Spielort Kraftwerk. Foto: RWE

WECHSELSTROM

Kammermusik-Festival »Spannungen« in Heimbach

 

TEXT: GUIDO FISCHER

Als Gidon Kremer 1981 im österreichischen Burgenland erstmals sein Lockenhaus-Festival veranstaltete, ging ein Ruck durch den Klassikbetrieb. Der Stargeiger lud aus aller Welt namhafte Freunde ein, um mit ihnen zu musizieren. Mit dicken Gagen konnte er nicht dienen. Dafür garantierte er familiäres Ambiente und viel Spaß an kammermusikalisch facettenreichen Unterhaltungen und einen offenen Werkstatt-Charakter. Halb so alt ist auch schon das Kammermusik-Festival »Spannungen«, das der deutsche Pianist Lars Vogt im Eifel-Städtchen Heimbach veranstaltet. Obgleich Vogt sich das Konzept Kremers nicht bewusst zum Vorbild nahm, ist ihm eine ähnliche Erfolgsstory geglückt. Vogt bittet für sein Non-Profit-Festival befreundete Kollegen, für die es neben etwas Taschengeld freie Kost und Logis gibt. Doch da die prominenten Gäste wissen, dass sie in diesem Idyll vom Tour-Stress abschalten und sich der Lust am kammermusikalischen Gespräch hingeben können, kommen sie seit 15 Jahren gern nach Heimbach, darunter der Geiger Daniel Hope, der Cellist Heinrich Schiff, die Bratscherin Tabea Zimmermann oder Pianist Leif Ove Andsnes.

Tagsüber wird in entspannter Atmosphäre geprobt. Abends nehmen in der schmucken Halle des historischen Wasserkraftwerks Ensembles Platz, die man in dieser Besetzung nirgends sonst hören kann. Jeder spielt hier mal fast mit jedem zusammen. Dass dabei nach kurzer Anwärmphase Weltklasse-Niveau gelingt, hat sich auch dank der auf CD veröffentlichten Live-Mitschnitte herumgesprochen. Kaum gibt Vogt im Frühjahr das Programm bekannt, sind die Konzerte fast im Nu ausverkauft. Die Künstler wählen nur Stücke aus, die sie schon immer mal spielen wollten. So stellen sich seit 1998 Repertoire-Konstellationen her, die den Festival-Namen ideal rechtfertigen. György Ligeti stand neben Astor Piazzolla, Mozart neben Messiaen. Auf Gamben-Sonaten von Bach folgten Jazz-Songs von Gershwin. Ähnlich sind die 15. »Spannungen« aufgestellt. Es gibt Streichquartette von Beethoven und Brahms, Minimalistisches des Amerikaners George Crumb und Raritäten von Nadia Boulanger sowie Lieder von Schumann und Mahler. Zu Stammgästen zählen die Elite-Geiger Christian Tetzlaff und Isabelle Faust, die Klarinettistin Sharon Kamis und die Cellisten Steven Isserlis und Gustav Rivinius.

Dazu addieren sich Überraschungen und Neulinge, zu den letzteren zählt der Komponist Thorsten Encke, der als Composer in Residence ein Auftragswerk geschrieben hat. Noch vor dem offiziellen Festivalbeginn am 4. Juni debütiert Lars Vogt in einem »Vorspann«-Konzert zudem als Dirigent.


2. bis 10. Juni 2012; www.spannungen.de

 

Musik
06 / 2012

WECHSELSTROM

Von: GUIDO FISCHER


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