Mukoma wa Ngugi. Foto: Africanwriter.com

SCHWARZER WEISSER MANN

Mukoma wa Ngugis Kriminal-Roman »Nairobi Heat«

 

TEXT: VOLKER K. BELGHAUS

»Wo mein Herz ist, bin ich Zuhause« steht auf der Fußmatte, vor der eine junge, blonde Frau in Tennisschuhen und einem Faltenrock liegt; im Blut der Ermordeten wird man später Heroin nachweisen. Das Haus, vor dem die Leiche gefunden wird, steht in »Maple Bluff«, einem besseren Viertel von Madison, der Hauptstadt des US-Bundesstaates Wisconsin, der mehrheitlich von Weißen bewohnt wird. Doch es gehört einem afrikanischen Professor aus Kenia, was den Fall für den ebenfalls schwarzen Detective Ishmael interessant werden lässt. Einst war der Professor ein Held im Kampf gegen den Völkermord in Ruanda, wo er Hunderten von Menschen das Leben gerettet hat. Dann bekommt Ishmael einen merkwürdigen Anruf – dieser Fall, so heißt es, könne nur vor Ort in Afrika aufgeklärt werden. Der Kommissar nimmt das nächste Flugzeug nach Nairobi; die dortigen Ermittlungen führen ihn und seinen afrikanischen Kollegen »O« schnell zu einer korrupt-kriminellen Hilfsorganisation für Ruanda.

Mukoma wa Ngugis Debüt-Roman »Nairobi Heat« lebt von der Fremdheitserfahrung eines schwarzen Amerikaners in Afrika. Als »Mzunga!« – weißer Mann – wird Ishmael schon bei seiner Ankunft im Flughafen angesprochen. Sein Blick auf das Land bleibt anfangs distanziert. Die Mittelschicht und die Wohlhabenden verschanzen sich hinter Stacheldraht und Bodyguards und »leben wie die Sklaven im eigenen Palast«; Verdächtige und Kriminelle werden von der Polizei kurzerhand niedergeschossen. Zweifel räumt »O« mit Realismus aus: »Ishmael, auch wir gehören zu den schlechten Leuten. Der einzige Unterschied ist, dass wir auf der Seite der Guten kämpfen.«

Mukoma wa Ngugi wurde 1971 als Sohn des kenianischen Schriftstellers Ngugi wa Thiong’o in Evanston/Illinois geboren, arbeitet als Literaturprofessor und Kolumnist für die BBC, den Guardian oder die Los Angeles Times. Er wirft einen differenzierten und realistischen Blick auf Afrika, bleibt lakonisch im Ton und verschiebt lustvoll und hinterhältig die Grenzen zwischen Gut und Böse. »Nairobi Heat« endet dann auch mit einer entsprechend famosen Pointe. »Manchmal kommt es vor, dass Feinde sich auf derselben Seite wieder finden. Und es ist nicht die Sache des einen, über den anderen zu richten – sie tun es, weil es gut für beide ist. Danach machen sie mit ihren Kriegen weiter.« 

Mukoma wa Ngugi: »Nairobi Heat« Aus dem amerikanischen Englisch von Rainer Nitsche; Transit Buchverlag, Berlin 2014, 176 S., 19,80 Euro

Lesungen am 24. September 2014 in der Stadtkirche St. Georg, Lünen (Mord am Hellweg VII) und am 25. September 2014 in der Stadtbibliothek am Neumarkt, Köln (Crime Cologne).

 

Literatur
09 / 2014

SCHWARZER WEISSER MANN

Von: VOLKER K. BELGHAUS


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