Düsseldorf+Photo – aber wie?

Zum alten »Duesseldorf Photo Weekend« kommt als Neuigkeit die »Duesseldorf Photo« dazu. Aber warum bloß?

TEXT STEFANIE STADEL

Grund für die Doppelung der Ereignisse ist ein unsäglicher Streit, der letzten Sommer um die Leitung des »Duesseldorf Foto Weekend« entbrannt ist, 2012 erfunden vom damaligen Chef des NRW-Forums Werner Lippert. Nach dessen Abschied hatte die seit 2013 involvierte Galeristin Clara Maria Sels das »Photo Weekend Duesseldorf« allein organisiert. Nun aber sollte Lipperts Nachfolger Alain Bieber die Leitung übernehmen und das Festival ausbauen – so wollte und bestimmte es Oberbürgermeister Thomas Geisel. Seither rumorte es nicht nur an der Stadtspitze. Sels- und Bieber-Fans attackierten sich; man diskutierte und stritt um Namensrechte und Kompetenzen. Das unversöhnliche Ende der Story sind zwei getrennt organisierte Events, die gleichzeitig laufen und verwirrend ähnliche Titel tragen. Die Stadt bezuschusst nur mehr Biebers »Duesseldorf Photo« mit 100.000 Euro, Sels und ihr »Weekend« gehen leer aus. 

Der Fotofreund wird keinen Schaden haben, im Gegenteil. Zwar muss er sich durch zwei Websites wurschteln und mit unterschiedlichen Programmzetteln plagen, auf denen zum Teil dieselben Ausstellungen beworben werden. Die Mühe wird jedoch belohnt mit einem unterm Strich umfangreicheren Programm und einer längeren Laufzeit. Zum bekannten »Weekend«, das auf den 16. bis 18. Februar beschränkt bleibt, kommt Biebers zehntägiges Festival (16. bis 25. Feb.). Während die aktuellen Vorbereitungen laufen, will man mit Blick auf das kommende Jahr die Türen offen halten für Kompromisse. Das zumindest ist aus beiden Lagern zu hören, allerdings mit Untertönen, die zwischen verschnupft und überheblich changieren und zumindest gegenwärtig nur eingeschränkt Hoffnung auf eine schnelle und einvernehmliche Lösung des Problems wecken. 

»Duesseldorf Photo Weekend«
Wir sind das »Original«, so die Ansage von Clara Maria Sels, die auf den gefestigten Ruf ihres »Weekend« abhebt. Großen Anteil am Programm haben wieder die Galerien. Zuletzt hatten Kritiker der Veranstaltung eine gewisse Beliebigkeit oder Ziellosigkeit vorgeworfen. Vielleicht tritt man deshalb mit einem deutlichen Schwerpunkt an. Er liegt auf fotografischen Positionen aus dem Nahen Osten. In der Galerie Breckner etwa zeigt der Syrer Mohamad Al Roumi Fotos seiner Heimat aus einer Zeit vor den kriegerischen Verwüstungen. Die Galerie Setareh präsentiert drei iranische Video-Künstlerinnen. Die Schau bei Lauseberg dokumentiert den Alltag religiöser Gemeinschaften in Jerusalem. Neben den Galerien nehmen auch einige Institutionen teil; voran die Julia Stoschek Collection, die im zehnten Jahr ihres Bestehens zum Überblick anhebt und mit 48 Werken das Spektrum der Sammlung vermisst. 

»Duesseldorf Photo«
Schon vor dem Start preist Bieber »Duesseldorf Photo« als eines der größten Foto-Festivals in Deutschland an: 50 Orte, 100 Künstler, Ausstellungen, Führungen, Workshops, Filme und eine Fotobuchmesse. Eine Plakataktion im öffentlichen Raum und eine Festivalfeier mit musizierenden Fotografen stehen ebenfalls an. Hier gehe es nicht zuerst um den Markt und die Sammler, so Bieber, sondern um den gesamten Diskurs zur Fotografie. Auf der Teilnehmerliste stehen die wichtigen Kunst-Institutionen der Stadt inklusive Kunstakademie. Auch führende Galerien, die dem »Weekend« zuletzt den Rücken gekehrt hatten, machen mit beim Neuling, Konrad Fischer etwa oder die Galerie van Horn.

Kunst
02 / 2018

Düsseldorf+Photo – aber wie?

Von: Stefanie Stadel


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