Denis Pfabe: »Der Tag endet mit dem Licht«

Lauernd und erfreulich unromantisch: Denis Pfabes Debüt-Roman schickt die Leser in die Wüste. Und auf falsche Fährten.

TEXT VOLKER K. BELGHAUS

Zwei Menschen, ein Auto, einiges an Landschaft und, im besten Fall, ein Ziel. Das ist das gängige Setting einer »Road Novel«. Ein Genre, das mittlerweile etwas abgewetzt daherkommt, auch durch den Mangel an interessanten Ideen, um mit der eingeschränkten Konstellation umzugehen. Dass es dennoch funktionieren kann, hat Wolfgang Herrndorf mit »Tschick« vor einigen Jahren nachdrücklich bewiesen, in dem er seine beiden Ausreißer in einem klapprigen Lada, unterlegt mit Klavierschnulzen von Richard Clayderman, durch die deutsche Provinz irren ließ.

In Denis Pfabes Roman »Der Tag endet mit dem Licht« sind es die staubigen Weiten im mittleren Westen der USA, die von einem bekannten Künstler, Adrian Ballon, und seiner jungen Assistentin, Frida Beier, in einem mitternachtsblauen Ferrari 512 BBi durchmessen werden. Das echte Reiseziel bleibt vorerst unklar, sie fahren Anfang der 80er Jahre kreuz und quer durch die Bundesstaaten, in denen die Städte Namen wie »Paradise« oder »Truth or Consequences« tragen, um eine spezielle Art von Häusern zu finden, die Ballon von einem Trupp Bauarbeitern mit schwerem Gerät auseinanderschneiden lässt. Es sind lediglich Teile von Häusern – Fenster und Erker mit Klappläden, Blumenbänken und Vorhangstangen. Gegen ein dickes Bündel Geldscheine werden die Stücke fein säuberlich aus den Gebäuden herausgetrennt, um für Ballons nächste Einzelausstellung nach Deutschland verschifft zu werden. 

Selbstmord im Sportwagen
Frida Beier wurde engagiert, um die Reise zu begleiten und zwischen den rustikalen Arbeitern, einem unsichtbaren Düsseldorfer Galeristen, den sie nur vom Telefon kennt, und dem verschlossenem Adrian Ballon zu vermitteln. Warum gerade sie, die angehende Textilkünstlerin, für diese Aufgabe ausgewählt wurde, weiß sie lange selbst nicht. Erst nach 25 Jahren traut sich Beier, Ballons Tagebuch zu lesen, das sie an dem Tag an sich nahm, als dieser sich damals im mitternachtsblauen Sportwagen erschoss. 

Denis Pfabe wurde 1986 in Bonn geboren, ist gelernter Einzelhandelskaufmann und studierte Medienkommunikation und Journalismus in Köln. Er lebt und arbeitet in Bonn, wo er drei Tage die Woche Gabelstapler in einem Baumarkt fährt. »Der Tag endet mit dem Licht« ist sein Debüt-Roman – konzentriert-knapp, lauernd, spannend und erfreulich unromantisch. Es geht glücklicherweise nicht um die üblichen Fahrten in Sonnenuntergänge, die große Freiheit auf dem Highway und schlechte Rockmusik. Pfabe lässt den Leser, genau wie Frida Beier, lange im Unklaren über das eigentliche Motiv der ganzen Sache. Nur langsam schärft er den Blick auf das Geschehen, etwa wenn Beier bemerkt, dass sie plötzlich mit derselben Art und Weise die Welt sehen kann wie Adrian Ballon. Als wäre sie selbst Teil eines großen, radikalen, unüberschaubaren Kunstwerks. Und das ganze Leben eine akribisch geplante Installation ohne Zufälle.  

Denis Pfabe, »Der Tag endet mit dem Licht«, roman, Rowohlt Verlag, Reinbek, 2018, 192 Seiten, 20 Euro 

Lesungen am 28. September 2018 im Haus der Bildung, Bonn und am 23. November 2018 auf dem Township Bonn/MS Beethoven im Rahmen des »Bal littéraire«

Literatur
09 / 2018

Denis Pfabe: »Der Tag endet mit dem Licht«

Von: Volker K. Belghaus


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