Förderpreisträger von »popNRW«: Xul Solar. Foto: c/o pop

Förderpreisträger von »popNRW«: Roosevelt aus Köln. Foto: c/o pop Booking

VON NRW IN DIE WELT

Nordrhein-Westfalen gilt als Wiege von Krautrock, Punk und elektronischer Musik in Deutschland. Bands wie Can, Die Toten Hosen oder Kraftwerk sind erfolgreiche Auslandsexporte und Imagefaktoren. Doch wie steht es um junge Künstler? Gedeiht die Szene von selbst, oder braucht der Pop in NRW mehr Förderung als den Bandwettbewerb im Jugendzentrum? Ein neues Gemeinschaftsprojekt soll Bands in Zeiten magerer Musikumsätze helfen. »popNRW« will Künstler langfristig fördern und ihre Sichtbarkeit im In- und Ausland erhöhen. Das Konzept ist durchdacht, das Budget – bislang – noch schmal. K.WEST hat sich das Projekt von den Mitinitiatoren Christian Esch (NRW-Kultursekretariat) und Robert von Zahn (Landesmusikrat) erklären lassen.

 

INTERVIEW: INGO JUKNAT

K.WEST: Herr Esch, Herr von Zahn, seit letztem Jahr gibt es das Fördernetzwerk »popNRW«. Welche Partner verbergen sich dahinter?

ESCH: Dahinter verbergen sich Kulturbüros und Kommunen, das NRW-Kultursekretariat, aber auch Festivals wie Bochum Total oder die c/o pop in Köln. Wobei das Ganze als offenes Netzwerk ausgelegt ist, es können also jederzeit neue Partner hinzukommen.

K.WEST: Wie groß ist das Budget?

ESCH: Etwa 50.000 Euro. Plus Beiträge von einzelnen Kooperationspartnern. Wir sind allerdings darauf aus, weitere Fördermittel zu bekommen. Von der bundesweiten Initiative Musik in Berlin, zum Beispiel.

K.WEST: Wenn man die Fördersumme mit dem Millionen-Budget der Filmstiftung NRW vergleicht, wirkt sie recht bescheiden. Spiegelt das den Stellenwert von Pop in der Kulturförderung wider?

VON ZAHN: In der öffentlichen Wahrnehmung ist Pop ein kulturwirtschaftliches Biotop, das sich selbst trägt. Mit Stars, die viel Geld verdienen. Also muss man da eigentlich kein Geld hineinpumpen, so die Vorstellung. Das hat natürlich wenig mit der Realität zu tun. 98 Prozent der Akteure verdienen sehr wenig. Das muss man vermitteln.

K.WEST: Wie wollen Sie helfen?

ESCH: Wir wollen die Förderstruktur und die Qualität verbessern.

K.WEST: Neben Auftrittsmöglichkeiten finanzieren Sie auch Workshops, heißt es auf der Homepage von »popNRW«. Konkret findet man aber noch keine Termine.

VON ZAHN: Uns fehlt noch ein Bewilligungsbescheid aus Berlin. Es hat allerdings schon eine Workshop-Serie gegeben, letztes Jahr bei der Cologne Music Week und auf der c/o pop. Ich war war erstaunt, wie viele Teilnehmer sich dort gemeldet hatten.

K.WEST: Auf der diesjährigen c/o pop haben Stabil Elite, Roosevelt und Xul Zolar gespielt – das sind die Förderpreisträger des letzten Jahres. Hätten da nicht eigentlich neue Bands auftreten müssen?

ESCH: Das gehört noch zum aktuellen Förderzyklus. Ich finde es auch richtig, dass die Bands langfristig und mehrfach Auftritte bekommen.

VON ZAHN: Man muss sehen: Für uns hat das Jahr 2013 noch gar nicht begonnen. Wir haben erst letzte Woche den Bescheid vom Land bekommen, dass wir popNRW in diesem Jahr wieder durchführen können.

K.WEST: Gute Popmusik entsteht oft an gewissen Schlüsselorten mit einer entsprechenden Szene. Früher etwa im Ratinger Hof in Düsseldorf oder im Berliner SO 36. Wäre es nicht sinnvoll, solchen Brutstätten Geld zu geben?

VON ZAHN: Diese Unterstützung gibt es, ist aber nicht hinreichend. Da ist die soziokulturelle Förderung des Landes, wo bestimmte Zentren und Proberäume bezuschusst werden. Und dann gibt es in bestimmten Städten lokale Förderung. Das ist allerdings nicht das Konzept von popNRW.

K.WEST: Was wäre das Primärziel – die Sichtbarkeit der Bands zu erhöhen?

