Der Doktor und sein Chauffeur (Mahershala Ali, Viggo Mortensen): Foto: eOne / Fox

Neu im Kino: »Green Book«

Peter Farrelly zeigt Amerikas Farben-Lehre als Buddy-Movie: »Green Book«.    

1964 im amerikanischen Süden, Jessup County. Es gab einen mehrfachen Lynchmord. Zwei weiße FBI-Ermittler reisen an, um Schweigen, Lügen und die weiße Killer- und Ku-Klux-Klan-Mentalität zu brechen und zu ahnden. Alan Parker Film »Mississippi Burning« (1988) ist ein flammender Aufruf, sich der Rassenfrage zu stellen. Die USA in den frühen Siebzigern: In Spike Lees »BlacKkKlansMan« (2018) bewirbt sich ein Afroamerikaner beim FBI und wird dort, trotz Diskriminierung, als Undercover-Agent eine kriminelle Gruppe des rassistischen Klans ausheben. Der Film ist ein grandios polemisches, offensives Pamphlet gegen das neue alte Trump-Amerika. 

1962. Es ist nützlich, Victor Hugo Greens Reiseführer aus den dreißiger Jahren dabei zu haben, will man als Afroamerikaner durch die USA reisen, zumal in den Südstaaten. Gelistet sind Hotels, Gasthäuser, Bars, Ärzte, Tankstellen, die Schwarze bedienen und versorgen. Praktische (Über-)Lebenshilfe. Peter Farrellys »Green Book« gilt als Favorit bei den Oscars, nachdem er mit drei Golden Globes ausgezeichnet wurde. Kein schwer wiegendes Drama, sondern eine Variation des Genres Buddy-Movie, das sich durch die französischen »Ziemlich beste Freunde« wieder erholt hat. 

Die Freunde sind der blasierte Afroamerikaner Don Shirley, ein exzellenter Pianist, und sein italo-amerikanischer Fahrer, der ihn bei seiner Tournee chauffiert. Tony Lip bringt seinen Boss, dessen kultivierter Snobismus auch Anteile des Schwarzseins in sich verleugnet und zur Selbsttechnik ausgebildet hat, von Beethoven ab. Umgekehrt erhält Tony Lektionen in Benimm und Poesie. Tony Lip (Viggo Mortensen) ist so, wie sein Name verrät: Türsteher, Gelegenheitsjobber ohne Fortune, schlicht und nicht der besten Kinderstube entwachsen. Der »Öffentlichkeitsarbeiter« schlägt zu, bevor er denkt. Als ihren Baedeker haben sie das Green Book dabei.

Die extremen Klassenunterschiede und deren scharf voneinander abgesetzte Repräsentanz durch den Doktor der Musik (Mahershala Ali promoviert ihn exzellent zum Eddie Murphy mit Frack-Feeling) und den Junkfood-Verzehrer Tony sind reine Schwarzweißmalerei und die Konflikte des Alltags, in denen sie sich bewähren und dabei zueinander finden, vorprogrammiert. Manchmal gelingt dem Film smarte, lakonische Coolness, manchmal gehen einem sein Menscheln und die Kalendersprüche auf den Geist. Es lässt sich darüber streiten, ob es der Sache dient, wenn Hollywood den Rassenkonflikt nun auslebt, als ob Filme wie der von Spike Lee nicht mehr nötig wären. 

»Green Book«, Regie: Peter Farrelly, USA 2019, 130 Min., Start: 31. Januar 

Film
02 / 2019

Neu im Kino: »Green Book«

Von: Andreas Wilink


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