haben vorrangig Ausbildungsfunktion. Das erwies sich schon vor der Eröffnung, als Studierende des Kunstgeschichtlichen Instituts bei der Hängung dabei waren und aktiv mit den Werken umgingen.

k.west: Gibt es diese Besonderheit häufiger?

Von Berswordt-Wallrabe: Ganz wenige Universitäten haben eigene Sammlungen, das sind dann eher medizinhistorische. Meines Wissens hat keine andere deutsche Uni eine eigene Kollektion mit Schwerpunkt auch auf neuere Arbeiten. Das kommt dem an der Ruhruniversität noch recht jungen Aufbaustudiengang Kunstpublizistik und kuratorisches Wissen zugute. Gerade für die Ausbildung in der Kunstpädagogik und Museums-Praxis ist es fantastisch, so ein Instrument zur Verfügung zu haben.

k.west: Wie kamen Sie auf »Weltsichten« und die Konzentration auf Landschaftsmalerei?

Von Berswordt-Wallrabe: Aus der Überlegung, das Sujet der ursprünglichen Situation Kunst weiterzuführen. Da es dort zentral um den Raum geht, lag der Schritt zur Landschaftsmalerei, die auch Raumerfahrung thematisiert, nahe. So schließt sich ein Bogen zwischen allen drei Teilen der Situation Kunst, das MuT vervollständigt das Gesamtkonzept.

MuT, Bochum, Nevenstraße 29a, Mi-Fr 14–18 Uhr, Sa, So und an Feiertagen 12–18 Uhr; www.situation-kunst.de

Kunst
12 / 2015

Weltsicht aus dem Keller

Von: Honke Rambow


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