Thielemann und die Dresdner. Foto: Matthias Creutziger

Lorin Maazel in Aktion. Foto: Chris Lee

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Lorin Maazel und Christian Thielemann gastieren mit ihren neuen Orchestern in Essen bzw. in Köln.

 

TEXT: GUIDO FISCHER

In München und Dresden beginnt dieser Tage eine musikalisch vielversprechende Zukunft. An Isar und Elbe treten zwei Herren von höchstem Rang und Namen an das jeweilige Pult der örtlichen Spitzenorchester. Nachdem Lorin Maazel bereits von 1993 bis 2002 das Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks geleitet hatte, steht er nun für die nächsten drei Jahre den Münchner Philharmonikern vor. Christian Thielemann, Gralshüter des deutsch-österreichischen Klang-Vermächtnisses, übernimmt die Dresdner Staatskapelle, die er schon seit 2003 als Gastdirigent kennt.

Zum Neustart haben die Orchester in ihren aktuellen Saisonbroschüren die guten Bekannten fotogen in Szene gesetzt. In typischer Maestro-Pose scheint Maazel für seine erste Spielzeit als GMD den Münchnern eben jene Glamour-Klassik versprechen zu wollen, mit der er es auf die Spitzenpositionen etwa an der Wiener Staatsoper und zuletzt bei den New Yorker Philharmonikern geschafft hat.

Eine Kategorie bescheidener gibt sich Thielemann, der von 2004 bis 2011 Maazels Amtsvorgänger gewesen war. Vor einem großen Schrank voller Klassik-Vinyl-Schätzchen ließ der Neu-Dresdner sich ablichten und blättert wie von ungefähr im Beiheft der legendären Karajan-Aufnahme von Wagners »Meistersingern«. Doch die scheinbar private Szene erzählt einiges vom Wertkonservativen Thielemann. Gerade in Form einer Schallplatte (und nicht eines modernen Digitaltonträgers) hält er ein gewichtiges Kapitel deutschen Musikerbes in Händen, zu dem er selbst sich unerschütterlich bekennt.

Hatte doch sein einstiger Förderer Karajan 1970 nicht nur den bewunderten Wagner dirigiert, sondern damals zudem mit der Staatskapelle Dresden das älteste Orchester Deutschlands gelenkt, dessen Geschichte und Klang eng verbunden ist mit den für Thielemann heiligen Namen wie Schumann, Wagner und Strauss. So mag es kaum übertrieben sein, wenn der 1959 in Berlin geborene »Kapellmeister« Thielemann vor einigen Jahren bekannte, dass sich mit der Verpflichtung zum Chefdirigenten der Sächsischen Staatskapelle für ihn »ein Traum erfüllt«.

Ab dieser Spielzeit ist der Preuße und Furtwängler-Bewunderer nun Wahl-Sachse. Das Motto für seine erste von sieben Konzertsaisons ist mit »Angekommen« so einfach wie treffend gewählt. Mit einem programmatisch avancierten Leitsatz haben die Werbestrategen der Münchner Philharmoniker die Debüt-Spielzeit Maazels überschrieben: »Aufbruch und Rebellion«. Es ließe sich vermuten, dass damit all jene eines Besseren und Ungestümen belehrt werden sollen, die Maazels Ernennung zum philharmonischen GMD mit Argwohn und Spott begleitet hatten. Zumal der Amerikaner nicht erste Wahl gewesen ist, sondern man mit dem Inder Zubin Mehta eigentlich den Ehrendirigenten des Orchesters verpflichten wollte. Als schließlich mit Maazel die prominente Nachfolge von Thielemann präsentiert wurde, kommentierte die Süddeutsche Zeitung den weißen Rauch süffisant mit »Habemus Opapam«.

82 Jahre alt ist er. Doch wer den seit seinem neunten (!) Lebensjahr dirigierenden Marathonmann etwa beim Kulturhauptstadtfestival »Ruhr. 2010« erlebte, bekam bei Mahlers »Sinfonie der Tausend« einen überwältigenden Eindruck von seiner körperlichen und geistigen Fitness. Dass er noch ungewöhnliche Programmwege einschlägt, bewies er im letzten Jahr bei seinen Münchner Gastspielen, als die Philharmoniker mit ihrem designierten Prinzipal eine Tschaikowsky-Suite mit Alexander Skrjabins schillerndem »Poème de l’Extase« kombinierte. Und vor Brahms’ Deutsches Requiem stellte er nahezu ketzerisch Strawinskys Psalmensymphonie.

Solche spannenden Dialoge zwischen Tradition und Moderne lässt sich  München etwas kosten. Obwohl über Maazels Gage Stillschweigen vereinbart wurde, darf man damit rechnen, dass die Stadt geheime Finanzkanäle angezapft hat. Maazel ist der absolute Großverdiener unter den Top-Dirigenten. Für seine letzte Saison bei den New Yorkern wurde ihm das Honorar von 3,3 Millionen Dollar überwiesen. Von solchen Summen ist selbst ein Thielemann weit entfernt.

Künstlerisch indes gibt es zwischen ihnen einige Gemeinsamkeiten. Vor ihren Münchner Engagements …

 

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Christian Thielemann & Staatskapelle Dresden: 6. September 2012,  Philharmonie Köln; www.koelner-philharmonie.de. Lorin Maazel & Münchner Philharmoniker: 16. September 2012,  Philharmonie Essen; www.philharmonie-essen.de

 

Musik
09 / 2012

AUFTAKT

Von: GUIDO FISCHER


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