Im vergangenen Sommer haben die 21 RuhrKunstMuseen herausragende Werke ihrer Sammlungen in einer Sonderausstellung – in teils überraschenden Gegenüberstellungen. In der Essener Villa Hügel war zu sehen, was warum zusammengehört, wie die Bilder mit- und aufeinander reagierten. Dieses Prinzip wird im nun Internet dauerhaft fortgesetzt – auf der gemeinsamen Website 21×21.de.
Was Umfang und Vielfalt der Bestände angeht, spielt das Netzwerk der RuhrKunstMuseen in einer Liga mit Champions wie den Staatlichen Museen zu Berlin oder den Staatlichen Kunstsammlungen Dresden. Auf mehr als 500.000 Arbeiten kommen die 21 RuhrKunstMuseen, wenn sie ihre Sammlungen addieren. Ein imposanter Fundus, der sich vom 19. Jahrhundert über die Klassische Moderne bis zur Gegenwart erstreckt.
Geformt wurde diese Revier-Allianz im Kulturhauptstadtjahr Ruhr.2010. Wer den Verbund nach Orten sortiert, erhält eine Liste, die 16 Städte im Revier umfasst – vom Kunstmuseum Bochum bis zum Märkischen Museum Witten. Häuser, die deutschlandweit, ja international bekannt sind, gehören dazu – beispielsweise das Josef Albers Museum Quadrat in Bottrop, das Museum Ostwall im Dortmunder U, das Duisburger Lehmbruck Museum oder das Museum Folkwang in Essen. Aber auch Institutionen, die außerhalb von NRW tendenziell in der Kategorie »Geheimtipp« rangieren – das gilt etwa für das Emschertal-Museum Herne, Gustav-Lübcke-Museum in Hamm oder das Museum Haus Opherdicke in Holzwickede.
420 Highlights im Dialog
Um mit diesem Pfund gemeinsam zu wuchern, hatten die RuhrKunstMuseen im Sommer in der Essener Villa Hügel eine Sonderausstellung gezeigt, bei der die facettenreichen Bestände auf spielerische Art in einen Dialog gebracht wurden. Seine dauerhafte Fortsetzung hat »21 x 21« nun im Internet gefunden: Auf einer Website sind rund 420 Highlights der RuhrKunstMuseen online zugänglich. Doch werden sie nicht einfach artig nebeneinander auf dem Bildschirm präsentiert. Vielmehr hat sich der Förderverein RuhrKunstMuseen ein kluges Arrangement einfallen lassen, das an das Reiz-Reaktions-Schema erinnert, wie es etwa in der Biologie Verwendung findet.
Was heißt das konkret? Zunächst hat jedes Museum ein Kunstwerk ausgewählt, das stellvertretend für die eigene Sammlung steht. Auf diesen »Impuls« antworteten die anderen Häuser mit je einem »Reaktionswerk«. Wer die Website 21×21.de besucht, den empfängt so zunächst eine Karte mit 21 kleinen Abbildungen, die durch Linien miteinander verbunden sind. Klickt man auf eines der Bilder, rückt es ins Zentrum und wird zum Schlüsselreiz von Werken der anderen 20 Museen, die auf den Impuls reagieren.
Um ein Beispiel zu geben: Ein Klick auf Wilhelm Lehmbrucks »Große Sinnende« aus dem Duisburger Lehmbruck Museum macht die 1913 entstandene Bronze zum Zentralgestirn eines Kreises von 20 ›Kunstplaneten‹, die mit der Plastik des expressionistischen Bildhauers inhaltlich oder stilistisch harmonieren. Das Thema Aktdarstellung verbindet die »Große Sinnende« etwa mit Herbert Rolf Schlegels Gemälde »Stehender Rückenakt auf felsiger Küste (Bornholm)« (1912, Museum Haus Opherdicke) und Ernst Ludwig Kirchners Bild »Badende im Bergbach« (1921, Kunstmuseum Mülheim an der Ruhr).
Per »Museums-Match« lässt sich außerdem jene Institution entdecken, die am besten zum eigenen Kunstgeschmack passt. Wie das funktioniert? In mehreren Runden kann man Likes an favorisierte Kunstwerke verteilen. Am Ende verrät die Website, welches Museum einem besonders am Herzen liegt.






