Blinky Palermo, Ernst Hermanns. Foto: Museum DKM

Die stille Schönheit des Mäzens

In Duisburg hat das private Museum DKM eröffnet

//   Im durchzivilisierten Kunstmarkt verkörpert nicht mehr der Künstler, sondern der Sammler das Wilde. Sein Genie ist das Geld. Er schlägt Wunden, wo er Leihgaben abzieht und damit öffentliche Museen deklassiert. Er spendet Segen, wo er unerschwingliche Werke stiftet oder seiner Kollektion gar ein Haus baut, eine ganze Stadt bereichernd. So geschehen vor zehn Jahren in Duisburg, als der Bauunternehmer Hans Grothe einen Getreidespeicher im Innenhafen zum Museum Küppersmühle herrichtete. Sein Beispiel ist in Stadt und Branche Mode geworden. Denn wieder haben zwei Bauunternehmer und wieder in Duisburg ein Museum erbaut und präsentieren dort ihre Sammlung: Dirk Krämer, Klaus Maas und ihr DKM.

Der Name (aus den Anfangsbuchstaben der Stifter) ist am Ruhrort schon länger bekannt, bezeichnet eine kleine Galerie im Innenhafen. Teile der Sammlung der beiden Kunstliebhaber sind außerdem in Museen in Deutschland und der Schweiz vertreten. Seit wenigen Tagen aber meint DKM ein ganzes Museum, gelegen im zentralen Dell-Viertel, in Sichtweite des Lehmbruck-Museums. Doch bescheiden in einer Seitenstraße, in einer Reihe mit Wohnbauten aus den 50er, 60er Jahren. Und von außen einem Bürohaus ähnlicher sehend als einem Kunsttempel.

In der Tat ist das Gebäude der Umbau eines Elektrodiscount-Warenhauses, was die Kubatur vorgab. Nur ein niedriger, im Hof liegender Teil wurde neu errichtet. Innen aber wurden Wände versetzt und Decken durchbrochen, so dass vor allem im oberen Bereich hohe, helle Räume mit Oberlicht entstanden (Architekten Egli, Rohr Partner). Der Zugang erfolgt durch ein elegantes Café, hinter dem es ein Stockwerk hinab und vier hinauf geht – dann kann sich der Besucher in 50 Räumen und auf 2.600 Quadratmetern verlieren. Und in derzeit etwa 700 Werken und einigen 1.000 Jahren Kunstgeschichte. Denn die Wildheit des Sammlers besteht ja auch aus seiner Freiheit, abseits der gepflasterten Straßen der Trends, des Markts und kunsthistorischer Sicherheiten einkaufen zu gehen. Dies tun Maas und Krämer seit (im Falle des ersteren, älteren) 40 Jahren; dies tun sie, seit sie ein Paar sind, immer gemeinsam. Was sie lieben, ist außereuropäische Kunst der frühen Reiche: der Ferne Osten, Indien, Ägypten. So dass nun in Duisburg, betont Maas, so zahlreiche Kostbarkeiten des buddhistischen Gandhara-Stils (aus den ersten nachchristlichen Jahr- hunderten des afghanisch-pakistanischen Grenzgebiets) zu sehen sind wie sonst nur in Berlin. Was sie lieben, ist außerdem Konkrete Kunst, serielle Installation, stark reduzierte Gestik, zeichenhafte Plastik, meditativen Konstruktivismus, Hard Edge-Malerei. Kurz, all das, was konzentriert, leise, still ist. »Linien stiller Schönheit« heißt darum die Eröffnungsausstellung, die einen Großteil der Sammlung erstmals zusammen präsentiert. Ministerpräsident Jürgen Rüttgers, sein Kulturstaatssekretär sowie der Duisburger OB ließen es sich nicht nehmen, sie selbdritt zu eröffnen. Wenngleich – oder gerade weil – in das neue Haus, in die es tragende Stiftung, kein öffentlicher Euro geflossen ist und künftig fließen soll.

Die meisten der DKM-Räume – White Cubes zwischen 15 und 150 Quadratmetern Größe – sind einem oder zwei Künstlern gewidmet, bekannten wie weniger bekannten. Bisweilen ergeben sich reizvolle Berührungen zwischen den Werken verschiedener Provenienz, gewollt ist dies aber eher nicht, die Sammler empfinden Gegenüberstellungen eher als Konfrontation. Sie möchten »Ruheräume« schaffen. Doch der Blick aus einem Raum mit Ayutthaya-Figuren (Thailand, 15. Jahrhundert) hinaus in einen kleinen Skulpturengarten mit riesigen Tonkrügen von Jai-Young Park aus 2008 ist einer der aufregendsten Momente des Rundgangs. Ein Großraum mit wenigen konkreten Edelstahlstelen von Ernst Hermanns wirkt dagegen nicht sammelnd, sondern steril. Hier wie anderswo ist dies das Resultat der meist proportionsschwachen Räume, deren Manko ein Ausstellungsarchitekt sicher verringern könnte. – Ein Tröpfchen Wermut im Wein der Kunst, der ausgerechnet in einer der strukturschwächsten Städte des Landes nun sehr viel reichlicher fließt. Mögen alle Bauunternehmer in NRW Ähnliches tun!    //

Museum DKM, Güntherstr. 13–15, Duisburg-Mitte. Tel.: 0203/9355547-0. www.stiftung-dkm.de. Täglich geöffnet. Jährlich sind ein bis zwei Wechselausstellungen geplant.

Kunst
02 / 2009

Die stille Schönheit des Mäzens

Von: Ulrich Deuter


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