Campfire-Festival: Wir sind dabei!

Ab 31. August wird in Düsseldorf drei Tage lang über Journalismus und digitale Zukunft diskutiert. Auch »kultur.west« macht mit bei »Campfire«.    

»Sie verwandte unendliche Mühe und Ungeduld auf ihre Artikel, anfangs zwei Tage, später zwei Tage und zwei Nächte, in denen sie durchrauchte und durchtrank, noch später Wochen, Monate …« So beginnt der Abschnitt, den Hellmuth Karasek 1998 im Roman »Das Magazin« seiner Kollegin Helene widmete. Gemeint war die großartige Reportage-Schreiberin Marie-Luise Scherer, die in der Redaktion des Spiegel verzweifelt nach dem richtigen Ausdruck suchte und dafür tausende Begriffe »auf dicke Rollen von dünnem Papier« schrieb. »Sie schnitt sich ausgefallene Wörter mit einer kleinen Nagelschere aus Zeitungen und Zeitschriften und klebte sie (…) in Aktenordner.« In alphabetischer Reihenfolge, versteht sich. Heute ist das richtige Wort, der eine passende Ausdruck im Zweifel nur einen Mausklick entfernt – und das Problem, einen guten Text zu schreiben, doch noch immer dasselbe. Nicht die Werte wandeln sich, sondern die Welt, in der sie gelebt werden: durch neue Wohn-, Lebens- und Arbeitsformen, durch neue Möglichkeiten der Medizin und Kommunikation. Nicht zuletzt deshalb nimmt k.west vom 31. August bis 2. September 2018 an »Campfire« teil. An einem der größten deutschen Open-Air-Festivals für Journalismus und digitale Zukunft auf dem Gelände des Düsseldorfer Landtags. 

Diskussionsplattform für alle
»Wir bringen keine Fachtagung auf den Weg, sondern wollen allen Bürgern eine Diskussionsplattform bieten«, sagt Festivalleiterin Mandy Wiegand. Geplant sind Debatten, Lesungen und Workshops nicht nur für Journalisten. Die Teilnahme ist kostenlos, erwartet werden 10.000 Besucher. 
Organisiert wird »Campfire« in Partnerschaft mit der Rheinischen Post und der Landeshauptstadt Düsseldorf von »Correctiv«, das sich selbst als erstes »gemeinnütziges Recherchezentrum im deutschsprachigen Raum« versteht und dem Journalismus in NRW wichtige Facetten hinzugefügt hat: durch investigative Projekte und ein deutschlandweites Netzwerk an Journalisten. Das wiederum wirft (auch) die Frage auf, wie die Medienlandschaft auf die Entwicklungen der Zeit zu reagieren hat. 

Wie werden und wie wollen wir in Zukunft arbeiten? Zu diesen Fragen hatte k.west 2017 ein eigenes Themenheft herausgebracht und unter anderem Arbeitszeitforschern, Psychologen und Künstlern eine Plattform gegeben. Konzipiert von Annika Wind, die als künftige Chefredakteurin unseres »Kulturmagazins für Nordrhein-Westfalen« nun auf der Hauptbühne des Festivals am Freitagnachmittag, 31. August, Gesprächspartner zum Thema zusammenbringt: Beim Düsseldorfer Telekommunikationsunternehmen Sipgate etwa gibt es nach eigenen Angaben keine Manager, keine Abteilungen, keine Gehaltsverhandlungen, keine Budgets und keine Überstunden. Dafür flache Hierarchien und flexible Arbeitszeiten. Wie das funktioniert, erklären die Mitarbeiter auf dem Podium selbst.

Podium über die Zukunft der Arbeit
A propos: Welche Arbeitnehmer braucht es eigentlich (noch) in der digitalen Welt – und vor allem: mit welcher Qualifikation? Darüber wird Thomas Dittrich berichten, der als Gründer der Europäischen Medien- und Business-Akademie neue Studiengänge wie »Digital Business Management« entwickelt. Auf dem Podium sitzt zudem Melanie Söllner, die mit ihrem »Female Innovation Hub« Frauen dabei begleitet, ihr eigenes Startup zu gründen und ihre Ideen im digitalen Bereich umzusetzen. Im Anschluss an das Podiumsgespräch heißt es am Freitagabend dann: »Das Publikum feierte das Orchester mit frenetischem Applaus«. Dann erklärt Annika Wind in einem Workshop zum Kulturjournalismus, wie die Arbeit bei k.west funktioniert und warum Kritiker am liebsten Fernbeziehungen führen – aus nächster Nähe.

Programm mit Uhrzeiten und weitere Infos: 

https://campfirefestival.org/

Medien
08 / 2018

Campfire-Festival: Wir sind dabei!


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