Foto: Patrick Temme

Edwin Jacobs will Kunst teilen

Edwin Jacobs verlässt Dortmund, um die Kunstakademien Maastricht zu leiten. Zuvor hatte er kultur.west noch eine ungewöhnliche Idee präsentiert.

»Ich glaube, dass wir das Thema Sammeln ganz neu denken müssen: Wir sind als Museumsmenschen zwar Bewahrer von Kulturschätzen. Aber in der Regel zeigen wir aus unseren Beständen nie mehr als fünf Prozent – der Rest liegt in den Depots. Daher sollten wir zwei Dinge ändern: Wir sollten großzügiger Werke verleihen – auch an kleinere Museen. Und wir sollten natürlich weiterhin sammeln, aber in der Gemeinschaft. Statt uns bei Sothebys oder Christie’s gegenseitig aufzubieten, wäre es sinnvoller, sich zusammenzutun und sich abzustimmen, wo welches Haus noch Lücken hat. Schließlich geht es am Ende immer darum, bedeutende Werke für die öffentliche Hand zu sichern. So habe ich 2009 als damaliger Direktor des Centraal Museum in Utrecht mit dem Stedelijk Museum in Amsterdam einen Kinderstuhl von Gerrit Rietveld angekauft. Ein einzigartiges Objekt, ein Prototyp. Für mein Haus war der Stuhl wichtig, weil es die größte Rietveld-Sammlung der Welt besitzt. Das Stedelijk Museum wiederum hat die größte Design-Sammlungen der Niederlande. Während also das Stedelijk den Rietveld-Stuhl in einen viel größeren Kontext einordnen konnte, wurde er bei uns im Kontext seines Schaffens gezeigt. Er passte also gut in beide Häuser. Für jedes einzelne Haus wäre der Stuhl zu teuer gewesen. Gemeinsam haben wir es dann aber geschafft. Und dazu einen entsprechenden Vertrag aufgesetzt: Nun wird der Stuhl jeweils sechs Monate in Utrecht, dann in Amsterdam gezeigt. Geteilt werden außerdem die Kosten, etwa für Transporte oder Restaurierungen. Daraus ist in den Niederlanden inzwischen ein Modell geworden, das beispielsweise auch die Mondriaan Foundation übernommen hat. Sie sucht gezielt Ankaufspartner im ganzen Land. Wir haben das später noch mit einem Werk von Marcel Breuer praktiziert, mein Nachfolger dann mit einem Film von Fiona Tan. Ähnliches könnte ich mir nun auch für das Dortmunder U vorstellen. Ein Werk von Yoko Ono würde sehr gut in unsere Sammlung passen – nur bräuchte es dafür noch den richtigen Partner.«

Der Niederländer Edwin Jacobs, Jahrgang 1960, leitet seit 2017 das Dortmunder U und war zuvor Generaldirektor des Centraal Museum in Utrecht.

Wie sollten wir in Zukunft leben, ausstellen, wohnen und arbeiten? Interessante Ideen, die NRW ein kleines bisschen verändern, gibt's in unserem März-Heft zum Thema "Dream Big!"

Kulturpolitik
04 / 2019

Edwin Jacobs will Kunst teilen

Von: Annika Wind


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