VON ZAHN: Das trifft es genau. Um ein Beispiel zu geben: Wir wollen, dass Bands aus Wuppertal, die normalerweise nur in Remscheid oder Solingen spielen würden, auch in den anderen Landesteilen präsentiert werden. Wenn sie dort gut angenommen werden, kann man es auch wagen, sie zu exportieren. Das ist Teil des mehrstufigen Liga-Konzepts. Zuerst tauschen wir Bands zwischen den Regionen aus. Dann kommt ganz Nordrhein-Westfalen hinzu, das heißt, wir ermöglichen bestimmten Künstlern auf größeren NRW-Festivals wie der c/o pop zu spielen. Als dritte Stufe folgt der Export in andere Bundesländer und schließlich der ins Ausland. Spätestens an diesem Punkt kommen die Aktivitäten der Initiative Musik ins Spiel, die ziemlich erfolgreiche deutsche Präsentationen auf ausländischen Festivals auf die Beine gestellt hat – etwa bei der Midem in Cannes.

ESCH: Der andere wichtige Punkt bei popNRW ist das Coachen, die Ausbildung durch Knowhow-Transfer, durch Hilfestellung finanzieller Art. Damit ist unser »popUP NRW«-Förderkonzept, das durch das Kultursekretariat als Mitinitiator in popNRW eingebracht wurde, aufgegriffen und erweitert worden.

K.WEST: Für den mit 10.000 Euro dotierten Förderpreis kann man sich als Band nicht selbst bewerben; man wir von »Popförderern« vorgeschlagen. Wer ist damit gemeint?

ESCH: Das sind Vertreter in den einzelnen Städten, die wie Talentscouts arbeiten. Die durch ihre Nähe zur Szene eine bessere Vorstellung davon haben, wer fördernswert ist.

K.WEST: Das System beugt wahrscheinlich auch einer Flut von mittelprächtigen Demo-Tapes vor, oder?

ESCH: Mit einem Aufruf wäre das natürlich ein ganz anderes Verfahren. Etwas hochfliegend ausgedrückt: Der Oscar läuft auch nicht so, dass man sich bewirbt. Das ist ein Nominierungsverfahren. Bei Kunstpreisen sowieso.

K.WEST: Im WDR lief kürzlich ein Beitrag über die Pop-Szene in NRW. Dort kam ein Experte zu Wort, der sagte, Bands müssten sich heute als Firma begreifen. Würden Sie dem zustimmen? Das ist je eine eher unromantische Vorstellung vom Künstlerdasein.

ESCH: Ganz knapp: Natürlich muss man das auch so denken. Eines der Förderprinzipien von popNRW lautet ja auch, Erwartungen an die Band zu richten – zu sagen: Ihr müsst Euren Internetauftritt, Eure Kommunikation, verbessern. Und dabei helfen wir Euch, auch mit Geld.

K.WEST: Achten Sie darauf, dass das Geld zweckgebunden ausgegeben wird?

VON ZAHN: Was die Fördergelder angeht, da landet kaum ein Euro bei den Künstlern direkt. Es ist eine rein struktur- und netzwerkorientierte Förderung, die denjenigen unterstützt, der bereit ist, eine Band spielen zu lassen, die er normalerweise nicht spielen lassen könnte. Das Preisgeld ist etwas anderes – das ist an keinerlei Auflagen gebunden.

K.WEST: Persönlich gefragt: Welche NRW-Bands habe Sie in letzter Zeit gehört bzw. welche mochten sie?

ESCH: Ich sage von mir ganz klipp und klar: Ich bin in dem Bereich interessiert, aber überhaupt kein Experte. Deshalb möchte ich mir kein Urteil anmaßen. Ich kann nur sagen, dass mir die Entscheidung für Stabil Elite beim letzten »popUp NRW«-Preis sehr gefallen hat.

VON ZAHN: In meinem Falle war es Roosevelt aus Köln, den wir auch nach Brighton exportieren wollten, was aufgrund der Haushaltskalamitäten leider nicht geklappt hat, und Brandt Bauer Frick.

K.WEST: Das popNRW-Büro in Köln wird von Norbert Oberhaus geleitet. Er ist auch Geschäftsführer der c/o pop, inklusive angegliederter Booking-Agentur. Das heißt, er vertritt Bands kommerziell, die von popNRW gefördert werden. Ist das nicht ein gewisser Interessenkonflikt?

VON ZAHN: Das war durchaus Teil der Diskussion im Kreis der Popförderer. Wir brauchten jemand, der’s macht. Dann wurde in die Runde gefragt, und es gab keinen richtigen Konkurrenten. Bisher gab es keine Klagen über diese Doppelrolle von Herrn Oberhaus. Die Bilanz fiel positiv aus.

ESCH: Man muss sagen, die Besetzung bietet eine gewisse Sicherheit. Die c/o pop ist ausführend tätig – aber alles, was Vorschläge und Auswahlrecht angeht, die zu Entscheidungen führen, da ist die c/o pop nur ein Akteur unter vielen. Das wird gemeinsam entschieden.

 

www.popnrw.de

Musik
07 / 2013

VON NRW IN DIE WELT

Von: INGO JUKNAT


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