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Im Kino: »Rebellinnen«

Unser Filmstart der Woche: Cécile de France ist eine von drei »Rebellinnen«.

Eher Nixe als Fischweib – so wie die Rückkehrerin und ehemalige Miss-Nord-Pas-de-Calais nach 15 Jahren wieder in ihrer Heimatstadt aufkreuzt: der Lippenstift dick aufgetragen, die Haare wild geföhnt, die Fingernägel zu lang und viel zu viel Make-up und Vergangenheit im Gesicht. An der Côte d’Azur ist es nicht gut gelaufen für Sandra (Cécile de France). Ohne Ausbildung bleibt ihr nur das Fließband in der Fischfabrik La Belle Mer. Sehr zum Spott ihrer früheren Mitschülerinnen, die die »Prinzessin« nicht leiden konnten. Anders als die Kerle. Wie der Vorarbeiter Jean-Mi, der einen Korb nicht hinnehmen will. Als er zudringlich wird und die Hosen runterlässt, knallt Sandra die Tür des Umkleide-Spinds zu und der empfindlichste Teil des Mannes wird gekappt. Schmerz-taumelnd stürzt er von der Treppe, schlägt am Boden auf und liegt tot da. In seiner Tasche finden die herbe Sandra und ihre Kolleginnen, die vom Alltag gebeutelte Nadine (Yolande Moreau) und die alleinerziehende Marilyn (Audrey Lamy), bündelweise Geldscheine. Jean-Mi hat als Drogenkurier und Kokain-Schmuggler nebenbei verdient. »Die Rebellinnen« beschließen, das Geld zu behalten und die Leiche verschwinden zu lassen. Was liegt näher, als ihn portionsweise zu verpacken. Makrele, Thunfisch oder ein nicht mehr ganzer Mann, was macht den Unterschied? 520 Dosen in der Summe. Die aber landen unerwartet zum Verzehr in der Gratis-Tafel für Bedürftige und müssen weg.

Allan Mauduits Debüt ist eine schwarze Komödie aus dem anarchischen Geist von Thelma & Louise, in der beiderlei Geschlecht rabiat zuschlägt, Kugeln fliegen und einiges Blut fließt. Frauen, die wenig zu sagen und zu lachen haben und sich die Freiheit nehmen, ein Gangster, der auch Vater und ein anständiger Charakter ist, ein smarter Polizeileutnant, der keine reine Weste hat, und sattsam männliche Dummheit. Das knallige Genre verträgt sich erstaunlich gut mit einem nicht wenig genauen Porträt sozialer Unterprivilegierter, die zwar nicht Didier Eribon und Edouard Louis lesen, aber gelbe Westen tragen könnten. Und dazu erklingt an passender Stelle Lee Hazlewoods & Nancy Sinatras berühmter Song »Bang Bang«, gesungen von Parabellum.

»Rebellinnen«, Regie: Allan Mauduit, F 2019, 87 Min., Start 11. Juli 2019

 

Film
07 / 2019

Im Kino: »Rebellinnen«

Von: Andreas Wilink


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