Alexander Esters in seinem Neusser Atelier. Foto: Markus J. Feger  

Langsam-Maler, Schnell-Schnitzer

So sieht ein starker Karrierestart aus: Alexander Esters, Maler und Bildhauer, macht mit seinen Werken die Runde durch Museum und Skulpturenpark. 

//   Irgendwo hier muss es sein. Jedoch, nach Künstleratelier schaut es gar nicht aus in dieser Gegend am Neusser Hafen. Tankstelle, Speditionsfirma, Gebäudereinigung. Dann kommt sie, die Floßhafenstraße 12. Aber was soll das Schild da an der Hallenwand: Autodesign und Fahrzeuglackierung Casula? Tarnung? Doch nein: Pedro Casula lackiert hinten – aber den vorderen Teil der Halle hat Alexander Esters günstig gemietet. Da kann er sich ohne allzu viel Mietrechnerei ausbreiten mit seinen Skulpturen.

Allerdings ist hier zur Zeit gar nicht so viel Kunst zu finden, denn man experimentiert gerade mit neuen Materialien und Lackierungen. Nur die weiße Skulptur auf dem Tisch – eine »Studentin«. Sie erinnert an eine Büste mit lockiger Mähne, doch wo sonst das Gesicht sitzt, schaut man durch ein leeres Oval. An der Wand lehnt leicht lädiert unter einer Plane ein großes Relief in Schwarz, zwei mal zwei Meter, und wartet auf den nächsten Arbeitsschritt.

Mit Autolack in unzähligen Farbvarianten hilft Casula – zwischen dem Künstler und dem Lackierer ist eine Arbeitsfreundschaft entstanden. In Casulas Nachbarschaft habe er die bes-ten Voraussetzungen für seine Bildhauerei, sagt Esters. Nicht für seine Gemälde, die entstehen in einem anderen Atelier. Die Trennung ist ihm wichtig – sie helfe, sich ganz auf das jeweilige Medium zu konzentrieren.

Der große dunkelhaarige Jungkünstler mit den ersten grauen Strähnen blättert beiläufig in einem dicken Bündel Farbkärtchen. Anfang des Jahres habe seine Großskulptur die zwei Hallen der Lackiererei komplett belegt, erzählt er. Es seien drei Monate vergangen, bis der vier Meter hohe »Zauberspiegel« grundiert und mit BMW-Lack überzogen war. Die Autos mussten draußen bleiben.

Finster glänzt Esters’ rätselhaftes Riesending jetzt im Kölner Skulpturenpark. Eine Art Rahmen mit phantastischen Schnitzereien, die etwas Barockes haben. Oben sind Pferdeköpfe zu erkennen, unten gespreizte Krallen an dicken Pranken. Mitten drin hängt …

Alexander Esters: Selbstportrait mit Pustefix-Pfeife, 2006. Linoldruck; Offset-, Acryl- und Ölfarbe auf Leinwand, 196 x 174 cm.
Courtesy Van Horn, Düsseldorf / Privatsammlung, Barneveld, Niederlande. Foto © Daniela Steinfeld, Van Horn, Düsseldorf

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Kunst
11 / 2009

Langsam-Maler, Schnell-Schnitzer

Von: Stefanie Stadel


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