Art Fair 2011, Blick in die Messehallen. © Boris Breuer

DIE WOHLFÜHLMESSE

Zehn Jahre »Art Fair« in Köln. Ein Gespräch mit den Messegründern Andreas Lohaus und Walter Gehlen

 

INTERVIEW: STEFANIE STADEL

K.WEST: Die Art Fair feiert in diesem Jahr ihre zehnte Ausgabe. Zeit zurückzublicken: Sie waren 2003 mit einem klaren Vorsatz gestartet. Wollten aktuelle Kunst für Einsteiger bieten, sich damit auch von der Art Cologne absetzen. Die Werke auf der Art Fair sollten nicht teurer als 5.000 Euro sein. Sehr bald haben sie sich von diesem Limit verabschiedet. Warum? Haben sie heute ein anderes Publikum im Auge als anfangs?

GEHLEN: Ohne das Limit können wir freier auftreten. Aber trotzdem sind wir nach wie vor erpicht darauf, auch im unteren Preissegment viel zu bieten. Sie werden auf der Art Fair keinen Stand finden, der nur Arbeiten für sechsstellige Summen verkauft. Es wird immer Stücke geben, die erschwinglich sind. Das ist uns wichtig – dass man die Art Fair besucht und sich in jeder Ecke wohlfühlt. Dass es keine Schwellen gibt.

LOHAUS: Wir wollen jeden an seinem finanziellen Status abholen.

K.WEST: Es soll also für jeden etwas geben. Verwässert das nicht das Profil der Messe?

GEHLEN: Die Vorteile der Mischung liegen auf der Hand. Mit kostspieligen Werken etablierter Künstler locken wir große Sammler. Die kaufen dann zum Beispiel an einem Stand ein Bild von Gerhard Richter für 400.000 Euro und entdecken bei der jungen Galerie nebenan vielleicht eines von einem unbekannten Künstler, das sie für 3.000 oder 4.000 Euro mitnehmen.

LOHAUS: Genau das ist unser Profil: eine lebhafte Mischung aus etablierten und jungen Galerien, die im Übrigen sehr positiv angenommen wird.

K.WEST: Ja, so sieht es aus – vor allem mit dem Blick auf die Besucherzahlen. Im ersten Jahr registrierte die Art Fair 12.000 Gäste, 2011 waren es 32.000. Es liegt wohl nicht allein an der Mischung. Was bieten Sie ihren Gästen, was andere nicht bieten?

GEHLEN: Wir wollen eine angenehme Atmosphäre schaffen. Dass man sich mit seinen Freunden bei der Art Fair trifft und weiß, es wird ein schöner Tag.

LOHAUS: Aber es geht ja nicht nur um die schöne Zeit.

GEHLEN: Nein, natürlich geht es darum, dass man mit dem Thema Kunst einen angenehmen Tag hat. Dass es nicht so ein anstrengender Messetag ist mit diesem typischen Feeling – Messehalle, Messeluft, Messelicht, schlechtes Messeessen...  Das versuchen wir, anders zu machen.

LOHAUS: Auch in diesem Jahr gibt es wieder eine schöne Vernissage-Party vor dem Feiertag. Und Modenschauen von vier Designern.

K.WEST: Sie heben stark auf das Drumherum ab – Party, Modenschau …

LOHAUS: Nicht mehr als andere auch. Partys gibt es überall, nur sind unsere vielleicht öffentlicher.

GEHLEN: Außerdem sind sie wirklich besonders gut. Das gehört dazu – die Art Fair soll eben ein Ereignis sein.

LOHAUS: Und für die Aussteller zahlt sich unser Konzept voll aus. Von allen Seiten hören wir, dass auf der Messe sehr gute Umsätze gemacht werden.

K.WEST: Während die Art Fair gewachsen ist, sind andere eingegangen. Die Art Frankfurt etwa oder das Art Forum Berlin.

LOHAUS: Natürlich profitieren wir auch sehr stark von dem hervorragenden Marktplatz Rheinland, den vielen guten Sammlern, die hier zu Hause sind. In der Gegend um Frankfurt oder Berlin ist das Netz viel weniger dicht. Da müssen die Leute von weit her anreisen. Und wenn sie das einmal nicht tun, ist die Messe gleich schwer angeschlagen.

K.WEST: Sie verlassen sich lieber auf Käufer aus der Region?

LOHAUS: Ja, im Umkreis von rund 100 Kilometern gibt es genug.

K.WEST: Wie wollen sie die auch in den nächsten zehn Jahren bei Laune halten? Gibt es Pläne, oder soll alles bleiben wie gehabt?

GEHLEN: Veränderung kommt automatisch – ohne gesteuerten Prozess. Nehmen wir etwa die Blooom als neue interdisziplinäre Messe. Wir haben gemerkt, wie sehr sich die Dinge durchmischen – Kunst, Musik, Design, Technik. Immer mehr spielen jene Randbereiche in die Kunst hinein. Weil wir Teil des Prozesses sein wollten, haben wir die Blooom 2010 gegründet. Als eigenständige Veranstaltung läuft sie seither parallel zur Art Fair im Staatenhaus. Ein Highlight dort wird in diesem Jahr die Ausstellung mit Cartoons von Guillermo Mordillo sein, der erstmals Originale verkauft.

K.WEST: Und womit schmückt sich die Art Fair zum zehnten Geburtstag?

LOHAUS: Einen echten thematischen Schwerpunkt – wie zuletzt Korea, davor etwa China, die Türkei oder Videokunst – gibt es diesmal nicht. Wir wollen uns zum Jubiläum einfach darauf konzentrieren, die beste Art Fair zu präsentieren, die es je gab.


Bis 4. November 2012; Staatenhaus am Rheinpark, Köln. www.art-fair.de

 

Kunst
11 / 2012

DIE WOHLFÜHLMESSE

Von: STEFANIE STADEL


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