Morbider Name, blumiges Stück: Jan Fabres »Preparatio Mortis« auf dem Asphalt-Festival. Foto: Achille Lepera

»KLANGART« im Skulpturenpark Waldfrieden. Foto: C. Krauskopf

BLUMIGES, KLINGENDES UND NICHTS

Im Juli und August lassen viele Kulturinstitutionen die Jalousien runter. Chance für alternative Veranstalter, ihre hochzuziehen. K.WEST stellt drei Festivals vor, die ungewöhnliche Künstler an ungewöhnlichen Orten präsentieren.

 

ASPHALT FESTIVAL DÜSSELDORF


Vielleicht hat Düsseldorf doch mehr Untergrund, als man denkt. Den Eindruck konnte man Ende Mai gewinnen. Da feierte die Ausstellung »Another Place / Another Space / Together« Eröffnung. Die Werkschau der Düsseldorfer Off-Kunst-Szene war erst spät ins Programm der Quadriennale gerückt. Im Nachhinein war sie womöglich das Highlights des Kunst-Marathons. Man rieb sich die Augen an diesem Abend: eine von Künstlern und Underground-Galerien selbst organisierte, halb-anarchische Schau in einem leerstehenden Baumarkt (plus Tiefgarage) lockte die Kunst-Fans gleich massenweise an. Anwohner, Künstler und Kulturamt zogen an einem Strang, das Ordnungsamt drückte ein Auge zu – fertig war der Beweis, dass ›von unten‹ organisierte Ausstellungen abseits etablierter Institutionen in Düsseldorf bestens funktionieren können.

Ungewöhnliche Orte sucht auch das Asphalt Festival auf – nur geht es hier weniger um bildende Kunst. Die Macher stammen aus der freien Theaterszene der Stadt. Eingeladen haben sie Kollegen aus ganz Deutschland sowie ein paar internationale Gäste. (Experimentelles) Theater trifft beim Asphalt Festival auf Tanz, Performance, Musik und Nightlife. Normale Bühnen werden kaum bespielt; das Festival will »außergewöhnliche Räume öffnen«. Das Angebot reicht vom Büdchen an der Ecke bis zur Panorama-Etage einer Unternehmensberatung. Hinzu kommen – u.a. – eine alte Großbäckerei und eine frühere Farbfabrik. Als Festival-Hauptquartier fungiert das »Weltkunstzimmer«, eine Art Allzweckkomplex für Underground-Kunst und -Kultur im (für Düsseldorfer Verhältnisse) wilden Lierenfeld.

Dem Untergrund-Charakter zum Trotz, hat das Asphalt Festival durchaus ein paar große Namen zu bieten. So stellt der belgische Star-Choreograf Jan Fabre in den Alten Farbwerken sein Stück »Preparatio Mortis« vor. Hauptdarsteller: eine Tänzerin, 5000 Schnittblumen und 150 lebende Schmetterlinge. Im Weltkunstzimmer tritt wiederum die Gewinnerin des deutschen Weltmusikpreises, Mariana Sadovska, auf. Sie verbindet traditionelle osteuropäische Musik mit Avantgarde-Elementen. Der gewagte Mix hat ihr den Beinamen »ukrainische Björk« eingebracht.

Ungewöhnlich geht es auch bei der Performance des Textzirkus Dresden zu. Das Schauspiel-Ensemble bringt Goethes »Faust« pantomimisch auf die Bühne – u.a. mit Tanz und Musik, aber ganz ohne Worte. Musikalisch angereichert ist auch die Lesung der Schauspielerinnen Viola Pobitschka und Friederike Linke. Sie tragen Ausschnitte aus den Kurzgeschichten von Nobelpreisträgerin Alice Munro szenisch vor. Begleitet werden sie dabei vom israelischen Jazz-Pianisten und Wahl-Düsseldorfer Omer Klein.

In Düsseldorf sind auch »Sonny Wenzel & Freunde« zuhause. Ein Teil ihrer Texte dreht sich denn auch um die eigene Heimat. Da ist es nur passend, dass das Autorenkollektiv seine Poesie und Prosa vor beeindruckendem Stadtpanorama vorträgt – nämlich im 23. Stock des Hochhauses GAP 15 am Graf-Adolf-Platz. Musik fehlt auch bei diesem Auftritt nicht. Ein New Yorker Streichquartett liefert den Soundtrack zur Lesung. | JUK

 

