Christian Bale als Dick Cheney. Foto: Universum / DCM

Im Kino: »Vice«

Oscarverdächtig: Adam McKays brillante Film-Biografie über »Vice« Dick Cheney mit Christian Bale in der Hauptrolle.

»Wie ein Gespenst« agierte er, heißt es über den weitgehend Unbekannten aus Wyoming, der aus der zweiten Reihe heraus eine so beeindruckende wie gefährliche Machtfülle erreichte. Was davon zu halten sei, daraus macht Adam McKay keinen Hehl, etwa indem er einen kritischen Erzähler namens Kurt mittels Voice-Over über sein Biopic legt, das den Schattenmann Dick Cheney ins Dämonische changieren lässt. Die satirisch geschärfte, polemische Montage des semidokumentarisch inszenierten »Vice« mit einem überragenden Christian Bale ist subjektiv wie die Filme des gewitzt rabiaten Polit-Clowns Michael Moore. Da wird der Krieg in Vietnam und Kambodscha, werden die brennenden Twin Towers, werden Waterboarding und Shakespeares »Macbeth« mit jazzigem Sound, Cheneys Grinsen und männerbündischen Zirkeln kurzgeschlossen, dass es nur so zuckt und blitzt. 

Strategisch, loyal, ehrgeizig

Dick Cheney ist ein Mann für jede Jahreszeit, und wenn es mal schlecht lief (in der Ära des Demokraten Jimmy Carter), parkte er im Privaten, um dann wieder da zu sein. Er übersteht seine wilden Jahre als Taugenichts und trinkfester Student, der von der Elite-Uni Yale flog, bis seine Frau Lynne (Amy Adams) ihn an die Kandare nahm und er ein brillantes Juraexamen ablegte, um in Washingtons Kongress initiiert zu werden. Übersteht auch den Sturz Nixons und das Schwinden von Kissingers Einfluss. Protegiert vom kalten Krieger Donald Rumsfeld, strategisch operierend, loyal, ehrgeizig, wird Cheney jüngster Stabschef im Weißen Haus unter Gerald Ford, führt die Konservative Revolution mit an, avanciert zum Verteidigungsminister unter Reagan, zum Vize-Präsidenten unter George W. Bush, überzieht das Oval Office mit seinem Netzwerk, nutzt Angst und Verwirrung Amerikas nach dem Anschlag von Nine Eleven, lenkt die Vergeltung sowie den zweiten Irak-Krieg, beschneidet bürgerliche Rechte und verwöhnt das Establishment. Ein unscheinbarer dunkler Yedi-Ritter, der die Parole »Möge die Macht mir dir sein« dem eigenen Spiegelbild zuruft.  

»Vice«, Regie: Adam McKay, USA 2018, 130 Min.

Film
02 / 2019

Im Kino: »Vice«


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