Im Vorfeld des 200. Todestags von Ludwig van Beethoven, der 2027 ansteht, widmet sich das Beethoven-Haus in einer eigenen Ausstellung den Porträts des Komponisten, die Andy Warhol als eines seiner letzten Werke geschaffen hat. Pop Art meets Wiener Klassik.
Beethoven hat den Pop-Art-Künstler Andy Warhol zwar nicht durch sein ganzes Leben begleitet. Doch in eigenartiger Weise flankiert das Klassik-Genie Anfangs- und Endpunkt seiner Karriere: 1949, als der 21-Jährige, damals noch völlig unbekannt, als Gebrauchsgrafiker für Plattenfirmen arbeitete, entwarf er ein Cover für Beethovens 1. Sinfonie – das Label Columbia Masterworks brachte sie in einer Einspielung von Bruno Walter und dem Philharmonic Symphony Orchestra of New York heraus. Wenige Wochen vor Warhols Tod am 22. Februar 1987 dann schloss sich der Kreis mit dem vierteiligen Siebdruck-Portfolio »Beethoven«.
In Warhols Pantheon, das er mit hunderten druckgrafischen Paraphrasen populärer Fotos schmückte, gab es nur ein Einlasskriterium, und das hieß »Celebrity«. Elvis Presley fand deshalb ebenso Aufnahme in seinen VIP-Kosmos wie Marilyn Monroe. Und Beethoven. Nicht nur weil er einer der berühmtesten Komponisten der Historie ist. Sondern auch, weil sein Klavierspiel die Zeitgenossen so faszinierte. »Man kann seine Auftritte wohl nur mit denjenigen heutiger Popstars vergleichen, die ihre Fans zu Tränen hinreißen«, schreibt Christine Eichel in ihrem Buch »Der empfindsame Titan: Ludwig van Beethoven im Spiegel seiner wichtigsten Werke«.
Entscheidung aus Kalkül
Bei seiner Beethoven-Serie griff Warhol auf zwei motivische Vorlagen zurück, die er übereinander montierte: auf das ikonische, heroisch verklärte Porträt von Joseph Karl Stieler und auf das Autograph der »Mondscheinsonate«. Auch das eine Entscheidung aus Kalkül: »Vergleichbar ist das Adagio sostenuto der ›Mondscheinsonate‹ mit dem Lächeln der Mona Lisa: millionenfach reproduziert, dennoch unzerstörbar«, so Eichel.
Weil sich sowohl das Stieler-Porträt als auch die Niederschrift der Klaviersonate im Besitz des Beethoven-Hauses befinden, und weil Warhols Beethoven-Portfolio als Auftragsarbeit des Bonner Galeristen Hermann Wünsche entstand, ist das Museum der ideale Ort für ein Rendezvous zwischen Wiener Klassik und US-Pop Art. »Beethoven by Warhol«, so lautet der Titel der Schau, die sich als Vorspiel für das Beethoven-Gedenkjahr 2027 gilt – dann wird der 200. Todestag des Komponisten gefeiert.
Umrahmt werden Warhols vier Farbvarianten von mehr als 100 Objekten aus Sammlungen. Darunter Trial Proofs sowie Fotos, Einladungskarten oder Poster, die in Zusammenhang mit der Edition entstanden. Ein Schwerpunkt gilt Hermann Wünsche (1941-1993). Bereits seit den 1970er Jahren engagierte sich der Galerist, Sammler und Verleger als rheinischer Brückenkopf für die Pop Art. 1989 präsentierte er die Beethoven-Porträts erstmals im Rahmen der 2000-Jahr-Feier der Stadt Bonn in der Beethovenhalle.
Zwar liebte Warhol Musik. Immerhin managte er die Band Velvet Underground und machte sie zum Teil seiner Factory. Bei der künstlerischen Arbeit soll er seine Lieblingssongs im Dauerloop gehört haben. Malen sei für ihn ein Vorwand, »wirklich gute Musik« zu hören. Darunter verstand er allerdings weniger Klassik als Rock, Pop und den Disco-Sound der späten 1970er. Bezeichnend ist auch, dass er seine Persönlichkeit mit einem Vergleich aus der Musikwelt definierte: »Ich bin das Loch in der Schallplatte«, so, »selber bin ich nichts, aber alles dreht sich um mich«.
»BEETHOVEN BY WARHOL«
BEETHOVEN-HAUS, BONN
9. SEPTEMBER BIS 5. APRIL 2027






