Mönchengladbach hui, Krefeld pfui

Museums- und Sammlungspolitik in zwei Städten

K.WEST DEZEMBER 2007 KUNST

Zwiespältiger hätte die erste Novemberwoche für die Kunst am Niederrhein nicht beginnen können: Am Sonntag wurde das Museum Abteiberg in Mönchengladbach nach vierzehnmonatiger Generalsanierung wiedereröffnet, am Montag wurde in Krefeld bekannt, dass aus dem Kaiser Wilhelm Museum die Sammlung Lauffs, die es seit fast vierzig Jahren betreut, aufbaut und zeigt, abgezogen wird. Die Nachbarstädte, mit Vereinigten Bühnen seit 1950 verbunden, steuern mit ihren kulturellen Flaggschiffen in diametrale Richtungen: Mönchengladbach findet mit vollen Segeln zurück auf Kurs, Krefeld takelt ab und manövriert sich in seichte Gewässer. »Seit längerer Zeit befindet sich das Kaiser Wilhelm Museum in einem Modernisierungsstau «, erklärte der Anwalt der Sammlerfamilie: »Der technische Standard ist so unzureichend, dass die Kunstwerke Schaden nehmen könnten. « Auch wenn das nicht der alleinige Grund sein dürfte, so ist er doch zutreffend und schwerwiegend. Die Stadt hat es versäumt, ihr Museum funktionstüchtig und konkurrenzfähig zu halten: Erst musste sie es, im Sommer 2006, schließen, weil die Hitze in der oberen Etage die Bilder gefährdete, dann blamierte sie sich mit dem Vorhaben, für die dringende Instandsetzung des Hauses ein Hauptwerk von Claude Monet zu veräußern, und schließlich kam es im Rat zum Streit über die Finanzierung, die fast zum Bruch der schwarz-gelben Koalition führte: Die FDP bestand auf einem Deckel von zehn Millionen, so dass eine Deckungslücke von 1,7 Millionen Euro entstand, und wegen dieses Betrags lässt sich die Stadt nun eine Sammlung, die auf vierhundert Millionen Euro geschätzt wird, durch die Lappen gehen. Kleinkarierter, kurzsichtiger kann kommunale Kulturpolitik kaum sein.

Um mehrere Exponate in dem Raum von Joseph Beuys, dem einzigen in Nordrhein-Westfalen, den dieser selbst eingerichtet hat, droht allerdings eine Auseinandersetzung, die vor Gericht enden könnte. Denn hier hat der Künstler frühe und späte Werke, aus städtischem und privatem Besitz zu einer Installation verknüpft, die, so sind sich Kunsthistoriker und Urheberrechtler einig, nicht auseinander gerissen werden sollte.

Den Verlust eines Hauptwerks von Joseph Beuys, der monumentalen Wärmeskulptur »Unschlitt/ Tallow«, die mit der Sammlung Marx in den Hamburger Bahnhof nach Berlin verbracht wurde, hat Mönchengladbach schon 1996 verkraften müssen. Doch der »Filzanzug« des Schamanen begrüßt nun den Besucher im neu konzipierten Museum Abteiberg, und das »Revolutionsklavier « besetzt einen privilegierten Platz mit Aussicht in den Park. Insgesamt kann sich die Sammlung, die mit ihren (oft sehr frühen) Ankaufsdaten auch die Spürnase von Gründungsdirektor Johannes Cladders würdigt, in der spannenden Neuinszenierung von Susanne Titz eindrucksvoll behaupten. Der Bau von Hans Hollein, der 1982 eröffnet und über Jahre hinweg vernachlässigt wurde, so dass mehrere Räume wegen Feuchtigkeitsschäden geschlossen werden mussten, zeigt nach Investitionen von fast fünf Millionen Euro keine Abnutzungserscheinungen mehr: Seine Architektur der Collage, die der Kunst nicht nur dienen, sondern sie neu erlebbar machen möchte, markiert den Anfang des Museumsbooms, der 1997 in Bilbao seinen fragwürdigen Kulminationspunkt erreichte.

Damit wird Krefeld, wo nun erst 2009 mit der Sanierung des Hauses begonnen wird, nicht so schnell gleichziehen können. Hier geht eine private-public-partnership zu Ende, wie sie, im turbulenten Jahr 1968 mit der Männerfreundschaft zwischen dem Museumsdirektor Paul Wember und dem Bad Honnefer Fabrikanten Walther Lauffs begründet, in der mäzenatischen Landschaft selten geworden ist. //

Kulturpolitik
12 / 2007

Mönchengladbach hui, Krefeld pfui

Von: Andreas Rossmann


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