Wenn der Vater Prégardien mit dem Sohne Prégardien. Foto: Hans Moren

»Frisch gesungen«

Der Tenor Christoph Prégardien musiziert für einen seiner beiden Schubert-Abende in Duisburg mit seinem Sohn Julian.

Text Guido Fischer

Deutsche romantische Lieder gehen immer. Selbst auf dem knallvollen CD-Markt. Doch als vor zwei Jahren wieder eine CD erschien, auf der die üblichen Ohrwürmer wie Schuberts »Erlkönig« und Silchers »Loreley« angekündigt wurden, überraschte das Ergebnis. Auf dem Cover waren Christoph und Julian Prégardien zu sehen. Vater und Sohn, beide im lyrischen Meistertenorfach zuhause. Statt sich jedoch, wie erwartet, bei dem Liederreigen abzuwechseln, präsentierten sie die berühmten Solo-Lieder zusammen, in zweistimmigen Fassungen.

Bereits ab den ersten Noten des wunderschönen »Frisch gesungen« erweisen sich die Stimmen der Prégardiens – allein vom Timbre – als derart deckungsgleich, dass man keinen Unterschied heraushört. Wie sie auf einem Atemzug das Wehmütige und das Volkstümliche in großen melodischen Bögen und weit geschwungenen Legati dahinfließen lassen, ist Liedgesang in Reinform. Gerade für Christoph Prégardien war diese Art der Beschäftigung mit einer ihm so vertrauten Epoche und Gattung Neuland.

Obschon der knapp 60-Jährige seit einem Vierteljahrhundert, seit seinem Lied-CD-Debüt mit Schuberts »Schöne Müllerin« zu den Koryphäen im Sologesang gehört. Dass er selbst Schuberts »Winterreise« mit ihren todessehnsüchtigen Klangfarben immer und immer neu zu erzählen versteht, beweist er auf seiner jüngsten Einspielung des Zyklus, die er 2013 mit dem Pianisten Michael Gees vorlegte. Seine Begeisterung für das Kunstlied konnte Prégardien an seinen Sohn vererben, der Ende Januar in Oldenburg die »Winterreise« gesungen hat, ebenfalls mit Michael Gees am Klavier.

Überhaupt lassen sich in den Biografien der gebürtigen Hessen Gemeinsamkeiten entdecken. Fast gleichaltrig, mit Mitte Zwanzig, begann ihre Opernlaufbahn in Frankfurt: Christoph im Jahr 1983 und Julian 2009. Vom Vater bekam Julian auch den riesigen musikalischen Appetit, der von der Barockmusik in der historischen Aufführungspraxis bis zum 20. Jahrhundert reicht. Frappante Stimmenverwandtschaft, dazu ein facettenreiches Repertoire, bei dem das Zentrum dann doch auf dem Lied liegt: Enger können künstlerische Familienbande nicht ausfallen.

Für das Glück, gemeinsam auf dem Podium zu stehen, übernimmt Christoph Prégardien häufig auch den Part des Dirigenten, etwa wenn Julian Bachs »Matthäuspassion« singt. Seit 2008 erarbeiten sie spezielle Vokal-Projekte, mit denen sie auf Tournee oder – wie bei den Schubert & Co.-Duetten – direkt ins Aufnahmestudio gehen. Das Programm, das an die im 19. Jahrhundert geselligen Liedertafeln und Schubertiaden anknüpft, ist jetzt live zu erleben. Bevor Christoph Prégardien sich für die »Winterreise« in Duisburg  mit dem Pianisten Hartmut Höll verbündet, der schon mit Dietrich Fischer-Dieskau arbeitete, feiert er ein Schubert-Fest im Kreis der Familie. Neben Julian ist auch Mutter Samira Prégardien an der Klarinette zu hören. Und aus Prégardiens Heimatstadt Limburg reist für Ensemblelieder wie »Ständchen« und »Nachthelle« extra ein Männerchor an.

Schubert u.a., Lieder und Ensemble-Gesänge: Christoph Prégardien, Julian Prégardien, Michael Gees, Camerata Musica Limburg, Hornisten der Duisburger Philharmoniker u.a.: 20. Februar 2016, Theater am Marientor, Duisburg. 

Schuberts »Winterreise«: Christoph Prégardien, Hartmut Höll (Klavier) am 21. Februar, Theater am Marientor.

Musik
02 / 2016

»Frisch gesungen«


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