Max, Bernd und Hilla Becher, Le Havre 1970 © Bernd und Hilla Becher / courtesy Schirmer/Mosel

Blick zurück – Hilla Becher

Zitate erinnern an die verstorbene Fotokünstlerin

Redaktion Andrej Klahn, Andreas Wilink

Für Bernd war es eine Kindheitserinnerung. Er hat seine Kindheit noch mal betrachten wollen.

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Wir haben nichts anderes gemacht, als die Fotografie des 19. Jahrhunderts wieder aufzunehmen. Zu der Zeit, als wir das taten, war es sehr altmodisch.

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Ich wollte ein Objekt fotografieren, dem ich nicht hinterherrennen musste.

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Für das Fotografieren der großen Anlagen brauchte man eine Erlaubnis. Dafür war das Verständnis am Anfang nicht da. Da schlug uns eine Feindseligkeit entgegen.

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Bernd hat sein Leben lang über die Technik geflucht. Für ihn war das nur Mittel zum Zweck.  Bei mir war es anders herum. Ich habe die Fotografie als Medium geliebt, für mich kam nichts anderes in Frage.

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 Kaum jemand hat sich dafür interessiert. Es war visuell totales Niemandsland. Wir hatten sehr lange Zeit keine besondere Resonanz, waren auf uns selbst gestellt und konnten uns nur gegenseitig trösten.

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Die Frage, ist das Kunst oder ist das nicht Kunst, stellt man sich selbst nicht. Wir haben uns die Aufgabe gestellt, diese Bauten zu fotografieren, auf eine handwerklich perfekte Art und so, dass es bildmäßig verdaubar ist.

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Ein Hochofen hat keinen Anspruch auf Design, nicht den Anspruch, schön zu sein. Obwohl es tolle, verrückte Formen gibt. Schön ist er dennoch, weil er funktioniert. Den hat kein Künstler, sondern ein Klempner ausgetüftelt.

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Als wir die ersten drei Objekte mit gleicher Funktion nebeneinandergelegt hatten, fand ich, unsere Arbeit sei ein bisschen vergleichbar mit der von Naturwissenschaftlern, die ihre Käfer oder Schmetterlinge systematisch ordnen.

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Die Zufallsfotografie habe ich nie gemocht. Wir sind absolut sentimental gewesen. Aber man muss aufpassen, dass es bei der Arbeit nicht durchscheint. Man darf keine Stimmung machen.

Hilla Becher

am 2. September 1934 in Potsdam geboren, am 10. Oktober 2015 in Düsseldorf gestorben.  u.a. Gewinnerin des Goldenen Löwen von Venedig, des Erasmuspreises Amsterdam, Trägerin des Goslarer Kaiserrings sowie des Staatspreises des Landes Nordrhein-Westfalen.

Das Werk von Bernd und Hilla Becher erscheint im Verlag Schirmer/Mosel, München. 15 Buch-Titel sind erhältlich, darunter Bände mit: Grundformen und Typologien, Minen, Farmhäusern, Gasbehältern, Getreidesilos, Hochöfen, Kühltürmen, Steinwerken & Kalköfen, Wassertürmen, Industrielandschaften und Zechen.

 

Kunst
11 / 2015

Blick zurück – Hilla Becher

Von: Andrej Klahn, Andreas Wilink


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