Ton Koopman. Foto: Eddy Posthumade Boer

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Der Alte Musik-Dirigent Ton Koopman konzertiert mit geistlichen Werken von Bach und Mozart.

 

TEXT: GUIDO FISCHER

Es ist vollbracht. Punktgenauer hätte Ton Koopman sein enormes Langzeitprojekt nicht abschließen können. Im Oktober komplettierte der Dirigent, Organist, Cembalist, Orchestergründer, Essayist und Musikwissenschaftler zu seinem 70. Geburtstag mit noch fehlenden Kantaten und Arien die Werkschau von Dietrich Buxtehude. Koopman hat den in Lübeck wirkenden Barockmeister aus dem Schatten seines übergroßen Bewunderers Bach geholt. Mit dem auf 30 CDs dokumentierten Vokal- und Instrumentalschaffen gelingt es dem fleißigen Niederländer, das hartnäckige Image vom Kleinmeister Buxtehude zu korrigieren.

Die diskografische Buxtehude-Reise war mit viel Forschungsarbeit und Quellenstudium verbunden. Wie bereits bei Koopmans erstem Aufnahmecoup mit sämtlichen Bach-Kantaten musste er zudem, trotz Sponsoren, an seine Privatschatulle und sogar eine Hypothek auf sein Haus aufnehmen, um den ganzen Buxtehude zu finanzieren. Sogar für namhafteste Musiker sind die goldenen Zeiten vorbei, da Schallplattenlabels verlässliche Partner mit reichlich Geduld und Budget waren.

Koopman weiß das aus eigener Erfahrung. Als Anfang des dritten Jahrtausends seine 1994 begonnene, mit Schallplattenpreisen überhäufte Bach-Kantaten-Einspielung kurz vor dem Finale stand, kündigte die Plattenfirma den Vertrag. Der Mann der Tat gründete kurzerhand sein eigenes Label. Auf »Antoine Marchand« (der Label-Titel ist die französische Übersetzung seines Namens) erschienen so die letzten der insgesamt 67 Bach-Kantaten-CDs. 2007 startete dann der Buxtehude-Marathon.

Sieben Jahre später ist der Alte Musik-Pionier zufrieden, trotz aller Unwägbarkeiten im absatzschwachen Klassikbetrieb durchgehalten zu haben. Er wird es sich noch nicht bequem machen. Mit seinem 1979 gegründeten Amsterdam Baroque Orchestra (ABO) will er weiterhin Barock-Trouvaillen ausgraben. Darüber hinaus widmet er sich dem Orgelspiel – die einzige sportliche Bestätigung neben seinen Gastdirigaten bei Spitzenorchestern in Berlin, Amsterdam und New York.

Im Gegensatz zu den Kollegen Nikolaus Harnoncourt, John Eliot Gardiner und Philippe Herreweghe, die inzwischen auch die Spätromantik dirigieren, setzt sich Ton Koopman Grenzen. Er will nur machen, was er wirklich kann. Dazu zählt Beethoven nur in Ausnahmefällen. Bei einer Schumann-Symphonie fühlte er sich wie einem »exotischen Land«. Dafür beschäftigt er sich seit langem mit Mozart, hat dessen späte Symphonien, Bläserkonzerte und das Requiem aufgenommen, das neben der berühmten Motette »Ave verum corpus« und der Krönungsmesse auf dem Kölner Konzertprogramm steht. Unter den Sängern ist mit Klaus Mertens einer der besten Alte Musik-Bässe überhaupt zu hören. Mit dem gebürtigen Klever verbindet Koopman eine enge Künstlerfreundschaft. Mertens war bei Koopmans legendärem Bach-Kantaten-Zyklus und im 1996 eingespielten Weihnachtsoratorium dabei. Bei diesem Gipfelwerk bzw. bei vier ausgewählten Kantaten werden sich beide im Dezember treffen.

Konzerte mit Ton Koopman und dem Amsterdam Baroque Orchestra & Choir: Mozarts Requiem u.a. am 23. November 2014, Philharmonie Köln; Bachs Weihnachtsoratorium am 17. Dezember 2014, Tonhalle Düsseldorf

 

Musik
10 / 2014

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