»KLANGART2014« IN WUPPERTAL

Es ist diese ganz besondere Atmosphäre, das Nebeneinander von Natur und Kunst, die den Skulpturenpark Waldfrieden in Wuppertal so unverwechselbar macht. Zwischen den alten Bäumen des – vor kurzem erweiterten – Parks haben großformatige Skulpturen von Tony Cragg ihren Platz gefunden; ein lichtes Ausstellungshaus bietet Raum für die regelmäßigen Wechselausstellungen. Seit sechs Jahren wird der Skulpturenpark im Sommer beim »KLANGART«-Festival mit einer Mischung aus Jazz, Weltmusik und frei improvisierter Musik bespielt. Nicht nur das Publikum, sondern auch die Musiker, wie die Cellistin Anja Lechner, sind angetan: »Wir Musiker wünschen uns einen Raum, in dem unsere Töne schweben können, zum Zuhörer hin und zu uns zurück. Ein Raum aber, in dem die Musik von sich wandelndem Licht, von Bäumen wie Skulpturen und Skulpturen wie Bäumen reflektiert wird, existierte bislang nur in unseren Träumen. Jetzt wissen wir, dass es ihn wirklich gibt: im Glaskubus des Skulpturenparks in Wuppertal. Es war für mich unglaublich inspirierend, an diesem Ort zu spielen.«

In diesem Jahr ist das Dave Holland Quartett mit dem Bandprojekt »Prism« dabei (19. Juli) – der Bassist und Komponist Dave Holland war bereits an Miles Davis’ Alben »In a Silent Way« und »Bitches’ Brew« beteiligt. Am 20. Juli bringt das Adam Bałdych Quartett mit »Imaginary« das seltene Genre des Geigen-Jazz in den Park; am 9. August spielen Bassekou Kouyate und seine Band »Ngoni Ba« traditionelle, aber neu arrangierte Songs der Bambara aus Segou (Mali). Das Markus Stockhausen Sextett lädt am 10. August zu einer »Eternal Voyage« – sechs Freunde aus verschiedenen Kulturkreisen schaffen ihre ganz persönliche Art der Weltmusik, schlagen Brücken zwischen Ost und West, und improvisieren den größten Teil des Konzertes. Alle Konzerte finden unter freiem Himmel statt, bei ungemütlicher Witterung zieht man in den Ausstellungskubus um. | VKB

 

»SPIRITUELLER SOMMER« IN DER REGION SÜDWESTFALEN

Im letzten Jahr war die Region Südwestfalen – die den Ennepe-Ruhr-Kreis, den Kreis Olpe, die Stadt Hagen, den märkischen Kreis, den Kreis Soest, den Kreis Siegen-Wittgenstein und den Hochsauerlandkreis umfasst – Austragungs- und Spielort der »Regionale 2013«. In diesem Jahr zeigt sich die Region von ihrer spirituellen Seite – die Besucher sollen die kraftvollen und besonderen Orte entdecken, durch die Natur streifen und Kultur, Stille und Entschleunigung entdecken. Das Regionale-Projekt »Wege zum Leben. In Südwestfalen« präsentiert den »Spirituellen Sommer« in Zusammen mit Akteuren aus Tourismus, Kultur, Kirchen und muslimischen Gemeinschaften. Angeboten werden eine Vielzahl von Veranstaltungen wie Meditationen, Yoga, Kirchenführungen, Pilgerwanderungen, Konzerte, Ausstellungen und Gottesdienste.

In diesem Rahmen steht auch eine »Literarisch-musikalische Reihe« auf dem Programm. Am 18. Juli präsentiert Kathy Kelly (Kelly Family) ihr Konzert »Ein Leben« im Lichtwerk Schmallenberg – eine musikalische Reise, die die »klassische Seite« der Künstlerin hervorhebt. Die Performance-Gruppen »DeeWa« und »EMU« zeigen in der Balver Höhle eine Annäherung an das »Nichts« und experimentieren mit Tönen, Texten und Bewegungen (21. August). Der Bassist Renaud Garcia-Fons gastiert mit seinem Programm »tout seul« in der Ev. Christuskirche Meschede (30. August); einer »imaginäre Reise durch Zeit und Raum«, die vom Flamenco ebenso beeinflusst wird wie durch Musik aus dem Orient und dem Mittelmeerraum. Ebenfalls am 30. August liest Schauspielerin Martina Gedeck aus Marleen Haushofers Roman »Die Wand« (Gebr. Busch Theater, Hilchenbach-Dahlbruch), in dessen Verfilmung sie bereits die Hauptfigur verkörperte. | VKB

 

Asphalt Festival, 8. bis 17. August 2014, Düsseldorf. www.asphalt-festival.de

KLANGART 2014, 19. Juli bis 10. August 2014, Wuppertal. Ticket-Hotline: 0180. 6050400. www.skulpturenpark-waldfrieden.de/klangart

Spiritueller Sommer 2014, bis 7. September 2014. www.wege-zum-leben.com + www.kulturregion-swf.de

Musik
07 / 2014

BLUMIGES, KLINGENDES UND NICHTS


Was? Wann? Wo?Alle wichtigen Kultur-Termine in NRW auf einen Blick: