Open Source Festival in Düsseldorf. Foto © Jenniffer Felthaus

WAS VOM SOMMER ÜBRIG BLEIBT

Weil Bands keine Platten mehr verkaufen, müssen sie immer öfter touren. Die gute Nachricht: Wer seine Lieblinge live sehen will, wird sie auf irgendeinem Sommer-Festival finden. Die schlechte: Wirklich eigenständige Festivals sind rar geworden. Hier vier Ausnahmen.

TEXT: INGO JUKNAT

Es gab eine Zeit, da konnte man die relevanten Popfestivals in NRW an einer Hand abzählen. Es gab die »Rheinkultur« in Bonn, das »Bizarre« bei Kleve, das Haldern Pop (s. u.) und wenig mehr. Das war vor 15 Jahren. Inzwischen richtet fast jeder Weiler ein Sommerfestival aus. Da konkurriert »Omas Teich« mit  »Dragensdorf rockt«, »Krach am Bach« und dem »Elfenfestival«. Musikalisch wie geografisch wird keine Nische ausgelassen.

Das hat, man ahnt es, nicht nur Vorteile. Gestiegene Honorare und die zunehmende Konkurrenz sind eine Bürde für die Veranstalter. Gute Bands sind teuer und treten in der Regel dort auf, wo am meisten geboten wird. »Das geht mittlerweile zu wie auf dem Viehmarkt«, sagt Philipp Maiburg, künstlerischer Leiter des Open Source Festivals in Düsseldorf. Seine Veranstaltung gehört zu den Highlights in NRW. Das Booking des Festivals ist zwischen elektronischer Musik und Indie-Pop angesiedelt, im Nachtprogramm geben Maiburg & Co. der regionalen DJ-Avantgarde eine Bühne. Die lokalen Acts profitieren vom größerem Publikum – in der Hinsicht ist das Open Source auch eine künstlerische Strukturmaßnahme. Im letzten Jahr traten hier u. a. The Streets und Tocotronic auf, dieses Jahr kommen u. a. Bonaparte, Harmonious Thelonious und Tolouse Low Trax (siehe K.West 4.2010) auf das Gelände im Grafenberger Wald.

Ein Festival, das mit der malerischen Open-Source-Kulisse mithalten kann, ist das Pfingst Open Air in Essen-Werden. Das Gelände im Ruhrtal ist von Wald umgeben und keine 100 Meter vom Wasser entfernt. Über allzu engmaschiges Programm kann man sich hier nicht beschweren. Wo wechseln sich schon deutschsprachige Songwriter (Gisbert zu Knyphausen), schwedische Indiepopper (Friska Viljor) und amerikanische Metalbands (Soulfly) auf der Bühne ab? Das Ganze kostet übrigens keinen Eintritt.

Wer die Bandauswahl auf dem Pfingst Open Air ein bisschen zu eklektisch findet, sollte vielleicht zum Haldern Pop fahren. Seit mehr als 20 Jahren gibt es dieses ambitionierteste aller Indie-Festivals in Deutschland. Der Rahmen ist familiär, das Gelände auf einem Reitplatz am Niederrhein fasst nicht mehr als 5.000 Besucher. Um Tickets sollte man sich früh kümmern. Eine kleine Warnung jedoch an alle, die auf Festivals vor allem feiern wollen: Das Haldern Pop geht eher in Richtung Feuilleton; Rock-am-Ring-Fans sind hier fehl am Platz. Was nicht heißt, dass bei diesem Festival nur Klappstühle aufgestellt würden. Im Gegenteil. Großes darf man in diesem Jahr u. a. von The National aus New York erwarten (zu deren größten Fans ein gewisser Barack Obama gehört), der englischen Neo-Folk-Band Mumford & Sons und Schottlands Frightened Rabbit.

Einen ganz anderen Rahmen bieten die Juicy Beats in Dortmund. Das Festival findet auf dem Gelände des Westfalenparks statt und konzentriert sich auf elektronische Musik und DJ-Sounds. Als Stadt-Festival ist das Ganze ist vor allem etwas für Menschen, die keine Lust auf dreitägiges Zelten im Matsch haben (bzw. denen es auf »normalen« Sommerfestivals ein bisschen zu hippieesk zugeht). Bei Redaktionsschluss waren u. a. 2manyDJs, Nouvelle Vague und Zoot Woman angekündigt.

Pfingst Open Air, 24. Mai 2010., Essen-Werden, www.openair-werden.de

Juicy Beats, 31. Juli, Dortmund, Westfalenpark, www.juicybeats.net

Open Source Festival, 7. August, Düsseldorf-Grafenberg, www.open-source-festival.de

Haldern Pop, 12.–14. August, Rees-Haldern, www.haldern-pop.de

Musik
05 / 2010

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