Helge Timmerberg. Foto: Frank Zauritz

VOM SUCHEN UND FINDEN

Helge Timmerbergs Reiseroman »African Queen«

 

TEXT: VOLKER K. BELGHAUS

Vielleicht hätte er einfach zu Hause bleiben sollen. Der Mann, der gefühlt schon überall auf der Welt gewesen ist; Verfasser von Büchern und Reisereportagen sowie gebürtiger Ostwestfale, war mal wieder unterwegs. Er hat sich reinquatschen lassen in dieses Abenteuer, fühlt sich eigentlich »überreist« – wenn da nicht Lisa wäre, seine österreichische »African Queen«, die einen Job in einer Lodge am Malawisee angenommen und den Liebsten gebeten hat mitzukommen.

Die Luxuslodge wird schnell zu eng für jemanden wie Helge Timmerberg, der sonst immer allein gereist ist und darum jede Chance für kleine Fluchten nutzt. Er hetzt bereitwillig dem verloren gegangenen Reisepass von Lisa hinterher und reist für eine Reportage nach Burkina Faso zum Operndorf des verstorbenen Christoph Schlingensief, findet dort aber nur einige Rohbauten, zwischen denen Ziegen grasen; gerät mehr als einmal an zwielichtiges Gesindel und verliebt sich kurzzeitig in eine senegalesische Voodoo-Frauenfußballspielerin.

Trotz aller Widersprüche des afrikanischen Kontinents, trotz Überbevölkerung und Armut finden die beiden Europäer am Ende doch so etwas wie das Paradies: Sansibar und den Serengeti-Nationalpark, unter dessen Tieren sich Timmerberg wie der erste Mensch im Garten Eden fühlt – aber nur so lange, bis er sich wenig später fiebergeschüttelt auf der Rückbank des Jeeps wiederfindet. Der Nationalpark liegt in der einstigen deutschen Kolonie Tansania, wo noch heute leicht surreale Fachwerkhäuser stehen und im Restaurant »Salzburg« schwarze Kellnerinnen »in Leopardenfellimitat-Dirndl Wiener Schnitzel und die österreichische Süßspeise ›Mohr im Hemd‹ servieren«. Das ist der typische, lässig-rustikale Timmerberg-Humor, den er glücklicherweise auch in sieben Monaten Afrika nicht abgelegt hat; verbunden mit der leichten Melancholie eines alternden Reiseschriftstellers, der mit Anfang sechzig seinen Platz in der Welt sucht.


Helge Timmerberg: »African Queen«; Rowohlt Berlin, Berlin 2012, 304 Seiten, 19,95 Euro


Lesungen am 18.4. in der Thalia Buchhandlung Paderborn, am 19.4. in der Thalia Buchhandlung Bielefeld, am 20. und 21.4. in der Premium Lounge KulturOase Köln, am 21.5. in der Buchhandlung Ingo Klaus in Solingen, am 24.5. im Thalia Metropol in Bonn und am 25.5. in der Dreimann Buchhandlung Olpe.

 

Literatur
04 / 2012

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Von: VOLKER K. BELGHAUS


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